«Das Kosovo ist unser heiliges Land»

Aktualisiert

«Das Kosovo ist unser heiliges Land»

Serbische Flaggen wehen im eiskalten Wind, während die Blauhelme in den Strassen ihre Patrouillen verstärken: In der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica haben Serben und Albaner in gespannter Ruhe die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos erwartet.

Die Albaner wollten am Sonntag nach jahrzehntelangem Kampf für die Unabhängigkeit feiern, während die Serben ankündigten, die Party verderben zu wollen.

«Die Albaner können feiern wie sie wollen, aber ihr totgeborenes Baby wird niemals ein unabhängiges Land sein, solange wir Serben hier sind», sagte der Student Djordje Jovanovic. «Die Welt versteht nicht, dass das Kosovo unser heiliges Land ist, unser Jerusalem, das wir um jeden Preis verteidigen.»

Die serbischen Bindung an das Kosovo geht auf das Jahr 1389 zurück. Damals wurden die serbischen Fürsten auf dem Kosovo Polje (Amselfeld) vom osmanischen Heer besiegt. Im serbischen Mythos wird die Schlacht als aufopferungsvoller Kampf der christlichen Serben gegen die heidnischen Türken dargestellt.

In den serbisch-orthodoxen Kirchen im Kosovo fanden am Sonntag Andachten statt. «Eine weitere Kosovo-Schlacht erwartet das serbische Volk», sagte der Priester Milomir Vlaskovic. «Dieses Mal ohne Schwerter, aber mit Gebeten, Liedern und Kerzen.» Seine Aussagen veranschaulichen die Entschlossenheit der Serben, ihre Enklaven zu behalten, die etwa 15 Prozent des Territoriums des Kosovos ausmachen.

Der Fluss Ibar trennt Kosovska Mitrovica in einen nördlichen serbischen und einen albanischen südlichen Teil. Die Serben verschlägt es nur selten in den albanischen Teil, während einige hundert ethnische Albaner immer noch im serbischen Teil der Stadt leben, zumeist in isolierten Siedlungen.

Der 55-jährige Ahmet Jashari, der sein heruntergekommenes Haus mit einer albanischen Flagge schmückt, erklärte, er habe lange auf diesen historischen Tag gewartet. «Serben haben uns unterdrückt, unsere Häuser eingenommen, unsere Mitmenschen ermordet und uns jahrzehntelang herabgesetzt», sagte er. «Das kommt jetzt offiziell zu einem Ende. Wir haben endlich unser Land.» (dapd)

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