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AtomkatastropheDas japanische Volk soll die Zeche zahlen

Japan denkt über die Verstaatlichung des AKW-Betreibers Tepco nach. Dem Konzern drohen Forderungen in Milliardenhöhe. Das Volk davon zu überzeugen, dürfte schwierig sein.

von
sas
Die japanische Regierung erwägte die Firma Tepco, die in Fukushima das Atomkraftwerk betrieb, zu verstaatlichen.

Die japanische Regierung erwägte die Firma Tepco, die in Fukushima das Atomkraftwerk betrieb, zu verstaatlichen.

Auch mehr als zwei Wochen nach dem Tsunami gibt es wenig Hoffnung, dass die Techniker und Hilfskräfte die Atomkatastrophe rasch eindämmen können. Seit Montag ist zudem klar, dass es in einem Reaktor von Fukushima zu einer Kernschmelze gekommen ist.

Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo prüft die Regierung nun die Verstaatlichung der Energiekonzerns Tepco, welcher in Fukushima eine Reaktorruine besitzt, die wohl wird zubetoniert werden müssen. Eine Verstaatlichung sei eine Option, sagte der Minister für die Nationale Strategie, Koichiro Gemba. «Es ist logisch, darüber zu diskutieren, wie Tepco in Zukunft funktionieren sollte».

Die offizielle Haltung der Regierung ist noch eine andere. «Zu diesem Zeitpunkt» erwäge die Regierung nicht die Verstaatlichung des Unternehmens, so Regierungssprecher Yukio Edano. Und der Energieriese Tepco, der in Japan über 44 Millionen Kunden mit Strom versorgt, liess verlauten, ihm seien keine solchen Pläne bekannt. Dabei gilt es zu bedenken: Zuletzt hatten sowohl Tecpo wie auch die Regierung stets selektiv und nicht immer offen informiert. Die Zeitung «Yomiuri Shimbun» berichtete am Dienstag unter Berufung auf Regierungskreise, die Regierung erwäge bei der Aktiengesellschaft eine Mehrheit zu übernehmen.

Kredit für Entschädigungen

Seit Beginn der Katastrophe hat der Akteinkurs von Tepco – nachdem die Aktie zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt worden war – mehr als zwei Drittel ihre Wertes verloren. Zudem hat auch das Image von Tepco in der japanischen Öffentlichkeit stark gelitten. Das Volk vom Sinn einer Verstaatlichung des angeschlagenen Energiekonzerns zu überzeugen, dürfte daher schwierig sein, zumal auf den Betreiber des AKW in Fukushima gewaltige Entschädigungszahlungen zukommen könnten.

Tepco hat laut dem «Wall Street Journal» angekündigt, sich auf dem Kapitalmarkt zwei Billionen Yen beschaffen zu wollen, was umgerechnet 22,4 Milliarden Franken entspricht. Ob der Stromkonzern diese Summen an Geschädigte auszahlen muss, hängt von der Einstufung der Katastrophe durch die Regierung ab: Stuft Japan den Reaktorunfall als Folge einer «schwerwiegenden Naturkatastrophe mit ausserordentlichem Charakter» ein, kommt Tepco glimpflich davon. In diesem Fall müsste der japanische Staat für den Grossteil der Schäden aufkommen.

Staat zahlt sowieso

Dass der Staat für einen gewissen Teil der Schäden aufkommt, gilt aber bereits jetzt als sicher. Der Minister für die Nationale Strategie deutete an, dass der Staat die Kosten übernehmen könnte, die Tepco selbst nicht zahlen kann. «Da der Staat Atomenergie gefördert hat, ist es notwendig, dass der Staat letztlich die Verantwortung übernimmt», so Koichiro Gemba.

(sas/sda)

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