Aktualisiert 01.04.2017 19:08

Verkauf von Browserdaten«Das kennen wir schon von Facebook und Google»

US-Telecomanbieter sollen ohne Zustimmung der Nutzer Daten verkaufen können. Wie steht es um unsere Browserdaten in der Schweiz?

von
Andreas Hauri
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Im Browser-Verlauf sind alle Seiten aufgelistet, die ein Internetnutzer besucht hat. In den USA sollen solche privaten Daten künftig ohne Zustimmung des Betroffenen verkauft werden dürfen.

Im Browser-Verlauf sind alle Seiten aufgelistet, die ein Internetnutzer besucht hat. In den USA sollen solche privaten Daten künftig ohne Zustimmung des Betroffenen verkauft werden dürfen.

20 Minuten/Mareike Rehberg
Ein herber Rückschlag für Datenschützer und Internet-Nutzer in den USA.

Ein herber Rückschlag für Datenschützer und Internet-Nutzer in den USA.

Public Domain
Derweil formiert sich Protest: Mehrere US-Aktivisten sammeln etwa im Netz Spenden, um die Browser-Verläufe von Kongressabgeordneten zu kaufen.

Derweil formiert sich Protest: Mehrere US-Aktivisten sammeln etwa im Netz Spenden, um die Browser-Verläufe von Kongressabgeordneten zu kaufen.

Screenshot Gofundme.com

Es seien schwierige Zeiten für Datenschützer in den USA, heisst es. Am vergangenen Dienstag hat nach dem Senat auch das Abgeordnetenhaus einen Entscheid gebilligt, wonach Internet- und Telecomanbieter den Browser-Verlauf ihrer Kunden ohne deren Einwilligung an den Meistbietenden verkaufen dürfen. Es fehlt nur noch die Unterschrift des US-Präsidenten – und Donald Trumps Zustimmung gilt als sicher.

Wie sind diese Entwicklungen in Übersee zu bewerten? Und wie ist die Situation in puncto Datenhandel in der Schweiz? Marc Ruef, IT-Sicherheitsexperte bei der Zürcher Firma Scip AG, gibt Auskunft.

Herr Ruef, ist die vergangene Woche tatsächlich ein herber Rückschlag für Datenschützer und Internet-Nutzer in den USA ?

In der Tat. Aber schliesslich ist es nur eine Weiterführung des Konzepts, das wir von Facebook und Google kennen: Der Dienstleister erlaubt die Auswertung unserer Daten, wodurch unter anderem personalisierte Werbung möglich wird. Dieses Prinzip wird halt nun generell für Internet-Provider möglich.

Sind unsere Browser-Daten hierzulande vor Swisscom & Co. sicher?

Swisscom-Kunden haben jüngst eine Vertragsänderung vorgelegt bekommen, die eine Auswertung der gleichen Form zulässt. Ein Widerspruch zu dieser Vertragsänderung ist möglich und mit gewissem Aufwand durchsetzbar.

Welche Möglichkeiten haben Nutzer, um sich zu schützen?

Die Entwicklung zum gläsernen Menschen kann nicht verhindert werden. Ich spreche hier von einem Zeithorizont von 30 Jahren und mehr. Wichtig ist, dass diese Entwicklung organisch und transparent verläuft. Auch Unternehmen und der Staat sollten transparent werden, um eine Machtkonsolidierung zu verhindern.

Wie muss die Schweiz auf die Geschehnisse in den USA reagieren?

Die Politik hat realisiert, wie wichtig der Schutz der persönlichen Daten ist. Es sind konkrete Bestrebungen im Gang, den Austausch mit den USA einzuschränken und kontrollierbar zu machen. Ob und inwiefern sich die eher unpopuläre Sichtweise der diesbezüglich eher konservativen Schweiz durchsetzen lässt, wird die Zukunft zeigen.

Sind Bürger und Politik sensibler für das Thema Datenschutz geworden?

In den letzten zehn Jahren ist auf gesellschaftlicher und politischer Ebene eine Zunahme von Skepsis gegenüber ungefiltertem Datenaustausch zu beobachten. Dies ist erfreulich zu sehen, denn es gehört zur Aufgabe der Politik, die Bürger und damit auch deren Daten zu schützen. Privatsphäre ist ein anerkanntes Menschenrecht.

Weil die Vögel es nicht von den Dächern zwitschern

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