Aktualisiert 26.10.2015 14:39

«Baby Fae»Das kleine Mädchen mit dem Pavianherz

Erst 14 Tage alt musste Baby Fae schon Schweres durchstehen. Um sie zu retten, pflanzten Ärzte ihr ein Pavianherz ein. Gebracht hat es nichts.

von
Fee Riebeling

Die Freude über die Geburt ihrer Tochter am 14. Oktober 1984 währte für Teresa Beauclair nur kurz. Denn schnell zeigte sich: Die kleine Stephanie Fae war nicht nur zu früh, sondern auch mit einer zu kleinen und nicht funktionsfähigen linken Herzkammer zur Welt gekommen. Die Ärzte gaben ihr nur wenige Wochen zu leben und stellten die Mutter vor die Wahl: Sie konnte die Tochter entweder im Spital sterben lassen oder zum Sterben mit nach Hause nehmen.

Nur ein Mediziner machte Beauclair Hoffnung: Der Chirurg Leonard Bailey bot ihr an, eine sogenannte Xenotransplantation durchzuführen und Stephanie Fae das Herz eines Baby-Pavians zu transplantieren. Obwohl er zugab, zu dem Thema zwar geforscht, aber so einen schwerwiegenden Eingriff noch nie an einem Menschen vorgenommen zu haben, willigte die verzweifelte Beauclair ein.

Erfolgreicher Eingriff

Am 26. Oktober schritt er zur Tat. «Baby Fae», wie das Kind später von der amerikanischen Presse genannt wurde, war da gerade 14 Tage alt. Fünf Stunden dauerte die OP im Universitätsspital Loma Linda (Kalifornien). Das Ergebnis war – zumindest vorerst – erfreulich.

In der darauffolgenden Woche verkündete ein Sprecher des Spitals, dass das pflaumengrosse Pavianherz «anstandslos seinen Dienst» versehe und der Allgemeinzustand des Kindes «überraschend gut» sei. Auch die Mutter war glücklich, wie der «Spiegel» damals berichtete: Vor der Operation sei ihr Kind ganz blass gewesen, jetzt sehe es rosig und gesund aus.

Gegenstimmen ...

Doch so positiv waren nicht alle Reaktionen: Tierschützer echauffierten sich, weil ein Tier dafür hatte sterben müssen; religiöse Gruppen sprachen von einer «Wiederholung des Sündenfalls» und wieder andere prangerten an, dass auf diese Weise nur das Leiden des Mädchens verlängert würde.

Ein Vorwurf, der nicht von ungefähr kam, denn tatsächlich war noch nie zuvor einem Neugeborenen ein fremdes Herz eingesetzt worden. Auch punkto Verpflanzung von Primatenherzen gab es keine positiven Berichte. Denn erst dreimal hatten es Chirurgen (bei Erwachsenen) überhaupt versucht. Und dreimal waren die Patienten verstorben. Kein Wunder sagte der nicht an der Operation beteiligte Herzchirurg Nevin Katz damals: «Was da in Loma Linda gemacht wurde, ist ein Experiment.»

... und ein Geständnis

Wie Recht er mit dieser Aussage hatte, zeigte sich, als Bailey schliesslich zugab, dass auch ein passendes menschliches Säuglingsherz verfügbar gewesen wäre, was das Risiko minimiert hätte. Sein Argument: «Wir haben nicht nach einem menschlichen Organ gesucht. Wir wollten ja eine Xenotransplantation machen.» Der Aufschrei der Öffentlichkeit wurde noch grösser, als der Mediziner auf die Frage, warum er einen evolutionär relativ weit vom Menschen entfernten Primaten (im Gegensatz etwa zu einem Schimpansen) als Spender gewählt habe, antwortete: «Ich glaube nicht an die Evolutionstheorie.»

Ein Experiment mit traurigem Ausgang. Denn der kleine Körper reagierte heftig auf den pumpenden Fremdkörper und versuchte, ihn abzustossen. Um das zu unterbinden, erhöhten die Bailey und seine Kollegen die Dosis der Immunsuppressiva, was innert weniger Tage erst zu einem Nieren-, dann zu Herzversagen bei der kleinen Patientin führte. Am 15. November 1984 schlief Baby Fae für immer ein.

Immerhin: Der kleine Körper hatte nach dem Eingriff knapp 20 Tage durchgehalten – und damit länger als jeder andere Empfänger eines tierischen Herzens.

«Stephanie's Heart: The Story of Baby Fae» erzählt vom grossen Kampf des kleinen Mädchens ... – Teil 1. (Video: Youtube/Loma Linda 360)

... und davon, wie sie ihn verloren hat. (Video: Youtube/Loma Linda 360)

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