Strom sparen – Das kommt bei einer Stromkrise auf die Schweizer Bevölkerung zu
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Strom sparenDas kommt bei einer Stromkrise auf die Schweizer Bevölkerung zu

Der Bund warnt vor einer gefährlichen Stromknappheit. Im Notfall müssten Schweizerinnen und Schweizer auf Rolltreppen oder intensive Beleuchtungen verzichten. Der Verband Economiesuisse warnt vor gravierenden Folgen für die Wirtschaft.

von
Dominic Benz
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Wenn es in der Schweiz zu einer Knappheit beim Strom kommt, müssten Rolltreppen abgestellt werden. 

Wenn es in der Schweiz zu einer Knappheit beim Strom kommt, müssten Rolltreppen abgestellt werden.

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So steht es in einem kürzlich veröffentlichten Krisenplan in Form einer Broschüre, die der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) im Auftrag des Bundes erstellt hat.

So steht es in einem kürzlich veröffentlichten Krisenplan in Form einer Broschüre, die der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) im Auftrag des Bundes erstellt hat.

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Der Bund sieht in einer Strommangellage neben Pandemie und einem Ausfall beim Mobilfunk die grösste Gefahr für die Schweiz.

Der Bund sieht in einer Strommangellage neben Pandemie und einem Ausfall beim Mobilfunk die grösste Gefahr für die Schweiz.

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Darum gehts

  • Der Bund hat einen Massnahmenplan im Falle einer Stromkrise erstellen lassen.

  • Bevölkerung und Unternehmen müssten in einer Notlage Strom sparen.

  • Economiesuisse warnt vor wirtschaftlichen Folgen und nimmt den Bund in die Pflicht.

Die Schweiz bereitet sich vor auf eine allfällige Strommangellage. Würde es tatsächlich so weit kommen, dann müssten sowohl die Bevölkerung als auch die Unternehmen mithelfen, Strom zu sparen. So steht es in einem kürzlich veröffentlichten Krisenplan in Form einer Broschüre, die der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) im Auftrag des Bundes erstellt hat (siehe Box).

Laut Plan wird es je nach Ausmass der Knappheit in einem ersten Schritt Appelle an die Bevölkerung geben, Strom zu sparen. Das geschieht aber noch auf freiwilliger Basis. Verschlimmert sich die Krise, kann der Bund aber eine Verordnung erlassen und die Bevölkerung zum Sparen verpflichten.

Den Schweizerinnen und Schweizern sind dann «nicht absolut notwendige, energieintensive Geräte und Einrichtungen, wie beispielsweise Beleuchtungen zu Werbezwecken, Rolltreppen oder Komfortheizungen im Aussenbereich» verboten, so die Broschüre.

So kam der Notfallplan zustande

Im Bundesgesetz ist verankert, dass der Staat die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen sicherstellen muss. Dazu gehört auch die Versorgung mit Strom. Der Bundesrat hat daher den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) beauftragt, Massnahmen bei einer Stromkrise zu erstellen. Der Verband hat daher zu diesem Zweck die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (Ostral) ins Leben gerufen. Diese setzt die Massnahmen auch in der Notlage um.

In einem nächsten Schritt müssen Unternehmen auf die Strombremse treten. Und zwar jene Firmen, die jährlich mehr als 100’000 Kilowattstunden verbrauchen. Damit man gut für den Ernstfall gerüstet und informiert ist, erhalten bis Ende November rund 30’000 Unternehmen die Broschüre zugeschickt, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Was das Stromsparen für Firmen heissen würde, erklärt Bundesrat Guy Parmelin in einem Video zum Thema. So könnten Fabriken weniger produzieren und Dienstleistungsunternehmen wie Banken müssten ihr Angebot verkleinern. Vom Strom abhängige Transportmittel wie Bahnen oder Trams könnten nur noch eingeschränkt fahren.

Auf dritter Stufe der Krise folgen Netzabschaltungen. «Für einzelne Bereiche eines Verteilnetzgebiets wird die Stromversorgung jeweils für mehrere Stunden unterbrochen», so die Broschüre . Die Unterbrechungen fänden rotierend statt und beträfen alle Bereiche des Verteilnetzes gleichermassen. «Netzabschaltungen dienen als «Ultima Ratio» und sollen nach Möglichkeit vermieden werden», heisst es weiter.

Je nach Strom-Knappheit setzt der Bundesrat die Massnahmen einzeln oder kombiniert ein. Weil aber vor allem «gravierende» Netzabschaltungen verhindert werden sollen, will der Bund in erster Linie bei der Bevölkerung den Strom einsparen. Das seien die «weniger einschneidenden Massnahmen». Mit ihnen könne man bereits bis zu 15 Prozent Strom einsparen.

Economiesuisse nimmt Bund in die Pflicht

Laut Wirtschaftsdachverband Economiesuisse wäre das zwangsweise Abschalten von Haushaltgeräten für die Bevölkerung zwar sehr unangenehm. «Die Folgen im Privathaushalt wären aber meist einigermassen überschaubar und schlimmstenfalls finanziell tragbar», sagt Economiesuisse-Sprecher Michael Wiesner.

Wichtig sei aber vor allem für die Wirtschaft, dass es gar nicht erst zu einer Stromknappheit komme. «Denn Stromrationierungen hätten für unzählige Firmen gravierende wirtschaftliche Folgen», so Wiesner. Komplexe Produktionsprozesse oder Computersysteme liessen sich nicht einfach mal schnell herunter- und wieder hochfahren.

Der Bund müsse daher aufzeigen, wie die Stromversorgung sichergestellt werden kann. Auch ein Stromabkommen mit der EU hätte nicht alle Probleme gelöst, so Wiesner. «Die Schweiz kann sich nicht bis in alle Ewigkeit auf Stromimporte verlassen, sie muss ihren Strombedarf möglichst weitgehend selber decken können.» Dafür müsste auch der Ausbau von erneuerbaren Energien vorangetrieben und administrativ vereinfacht werden.

Strommangellage als eine der grössten Gefahren

Wie die Broschüre betont, sieht der Bund eine Strommangellage, Pandemie und einen Ausfall beim Mobilfunk als grösste Gefahren für die Schweiz. «Alle drei Gefährdungen bergen hohes Schadenpotenzial bei gleichzeitig relativ hoher Eintrittswahrscheinlichkeit», so der Text.

Als Gründe für eine langandauernde Stromknappheit nennt die Broschüre etwa begrenzte Importmöglichkeiten für Strom aufgrund eines Ausfalls wichtiger Produzenten im Ausland. Aber auch Wetterbedingungen wie zu wenig Regen und die daraus folgenden geringen Wassermengen in den Stauseen seien ein grosses Risiko.

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