Aktualisiert 30.03.2013 18:27

Doktor Sex

«Das Kind ist da und beim Vater ist tote Hose!»

Caroline ist stolze Mutter. Gleichzeitig leidet sie, denn seit der Geburt des Kindes hat ihr Freund Erektionsprobleme. Woran kann das liegen? Und wie kann sie ihm helfen?

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Die Geburt eines Kindes hat Auswirkungen - auf die Beziehung und auch auf die Sexualität. (Symbolbild: Colourbox.com, Christopher Robbins)

Die Geburt eines Kindes hat Auswirkungen - auf die Beziehung und auch auf die Sexualität. (Symbolbild: Colourbox.com, Christopher Robbins)

Frage von Caroline (29) an Doktor Sex: Seit der Geburt unseres Kindes vor einem Jahr hatten ich und mein Freund nur einmal Sex. Damals brauchte es mehrere Anläufe bis er eine Erektion kriegte. Ich hatte danach immer wieder grosse Lust auf mehr, aber er scheint einfach nicht zu können und weicht mir immer mehr aus. Woran kann das liegen? Und wie kann ich ihm helfen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Caroline

Ein Kind hat unweigerlich Auswirkungen auf die Beziehung eines Paares und meist auch auf dessen Sexualleben - auch wenn diese bei den meisten Paaren nicht dramatisch sind und sich irgendwann eine andere, neue «Normalität» von selber einstellt oder gemeinsam erarbeitet wird. Zuweilen zeigen sich die Veränderungen schon während der Schwangerschaft – manche Stellungen beispielsweise sind ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr möglich -, spätestens aber nach der Geburt. Erst sind es die körperlichen Verletzungen aus dem Geburtsvorgang, die zwei bis drei Monate lang den Geschlechtsverkehr unmöglich machen. Danach führen das Stillen und die im ersten Jahr sehr intensive Nähe zum Baby bei manchen Müttern dazu, dass das körperliche Zusammensein und die Lust auf Sex mit dem Partner in den Hintergrund geraten.

Dass es auch Männer gibt, die nach der Geburt keinen Sex mehr haben können oder wollen – beispielsweise, weil sie mit der neuen Rolle ihrer Partnerin als Mutter nicht klarkommen oder weil sich anlässlich der Geburt ihres Kindes gewisse Bilder oder Geräusche in ihrem Kopf festgesetzt haben, die sie danach nicht mehr loslassen können, ist kaum bekannt.

Auch wenn ich aufgrund deiner wenigen Angaben und aus der Distanz nicht sagen kann, welches die Gründe sind für die Erektionsstörungen deines Partners und ob er tatsächlich nicht in der Lage ist, mit dir Sex zu haben oder ob er einfach keinen Sex haben will und nicht weiss, wie er dir das sagen soll: Da das Phänomen erst seit der Geburt eures Kindes besteht, ist ein Zusammenhang wahrscheinlich.

Kommunikation ist wichtig

Wie es mit eurem Sexualleben und letztlich mit eurer Beziehung weitergehen wird, hängt sehr davon ab, wie ihr miteinander kommuniziert. Wichtig scheint mir, dass ihr über das was der Fall ist, möglichst bald miteinander ins Gespräch kommt. Je länger dieser Zustand der Sprachlosigkeit andauert, desto schwieriger könnte es werden, ihn zu überwinden. Und irgendwann wird das Feuer erloschen und das Ende der Beziehung eine Tatsache sein.

Ich nehme an, dass dein Freund genauso wie du innere Dialoge führt. Und ich bin sicher, dass er leidet. Sei daher achtsam und sorgfältig, wenn du mit ihm das Gespräch aufnimmst, aber versuche nicht, ihn vor der Wahrheit zu verschonen. Erzähl ihm, dass du immer wieder Lust auf ihn hast und gleichzeitig mit Sorge seine Erektionsprobleme wahrnimmst. Frag ihn, ob er weiss oder eine Vermutung hat, was der Grund dafür ist. Was du unbedingt wissen musst: Du kannst deinem Partner nicht helfen – das kann nur er selber tun. Der erste Schritt dazu ist, dass er sein Schweigen bricht und den Tatsachen ins Gesicht schaut.

Rechtzeitig fachliche Hilfe suchen

Falls ihr es nicht schafft, miteinander ins Gespräch zu kommen, holt euch unbedingt Unterstützung. Der Gang zu einer Fachperson ist keine Schande und er bedeutet auch nicht, dass ihr psychisch krank seid. In jedem Fall sollte dein Partner sich bei einem Urologen zu einer Untersuchung anmelden. Es gibt nämlich Krankheiten, die eine erektile Dysfunktion, also eine teilweise oder vollständige Impotenz zur Folge haben können.

Ich stelle immer wieder fest, dass Paare nach einer Geburt sich über Schwierigkeiten in der Beziehung viel zu lange ausschweigen, in der Hoffnung, dass sich alles von selbst ändern wird. Man glaubt daran, es zeuge von Geduld oder Liebe, sich gegenseitig die Wahrheit vorzuenthalten und gemeinsam daran zu arbeiten, dass das, was offensichtlich ist, nicht offen sichtbar wird. Man geht dem, was der Fall ist, aus dem Weg – aus Angst vor der Konfrontation, aus Bequemlichkeit und vor allem, weil die meisten Menschen nie gelernt haben, in einer Beziehung ihre eigenen Ansprüche und Wünsche zu kommunizieren.

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