Aktualisiert 08.08.2019 11:01

Euro-Franken-Kurs

Das kann die SNB gegen die Frankenstärke tun

Der starke Franken wird für die Schweizer Nationalbank zum Problem. Was die Währungshüter jetzt tun könnten.

von
Dominic Benz

Der Franken ist zum Euro stärker geworden. Ende Juli kostete die Gemeinschaftswährung erstmals seit langem weniger als 1.10 Franken. Diese Woche rutschte der Euro kurzzeitig gar unter die Marke von 1.09 Franken. Damit notierte der Franken auf dem höchsten Stand seit über zwei Jahren. «Die Situation hat sich in den letzten Wochen zugespitzt», sagt Credit-Suisse-Ökonom Maxime Botteron zu 20 Minuten.

Er sieht zwei Gründe für die Aufwertung der Frankens: Zum einen hat sich das Wirtschaftswachstum weltweit und in der Eurozone abgeschwächt. Die Nationalbanken lockern daher wieder ihre Geldpolitik. Zum anderen spitzt sich der Handelskrieg zwischen den USA und China weiter zu. Die Anleger flüchten deswegen in «sichere Häfen».

Der erstarkte Franken bereitet der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Sorgen. Denn sie will eine Aufwertung verhindern. Doch was können die Währungshüter dagegen tun? 20 Minuten zeigt die Optionen und deren Chancen sowie Risiken auf:

Abwarten und nichts tun

Die SNB hat die Marke 1.10 Franken fast kampflos aufgegeben. Viele Analysten glauben, dass die Bank erst bei einem Kurs von 1.05 Franken pro Euro vehement eingreifen würden.

Chance: Je stärker der Franken wird, desto günstiger wird es, Produkte in der Eurozone zu kaufen. «Hiesige Importeure würde so Gewinne machen», sagt Botteron. Auch die Konsumenten könnten billiger in der Eurozone einkaufen.

Risiko: Der starke Franken belastet die Schweizer Exporteure. Ihre Produkte werden teurer und damit weniger wettbewerbsfähig. Ein Nichtstun würde auch die Preisstabilität bedrohen, so Botteron. Es bestünde die Gefahr einer Deflation. Auch die Glaubwürdigkeit der SNB steht auf dem Spiel: «Nicht auf die Aufwertung des Frankens zu reagieren, widerspricht ab einem gewissen Punkt dem Auftrag der SNB», sagt der Ökonom.

Leitzins weiter senken

Ende Juli senkte die US-Nationalbank zum ersten Mal seit langem wieder die Zinsen. Einen solchen Schritt erwartet man auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) im September. «Das würde den Druck auf die SNB erhöhen, ebenfalls die Zinsen zu senken», sagt Botteron. Tiefere Zinsen würden Investitionen in Franken weniger attraktiv machen. Das wiederum nimmt dem Franken den Aufwärtsdruck.

Chance: Eine Zinssenkung ist laut Botteron ein Signal an die Märkte, dass man im Kampf gegen die Frankenstärke noch immer Spielraum nach unten hat – auch wenn die Zinsen bereits tief sind. Derzeit liegt der SNB-Leitzins bei minus 0,75 Prozent. «Möglich ist in den nächsten sechs bis neun Monaten eine weitere Senkung um 25 bis 50 Basispunkte», sagt der Ökonom.

Risiko: Fallen die Zinsen noch weiter, steigt der Druck auf die Banken. «Das Risiko wäre gross, dass sie die Negativzinsen an die Kunden weitergeben.» Schon jetzt erheben viele Banken Gebühren etwa auf Spareinlagen.

Am Devisenmarkt intervenieren

Für Ökonom Botteron ist klar: «In den letzten drei Wochen hat die SNB immer wieder am Markt interveniert.» Daraufhin deuten auch die Sichtguthaben (siehe Box) der Schweizer Banken. Diese sind zuletzt wieder angestiegen. Auch die Commerzbank betont, dass die jüngste Erholung beim Euro-Franken-Paar auf eine Intervention durch die SNB hindeute.

Chance: Mit dem Kauf von Euro und Dollar kann die SNB sich gegen eine Aufwertung des Frankens stellen. «Devisenkäufe sind ein klares Signal an den Markt, dass die SNB eine Aufwertung nicht toleriert», so Botteron. Bereits die jüngsten Interventionen würden signalisieren, dass die SNB die jetzige Frankenstärke nicht gutheisse.

Risiko: Kauft die SNB Devisen im grossen Stil, bläht sie ihre Bilanz auf. «Damit steigt das Risiko von Verlusten aufgrund von Währungsschwankungen», so Botteron. Die jährlichen Ausschüttungen an den Bund und die Kantone wären damit in Frage gestellt.

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