Ensovibep – Das kann das Anti-Covid-Medikament aus der Schweiz
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EnsovibepDas kann das Anti-Covid-Medikament aus der Schweiz

Gute Neuigkeiten vermelden das Schweizer Biotech-Unternehmen Molecular Partners und Novartis: Ihr antivirales Therapeutikum Ensovibep hat in einer Studie gute Resultate gezeigt. Auch der Infektiologe Andreas Widmer zeigt sich hoffnungsvoll.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das antivirale Medikament Ensovibep weckt Hoffnungen, Risikopatienten künftig besser vor schweren Covid-19-Verläufen schützen zu können. (Im Bild: eine Mitarbeiterin der Herstellerfirma Molecular Partners im Labor)

Das antivirale Medikament Ensovibep weckt Hoffnungen, Risikopatienten künftig besser vor schweren Covid-19-Verläufen schützen zu können. (Im Bild: eine Mitarbeiterin der Herstellerfirma Molecular Partners im Labor)

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Entwickelt wurde das Therapeutikum vom Schlierener Biotech-Unternehmen Molecular Partners …

Entwickelt wurde das Therapeutikum vom Schlierener Biotech-Unternehmen Molecular Partners …

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… und der Pharmafirma Novartis. 

… und der Pharmafirma Novartis.

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Darum gehts

  • Das Covid-Mittel Ensovibep der Schweizer Firma Molecular Partners hat eine wichtige Hürde überschritten.

  • Obwohl die klinische Studie zur Wirksamkeit gegen die dominante Omikron-Variante noch aussteht, gibt sich das Unternehmen zuversichtlich.

  • Auch der Infektiologe Andreas Widmer hält die Hoffnungen in das antivirale Medikament für berechtigt.

Was kann Ensovibep?

Laut den Herstellern reduziert Ensovibep – rechtzeitig verabreicht – die Viruslast bei Corona-Infizierten deutlich. Das geht aus der Phase-II-Studie (siehe Box) hervor. «Das Virus verschwindet schneller aus dem Organismus und das Risiko der Hospitalisierung und eines Arztbesuches wird um 78 Prozent reduziert», benennt Patrick Amstutz, CEO von Molecular Partners, die wichtigsten Vorteile gegenüber 20 Minuten. Auch wurde bei den Erkrankten die Genesung beschleunigt: «Mit dem Medikament sind mehr Patienten bis Tag 29 vollständig genesen.»

In der Studie sei keiner der mit Ensovibep behandelten Patienten verstorben. In der Kontrollgruppe, in der die Probanden ein Placebo erhielten, habe es dagegen zwei Tote gegeben.

So lief die Studie ab

Die Studie fand im Rahmen der sogenannten EMPATHY-Studie statt. Dabei handelt es sich um eine global durchgeführte Studie bei ambulanten (nicht hospitalisierten) erwachsenen Patienten mit Covid-19. Teilgenommen haben 407 Patienten in den USA, Südafrika, Indien, den Niederlanden und Ungarn. Ziel war es auch, die richtige Dosierung zu finden. Untersucht wurden drei verschiedene Dosen: 75 mg, 225 mg und 600 mg. Alle drei entpuppten sich als sicher und gut verträglich, wobei 75 mg die geplante Dosis für die weitere Entwicklung ist.

Welche Covid-19-Patienten können von Ensovibep profitieren?

Laut Amstutz ist Ensovibep für Risikopatienten gedacht, die mit einem schweren Verlauf rechnen müssen. Das sind unter anderem ältere Personen und stark übergewichtige.

Wann muss es verabreicht werden – und wie – damit es voll wirkt?

Ensovibep wird intravenös verabreicht und muss frühzeitig gegeben werden. Wer das Medikament innerhalb von sieben Tagen nach Infektion oder Diagnose verabreicht bekommt, hat sehr gute Chancen auf eine erfolgreiche Heilung. «Wenn die Betroffenen bereits im Spital sind, wirkt es wahrscheinlich nicht mehr», so Amstutz. «Das Virus muss blockiert werden, bevor es Schaden angerichtet hat.»

