Neuer Alltag – Das könnte uns in der «kalten Pandemie» erwarten
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Neuer AlltagDas könnte uns in der «kalten Pandemie» erwarten

Das Leben nach Corona werde nicht dasselbe sein wie vorher, sagte der Berner Gesundheitsdirektor. Fachpersonen schätzen ein, wie der neue Alltag aussehen könnte.

von
Bettina Zanni
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 Zum früheren Alltag kann die Bevölkerung auch nach der Omikron-Welle nicht zurückkehren.

Zum früheren Alltag kann die Bevölkerung auch nach der Omikron-Welle nicht zurückkehren.

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 «Der Sonderstab erarbeitet nun einen Plan für die sogenannte kalte Pandemie», sagte der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP). 

«Der Sonderstab erarbeitet nun einen Plan für die sogenannte kalte Pandemie», sagte der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP).

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«Covid-Wellen sind im Winter wahrscheinlich», sagt Corina Wirth, Geschäftsführerin des Fachverbands Public Health Schweiz.

«Covid-Wellen sind im Winter wahrscheinlich», sagt Corina Wirth, Geschäftsführerin des Fachverbands Public Health Schweiz.

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Darum gehts

Langsam befreit sich die Schweiz aus den Fängen des Coronavirus. Bestenfalls fallen die Corona-Massnahmen bereits vor Ende März. Zum früheren Alltag kann die Bevölkerung aber auch dann nicht zurückkehren. «Das Leben nach Corona wird nicht dasselbe sein wie vorher», sagte der Berner Gesundheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) an der Jahresmedienkonferenz der Gesundheitsdirektion am Freitag.

Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass die Omikron-Welle abflache, wenn es auf den Frühling zugehe, so Schnegg. Doch die Pandemie werde weitergehen und das Virus werde bleiben. Schnegg betonte die Eigenverantwortung der Menschen. «Die Pandemie zeigt uns, wie wichtig es ist, umsichtig zu sein.» Der Staat könne nicht mehr alles regeln. «Der Sonderstab erarbeitet nun einen Plan für die sogenannte kalte Pandemie.»

«Verhaltensempfehlungen bei Erkältungssymptomen»

Gesundheits- und Krisenprofis beschäftigen sich bereits mit der neuen Phase. Corina Wirth, Geschäftsführerin des Fachverbands Public Health Schweiz, geht davon aus, dass das Virus endemisch wird und damit wie ein Grippevirus in der Bevölkerung zirkuliert. «Covid-Wellen sind im Winter wahrscheinlich.»

Laut Wirth kann jederzeit sowohl eine harmlosere als auch eine gefährlichere Mutation auftauchen. «Die Behörden müssen deshalb bei allfälligen Mutationen rasch reagieren und auch klarmachen, was Eigenverantwortung bedeutet.» Etwa könnten sie aufzeigen, wann Maskentragen Sinn mache. Vorstellbar seien auch Verhaltensempfehlungen bei Erkältungssymptomen. «Sinnvoll könnte dann zum Beispiel sein, am Arbeitsplatz eine Maske zu tragen oder, sofern möglich, im Homeoffice zu arbeiten.»

Einige Empfehlungen könnten sich auf bestimmte Gruppen beschränken, sagt Wirth. «Vorstellbar ist zum Beispiel, dass die Behörden zukünftig wie bei der Grippeimpfung besonders gefährdeten und älteren Menschen und gewissen Berufsgruppen weiterhin zur Covid-Impfung raten.» Dies hänge sehr davon ab, wie sich das Coronavirus und die entsprechenden Erkrankungen entwickelten.

«Die Menschen bleiben umsichtig»

Krisenmanager Hans Klaus hat mit dem Begriff «kalte Pandemie» Mühe. «Eine Pandemie ist eine Pandemie – etwas dazwischen gibt es nicht.» Er würde stattdessen von einer Rückkehr in die Normalität sprechen.
Empfehlungen von Behörden hält er in dieser Phase für überflüssig. «Die Menschen bleiben umsichtig, weil sie das vorsichtige Verhalten nach zwei Jahren Pandemie so stark verinnerlicht haben.»

Klaus rechnet damit, dass viele Menschen auch nach dem Fall der Maskenpflicht an der Maske festhalten. «Die Maske wird man wie in Asien je nach Situation im Alltag tragen – ohne dass einen jemand komisch anschaut.» Auch werde die Bevölkerung ihr Leben bewusster und vorsichtiger gestalten. «Gerade auch Reiseziele wird man sich genauer überlegen als vor der Pandemie.»

Als zentral betrachtet der Krisenmanager, dass der Bund für die Kantone ein zentrales Alarmsystem aufbaut, das negative Entwicklungen früh erkennt. Müssten Massnahmen ergriffen werden, sollten diese auf einer gemeinsamen und einheitlichen Datengrundlage beruhen. «Es macht die Bevölkerung nur mürbe, wenn jeder Kanton wieder sein eigenes Süppchen kocht.»

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