Aktualisiert 27.12.2019 00:31

«Nicht akzeptabel»

Gratiskonto – aber nicht für Menschen mit Beistand

Eine Kontoeröffnung bei der Luzerner Kantonalbank ist gratis. Wer einen Beistand hat, muss künftig aber 120 Franken bezahlen. Das sorgt für Kritik.

von
gwa
1 / 6
Weil die Luzerner Kantonalbank ab kommendem Jahr für Kunden mit einem Beistand bei der Kontoeröffnung eine Zusatzgebühr erhebt, wird die Bank kritisiert.

Weil die Luzerner Kantonalbank ab kommendem Jahr für Kunden mit einem Beistand bei der Kontoeröffnung eine Zusatzgebühr erhebt, wird die Bank kritisiert.

Keystone/Sigi Tischler
120 Franken müssen Kunden mit Beistand für die Eröffnung eines Kontos bezahlen. Für Personen ohne Beistandschaft ist die Kontoeröffnung gratis, berichtet Zentralplus.

120 Franken müssen Kunden mit Beistand für die Eröffnung eines Kontos bezahlen. Für Personen ohne Beistandschaft ist die Kontoeröffnung gratis, berichtet Zentralplus.

Keystone/Sigi Tischler
«Die neue Regelung der Luzerner Kantonalbank ist diskriminierend», sagt der Sprecher vom Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap Marc Moser. Auch beim Gemeindeverband der Kesb und der Sozialberatungszentren der Regionen Hochdorf und Sursee hat man kein Verständnis für die neue Regelung.

«Die neue Regelung der Luzerner Kantonalbank ist diskriminierend», sagt der Sprecher vom Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap Marc Moser. Auch beim Gemeindeverband der Kesb und der Sozialberatungszentren der Regionen Hochdorf und Sursee hat man kein Verständnis für die neue Regelung.

Keystone/Ennio Leanza

Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) steht in der Kritik: Die Bank verlangt ab kommenden Jahr für Personen mit Beistand eine Gebühr. Wollen sie ein Konto eröffnen, müssen sie dafür 120 Franken bezahlen. Für Personen ohne Beistandschaft ist die Kontoeröffnung gratis, wie Zentralplus berichtet.

Gebühren «nicht akzeptabel»

«Die neue Regelung der Luzerner Kantonalbank ist diskriminierend», sagt der Sprecher vom Dachverband der Behindertenorganisationen Inclusion Handicap Marc Moser zum Onlineportal. Und weiter: «Die Bank bittet ausgerechnet diejenigen zur Kasse, die es ohnehin schon schwer haben. Natürlich soll eine Bank gewinnbringend arbeiten und Gebühren erheben können. Aber dass Menschen mit Behinderungen mehr für die gleiche Leistung bezahlen sollen, ist nicht akzeptabel.» Das Eröffnen und Führen von Kontos gehöre zum Grundauftrag einer Bank für alle Menschen. «Von einer Institution, die im Besitze der öffentlichen Hand ist, erwarte ich das», so Moser.

Moser kann sich zudem auf die Bundesverfassung berufen. Dieser zufolge darf niemand «wegen einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung» diskriminiert werden. Zudem sollen durch das Behindertengleichstellungsgesetz Benachteiligungen verhindert werden.

Auch beim Gemeindeverband der Kesb und der Sozialberatungszentren der Regionen Hochdorf und Sursee hat man kein Verständnis für die neue Regelung: «Die zusätzliche Verrechnung stösst in sämtlichen Sozialberatungszentren im Kanton auf Unverständnis. Wir haben deshalb reagiert», sagt Geschäftsführer Andy Michel. Vertreter der Berufsbeistandschaften hätten bei einer Aussprache mit der LUKB gefordert, dass diese auf die Erhebung der Gebühren verzichtet – ohne Erfolg.

Hoher Aufwand für Beistandskonten

«Bereits seit längerer Zeit verfolgen wir die Strategie, die Preise für unsere Produkte und Dienstleistungen möglichst verursachergerecht – und damit auch fair für alle unsere Kundinnen und Kunden – zu gestalten und betriebswirtschaftlich unerwünschte Quersubventionen möglichst zu vermeiden», sagt LUKB-Sprecher Daniel Vonarx dazu. Die neue Regelung sei unproblematisch und auch die Kesb würde Gebühren verlangen für Dienstleitungen im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzsrechts.

Beistandskonten seien kostenintensiv und mit hohem personellen und admistrativen Aufwand verbunden. So würden die nötigen Verträge nicht einer Standarderöffnung entsprechen und seien nicht automatisierbar. Betroffene müssten im System speziell gekennzeichnet werden und es brauche spezielle Zugriffsrechte und Sperrungen wegen der Betreuung durch die Kesb.

Weiter würden diese Konten für die LUKB Haftungsrisiken bergen und bedürfen einer besonderen Sorgfaltspflicht. Es gebe bezüglich solcher Konten auch überdurchschnittlich viele Rückfragen und Bearbeitungen von Spezialfällen. Und: Es werde ein zusätzlicher Schulungsaufwand für die Angestellten nötig, damit diese solche Konten bearbeiten könnten.

Fehler gefunden?Jetzt melden.