Was ist Ensovibep für ein Medikament?

Ensovibep gehört zur Gruppe der Virostatika. Das sind Medikamente, die Viren hemmen. Antivirale Therapeutika verhindern zum Beispiel, dass die Erreger an körpereigene Zellen andocken oder sich im Inneren solcher Zellen vermehren können.

Was ist das Besondere an Ensovibep?

Konkret handelt es sich bei Ensovibep um eine neue Klasse von massgeschneiderten Proteinmedikamenten, um ein sogenanntes DARPin (Designed Ankyrin Repeat Protein): Es verfügt über ein Molekül, das an bis zu drei Bereiche von Sars-CoV-2 gleichzeitig ansetzen und das Virus so auf verschiedene Arten neutralisieren kann. Durch diesen «mulitspezifischen» Ansatz soll es gegen alle häufigen Sars-CoV-2-Varianten und auch auch gegen sogenannte Fluchtmutanten wirken, die der Immunantwort des Menschen besser entkommen können. Die Hersteller sprechen von einer «Pan-Aktivität», die darauf hoffen lasse, «dass auch künftige Varianten blockiert werden», so Amstutz.

Die dominante Omikron-Variante gilt als Fluchtmutante – wirkt Ensovibep auch dagegen?

Zum Zeitpunkt der Studie gab es die Omikron-Variante noch nicht. Entsprechend nahmen an der klinischen Studie (in-vivo) vor allem Patienten teil, die mit der Delta-Variante infiziert waren. Doch die Studienverantwortlichen prüften die Wirksamkeit des Medikaments gegen Omikron im Reagenzglas (in-vitro) und beobachteten auch dabei eine Aktivität. «Daher sind wir überzeugt, dass es die gleiche Wirkung hat», so Amstutz. «Wir erwarten eine hohe Durchschlagskraft.»

Ab wann wird Ensovibep in der Schweiz verfügbar sein?

Das lässt sich noch nicht sagen. «Wir erwarten, dass die Notfallzulassungen bald kommen sollten», sagt Molecular Partners-CEO Amstutz. «Für die formale Zulassung werden wir die gesammelten Daten in den nächsten Tagen mit den Behörden besprechen.» Letztere benötige mehr Zeit. Dafür brauche es noch eine grössere globale Studie, die allerdings bereits geplant sei. Sobald Ensovibep in der Schweiz zugelassen ist, kann es dann auch bald verabreicht werden. Der Bund hat bereits im August 2020 200’000 Dosen vorbestellt.

Kann Ensovibep die Impfungen ersetzen?

Nein und das soll es auch nicht. Es sei vielmehr «ein weiteres Werkzeug im Baukasten» im Kampf gegen Sars-CoV-2. «Ich empfehle immer die Impfung. Aber dort wo Impfen nicht möglich ist oder wo die Impfung nachgelassen hat, haben wir das Medikament», so Amstutz.

Ist das der Durchbruch?

Bislang nur wurden nur die Medienmitteilungen von Molecular Partners und Novartis sowie eine Vorab-Studie veröffentlicht. Das heisst: Die Daten wurden noch nicht von unbeteiligten Forschenden geprüft. Aber: Die Erkenntnisse sind vielversprechend. Allerdings handelt es sich dabei erst um die Resultate der Phase-II-Studien. Die der Phase-III-Studien stehen noch aus.

Obwohl die klinische Testung mit einer grossen Anzahl von Patienten noch aussteht, hält auch der Infektiologe Andreas Widmer, der an der Untersuchung nicht beteiligt war, die Hoffnung für berechtigt, «dass wir neben Paxlovid – eine Tablette – eine weitere Substanz für die Frühtherapie gegen Covid-19 haben werden.» Doch auch er betont, dass «die dreifache Impfung die wirksamste Waffe gegen die Omikron-Erkrankung» ist.

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