Aktualisiert 21.01.2019 07:52

Alles per AppDas kann die Handy-Bank besser als andere Banken

Die Smartphone-Bank N26 kommt in die Schweiz. Das deutsche Start-up dürfte vor allem bei jüngeren Konsumenten auf Interesse stossen.

von
R. Knecht
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Für dieses Jahr hat die Smartphone-Bank N26 den Schweizer Marktstart angekündigt.

Für dieses Jahr hat die Smartphone-Bank N26 den Schweizer Marktstart angekündigt.

20 Minuten/rkn
Die Bank steckt quasi komplett in der App. Von der Eröffnung bis zur Saldierung ist alles aufs Smartphone ausgerichtet.

Die Bank steckt quasi komplett in der App. Von der Eröffnung bis zur Saldierung ist alles aufs Smartphone ausgerichtet.

N26
Kunden können laut N26 mit der Mastercard gratis bezahlen – und zwar in jeder Währung.

Kunden können laut N26 mit der Mastercard gratis bezahlen – und zwar in jeder Währung.

N26

Eine App und eine Mastercard – das ist alles, was das deutsche Start-up N26 für Banking braucht. Die Berliner Fintech-Firma, die damit wirbt, versteckte Gebühren abzuschaffen, hat für 2019 den Schweizer Markteintritt angekündigt. Das berichtet die «Basler Zeitung».

Das Angebot von N26 dürfte vor allem jüngere Menschen interessieren, die viel reisen, vermutet Sandro Graf, Dozent für Customer Experience Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Affinität für solche neuartige Angebote setze ähnlich wie bei Mobile Payment eine gewisse Risikobereitschaft voraus, die man insbesondere bei jungen Männern mit guter Ausbildung und überdurchschnittlichem Einkommen finde. «Wer hingegen bereits eine halbe Million gespart hat, wird die wohl kaum auf ein Konto bei einer Start-up-Bank legen wollen», sagt Graf zu 20 Minuten.

Ob N26 in der Schweiz etwas am Angebot verändern wird, hat das Unternehmen auf Anfrage von 20 Minuten bisher nicht beantwortet. In diesen Punkten sticht das bestehende Angebot der Handy-Bank besonders hervor:

Alles in der App

Die Bank steckt quasi komplett in der App. Von der Eröffnung bis zur Saldierung ist alles aufs Smartphone ausgerichtet. «Neue Banken wie N26 haben den Vorteil, dass sie ihre App und Onlineerscheinung von Grund auf neu konzipieren», sagt Graf zu 20 Minuten. Im Gegensatz dazu sei das Interface der Apps mancher etablierter Anbieter veraltet. Schon bei der Kontoeröffnung spürt man den Vorteil von N26: Sie findet entweder direkt in der App oder im Browser statt und dauert rund zwei Minuten, sofern man sich mit den Nutzungsbedingungen bereits auskennt. Zwar kann man auch bei den grossen Schweizer Banken per App oder Browser ein Konto eröffnen. Doch der Prozess ist meist etwas komplizierter als bei N26. Bei der Credit Suisse und der UBS etwa muss sich der Nutzer während der Kontoeröffnung per E-Mail oder SMS verifizieren. Eine solche Unterbrechung gibt es bei N26 nicht.

Gratis in Fremdwährung bezahlen

Kunden können laut N26 mit der Mastercard gratis bezahlen – und zwar in jeder Währung. Das ist in der Finanzwelt selten: Die meisten Banken verlangen einen Aufschlag, wenn ein Kunde in Fremdwährungen bezahlen will. Laut der Preisliste der UBS etwa beträgt diese Gebühr bei Transaktionen unter 100'000 Franken je nach Währung zwischen 1,7 und 3,6 Prozent. Wer beispielsweise 500 Dollar braucht, muss somit rund 8.45 Franken zusätzlich zahlen.

Geld beziehen ohne Gebühren

Eine weitere Gebühr, auf die N26 im Vergleich zu vielen traditionellen Banken verzichtet, ist jene beim Geldbezug am Automaten. Die Bank verspricht Gratisbezüge in der Landeswährung an allen Bancomaten, die die Mastercard akzeptieren. Mit Ausnahme von Grossbritannien ist die Währung in allen Ländern, in denen N26 bisher aktiv ist, der Euro. Falls Schweizer Kunden allerdings statt Euro nur gratis Franken beziehen könnten, wäre der Nutzen eher klein: Die meisten Bancomaten im Ausland geben ohnehin keine Franken aus.

Neues Erlebnis

N26 hat laut Graf den Vorteil, im Banking-Bereich ein neues Erlebnis zu bieten. Für viele Konsumenten dürfte das ein Grund sein, das Angebot auszuprobieren – gerade auch weil es nichts kostet. Die etablierten Institute müssen sich deswegen aber noch keine Sorgen machen: «Die meisten Konsumenten bleiben in der Regel lange bei dem, was sie kennen», sagt Graf. Mittelfristig müssten sich die traditionellen Banken aber doch überlegen, wie sie ihr Angebot für innovationshungrige Kunden interessant machen können.

Zusatzangebote

Das Basisangebot der Bank ist gratis und beinhaltet bereits die Mastercard von N26. Doch die Firma bietet auch ein Bezahlmodell namens N26 Black. Das kostet in Europa derzeit 9,90 Euro und ermöglicht kostenlose Geldbezüge weltweit, unabhängig von der Währung. Dazu kommt ein Versicherungspaket der Allianz. Es beinhaltet eine Reiseversicherung für medizinische Notfälle und extreme Flugverspätungen. Auch eine Diebstahlversicherung bis zu vier Stunden nach Geldbezug am Bancomaten gehört zum Paket. In Deutschland bietet N26 noch das Metal-Paket für 16,90 Euro. Es umfasst zusätzlich einen persönlichen Kundendienst und Spezialangebote von Partnern.

Junge Bank, viel Geld

Die 2013 gegründete Bank ist noch jung, und sie ist erst in Europa tätig. Trotzdem hat die Fintech-Firma bereits einen Marktwert von 2,7 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der Schweizer Investmentbank Vontobel beträgt 3,3 Milliarden Franken. An die Schweizer Platzhirsche UBS (52 Milliarden Franken) und Credit Suisse (30,9 Milliarden Franken) kommt N26 allerdings noch nicht heran.

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