Ratgeber: Das kannst du tun, wenn dein Chef dich mobbt
Aktualisiert

RatgeberDas kannst du tun, wenn dein Chef dich mobbt

Mobbing am Arbeitsplatz ist keine Seltenheit. Doch wie wehrt man sich, wenn der Täter der eigene Chef ist? Ein Ratgeber.

von
Barbara Scherer
1 / 10
Am Arbeitsplatz gemobbt zu werden, ist unangenehm: Ist der Täter der eigene Chef, wissen viele nicht, wie sie sich wehren sollen.

Am Arbeitsplatz gemobbt zu werden, ist unangenehm: Ist der Täter der eigene Chef, wissen viele nicht, wie sie sich wehren sollen.

Getty Images/iStockphoto
Mobbing durch den Chef ist laut Claudia Stam-Wassmer, Geschäftsleiterin der Fachstelle Mobbing und Belästigung in Zürich und Bern, ein klassischer Fall.

Mobbing durch den Chef ist laut Claudia Stam-Wassmer, Geschäftsleiterin der Fachstelle Mobbing und Belästigung in Zürich und Bern, ein klassischer Fall.

Mindestens 50 Prozent der Personen, die bei der Fachstelle Hilfe suchen, würden von ihrem Chef gemobbt, so Stam-Wassmer.

Mindestens 50 Prozent der Personen, die bei der Fachstelle Hilfe suchen, würden von ihrem Chef gemobbt, so Stam-Wassmer.

Getty Images

Darum gehts

  • Wer bei Beratungsstellen Hilfe sucht, gibt häufig an, vom Chef gemobbt zu werden.
  • Besonders Berufseinsteiger sind mit Mobbing durch den Chef überfordert.
  • Doch gegen Mobbing kann man sich wehren.
  • Wenn du weiterliest, erfährst du wie.

Arbeiten, die sonst niemand machen will, abfällige Bemerkungen, wenn etwas nicht gut läuft – wer diese Situationen regelmässig am Arbeitsplatz erlebt, wird oftmals gemobbt. Ist der Täter der eigene Chef, wissen viele nicht, wie sie sich wehren sollen.

Besonders Berufseinsteiger und Arbeitnehmer mit wenig Berufserfahrung sind mit Mobbing durch den Chef überfordert, wie das Onlinemagazin Bento schreibt. «Mobbing durch den Chef, das ist der klassische Fall», sagt Claudia Stam-Wassmer, Geschäftsleiterin der Fachstelle Mobbing und Belästigung in Zürich und Bern, zu 20 Minuten.

Mindestens 50 Prozent der Personen, die bei der Fachstelle Hilfe suchten, würden von ihrem Chef gemobbt. «Aus meiner Erfahrung werden auch viele ältere Mitarbeitende von Vorgesetzten gemobbt.»

Während jüngere Arbeitnehmer ab einem gewissen Leidensdruck kündigen, leiden ältere Angestellte länger und mehr unter dem Mobbing. Laut Stam-Wassmer trauen sich die Betroffenen ab einem gewissen Alter kaum mehr zu kündigen, «aus Angst davor, keinen neuen Job mehr zu finden». Wie sollten sich Betroffene also am besten verhalten?

Das Gespräch suchen

Wer sich vom Chef gemobbt fühlt, sollte zuerst das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen, wie Stam-Wassmer rät. Einfach ist das aber meistens nicht: «Die Schwierigkeit liegt darin, beweisen zu können, dass ein Vorgesetzter unfair handelt.» Möglicherweise handelt sich alles nur um ein Missverständnis. Wenn das Gespräch zu keiner Besserung führt, empfiehlt Stam-Wassmer, dass sich die Betroffenen mit der Personalabteilung in Verbindung setzten oder das Gespräch mit dem Vorgesetzten des Chefs suchen.

Ein Tagebuch führen

Wann hat wer was gesagt – nicht immer ist klar, wie genau eine Situation verlaufen ist. Deshalb lohnt es sich, ein Mobbing-Tagebuch zu führen. «Denn oft merken die Leute gar nicht, dass sie gemobbt werden», so Stam-Wassmer. Viele suchten den Fehler bei sich selbst. Dabei verlören sie den Überblick, was wirklich passiert sei. Wer jeden Tag aufschreibe, was passiert sei, der merke schneller, ob er unfair behandelt werde.

Unterstützung holen

Neben einem Tagebuch hilft es laut Bento auch, mit Vertrauten über die Geschehnisse zu reden. Familie, Freunde oder auch Kollegen können dabei helfen, die Situation einzuschätzen. «Wichtig ist, an einem gewissen Punkt professionelle Hilfe zu suchen», sagt Claudia Stam-Wassmer zu 20 Minuten. Gute Bekannte können einem nur bis zu einem gewissen Punkt helfen. Hilfe bieten psychologische Dienste, Fachstellen oder Coaches an. Lieber man hole sich früh genug Hilfe, denn viele Betroffene bekämen mit der Zeit einen Tunnelblick und würden schlussendlich krank, so Stam-Wassmer.

Weiterschauen

Bessert sich die Lage nicht, sollten sich Betroffene nach einer anderen Lösung umschauen. Vielleicht ist ein interner Wechsel möglich, ansonsten empfiehlt es sich, nach einer neuen Stelle zu suchen. «Gerade bei älteren Arbeitnehmern ist eine Neuorientierung aber schwierig», sagt Stam-Wassmer. Fachstellen bieten auch dann professionelle Hilfe und suchen mit den Betroffenen nach sinnvollen Lösungen.

Recht im Job

Arbeitgeber muss Angestellte schützen

Gemäss Art. 328 OR hat der Arbeitgeber die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu achten und zu schützen, auf dessen Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen.

Er hat alle Eingriffe in die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu unterlassen, die nicht durch den Arbeitsvertrag gerechtfertigt sind, und im Rahmen des Arbeitsverhältnisses entsprechende Eingriffe von Vorgesetzten, Mitarbeitenden oder Dritten abzuwehren.

Der Arbeitgeber ist somit aufgrund seiner Fürsorgepflicht dazu angehalten, die berechtigten Interessen seiner Arbeitnehmenden zu wahren und sie so weit wie möglich vor Mobbing am Arbeitsplatz zu schützen.

Deine Meinung

32 Kommentare