Trächtig geschlachtet: Das Kalb erstickt langsam im Mutterleib
Aktualisiert

Trächtig geschlachtetDas Kalb erstickt langsam im Mutterleib

Viele Kühe werden geschlachtet, obwohl sie trächtig sind. Laut Tierschutz ist der Tod des Kalbs schmerzvoll. Der Bund erlässt kein Gesetz, um dies zu verhindern.

von
Nicole Di Natale

Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 15'000 Rinder auf die Schlachtbank geführt, die ein kleines Kälbchen im Bauch tragen. Das sind sechs Prozent aller geschlachteten Kühe, wie eine Studie des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV 2012 ergab. Während die Kuh nach dem Bolzenschuss des Schlachters ausblutet, stirbt das Kälbchen qualvoll im Bauch der Mutterkuh.

Hansuli Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes, ist empört: «Das Kalb erstickt langsam im Mutterleib.»

Keine gesetzliche Regelung

Weiter kritisiert er den Transport der trächtigen Kühe zum Metzger. «Das ist einfach nur unmenschlich», sagt er. Gegenüber «Saldo» bemängelt Huber, dass es in der Schweiz keine gesetzliche Regelung gebe, ob und wie die Kühe während ihrer Schwangerschaft geschlachtet werden dürfen.

Beim Bundesamt für Veterinärwesen will man aber offenbar keine gesetzliche Regelung einführen. Gemäss Mediensprecherin Sabina Helfer sei das Schlachten von trächtigen Kühen zwar «ethisch-moralisch problematisch». Dennoch erwartet man, dass die Bauern das Problem von sich aus lösen. «Tierärzte und Tierhalter werden derzeit auf die Problematik sensibilisiert, damit keine hochträchtigen Tiere im Schlachthof landen.»

«Die Bauern wissen nicht, ob die Kuh trächtig ist»

Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist da schon einen Schritt weiter und hat einen Test entwickelt, mit dem anhand der Milch festgestellt werden kann, ob die Kuh ein Kälbchen im Bauch trägt. Der Test sei bereits im Einsatz, könne aber nur bei Kühen angewendet werden, die Milch geben.

Die Schlachtung trächtiger Kühe verurteilt der SBV. Gleichzeitig werden die Bauern auch in Schutz genommen. «Meist wissen die Bauern gar nicht, ob die Kuh trächtig ist», sagt Mediensprecherin Sandra Helfenstein. Bei der Mutterkuhhaltung laufe ein Stier in der Herde mit und decke Kühe und Rinder. «Da kann es passieren, dass der Bauer das nicht mitbekommt.»

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