Rückbau und Entsorgung: Das kostet die Abschaltung Mühlebergs
Aktualisiert

Rückbau und EntsorgungDas kostet die Abschaltung Mühlebergs

Die Stilllegung des Berner Kernkraftwerks kostet mindestens 800 Millionen Franken und kann bis zu 20 Jahre dauern. Der BKW drohen unkalkulierbare Kosten.

von
Lukas Mäder

Dem Kernkraftwerk Mühleberg droht nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts die vorzeitige Abschaltung Ende Juni 2013. Doch das Ende der Stromproduktion ist erst der Anfang. Die Phase von Stilllegung und Rückbau dauert Jahre und kostet Millionen. Bis vom AKW Mühleberg nur noch grüne Wiese übrig ist, dürfte es 15 bis 20 Jahre dauern. Die Kosten für Stilllegung und Rückbau von Mühleberg belaufen sich laut aktuellen Schätzungen auf 806 Millionen Franken - ohne Entsorgung der Atomabfälle.

Im Idealfall können die Kraftwerkbetreiber zwei bis drei Jahre vor der Abschaltung die Brennstäbe bereits so dosieren, dass der Kern schliesslich vollständig abgebrannt ist. Dann beginnt die sogenannte Nachbetriebsphase, bei der die Brennstäbe aus dem Reaktor in Abklingbecken umgeladen werden. Diese Wasserbecken müssen weiterhin aktiv gekühlt werden, jedoch deutlich weniger stark als ein laufender Reaktor.

Abtransport des radioaktiven Materials

Die Brennstäbe müssen rund drei Jahre in den Becken gekühlt werden, bevor sie in die sogenannten Castor-Behälter geladen werden können. Diese führen die verbleibende Restwärme über Rippen ab und brauchen keine aktive Kühlung mehr. Am Ende der Nachbetriebsphase, die gemäss Planung des Bundes fünf Jahre dauern wird, befinden sich auf dem Kernkraftwerkgelände keine Brennelemente oder radioaktiven Betriebsabfälle mehr. Diese Arbeiten, bei denen mehrere Systeme weiterhin in Betrieb sind, verursachen beim AKW Mühleberg Kosten von voraussichtlich 319 Millionen Franken. Die Betreiberfirma BKW tätigt dafür Rückstellungen.

Für den Rückbau eines Kernkraftwerks muss der Bund ein entsprechendes Konzept bewilligen. Denn der aktivierte Beton und Stahl der Anlage strahlt weiterhin stark. Die Demontage dieser Teile, deren Dekontamination sowie die Verpackung der radioaktiven Abfälle sind aufwendig und kosten entsprechend. Zudem muss während der ganzen Zeit der Strahlenschutz der Arbeiter gewährleistet sein. Diese Phase dauert rund 15 Jahre. Die Kosten des eigentlichen Rückbaus belaufen sich beim AKW Mühleberg auf rund 487 Millionen Franken (Schätzung 2011). Der Schritt vom laufenden Kernkraftwerk bis zur grünen Wiese ist damit in Mühleberg 806 Millionen Franken teuer.

Millionenbeträge in den nächsten Jahren

Für diese Aufwendungen müssen die Kraftwerkbetreiber seit 1984 in einen Fonds einzahlen. Weil die Behörden von einer 50-jährigen Laufzeit ausgehen - bei Mühleberg bis 2022 -, hätte die BKW bei einer vorzeitigen Abschaltung Mühlebergs noch nicht alle Beiträge einbezahlt. Noch mindestens 131 Millionen Franken dürften in den nächsten zehn Jahren anfallen. Das Geld dafür liegt bereits heute bereit. Die BKW hat für die Stilllegung 529,6 Millionen zurückgestellt (Ende 2010). Bei einer vorzeitigen Abschaltung könnten allerdings noch höhere Nachzahlungen nötig werden. Denn Ende 2010 lagen für Mühleberg erst 242,7 Millionen Franken im Stilllegungsfonds. Das sind 11 Prozent weniger als geplant. Doch den Steuerzahlern droht deswegen kein Aufwand. Laut Kerngesetz müssen die Kerkraftwerkbetreiber für alle Kosten aufkommen.

Neben der Stilllegung verursacht die Entsorgung des radioaktiven Materials zusätzlich hohe Kosten. Für alle fünf Schweizer AKW werden die Kosten für die Endlagerung in der Schweiz auf 16 Milliarden Franken geschätzt. Die BKW müssen für Mühleberg noch 1,2 Milliarden beitragen. Davon liegen 360,4 Millionen Franken bereits im Entsorgungsfonds. Die BKW haben zusätzliche Rückstellungen dafür gemacht in der Höhe von 540,5 Millionen Franken. Diese finanziellen Mittel sollten zumindest nach aktuellen Schätzungen für das Endlager reichen, da die Kosten teilweise erst in Jahrzehnten anfallen. Bis dahin kommen zusätzliche Zinserträge hinzu.

Kosten steigen laut Schätzungen

Doch die grosse Frage bleibt, ob die Schätzungen überhaupt genügend genau sein können, da teilweise neue Technologien zum Einsatz kommen. Atomkritische Kreise fordern deshalb, dass die AKW-Betreiber eine zusätzliche Reserve von 50 bis 100 Prozent der aktuellen Schätzungen beiseite legen müssen. Dass die Kosten für die Endlagerung tatsächlich noch massiv steigen könnten, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Bei der Schätzung 2006 war noch von 14,6 Milliarden Franken die Rede. Die aktuelle Berechnung von 2011 liegt bereits 10 Prozent höher.

Die aktuellen zu Stilllegung und Entsorgung sind beim Bundesamt für Energie abrufbar.

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