Aktualisiert 28.03.2014 10:37

Reiseblog

Das Kreuz mit dem brasilianischen Bikini

Man kann wirklich nicht sagen, ich hätte es nicht versucht. Nein, ich war offen für alles. Aber es ging einfach nicht.
Die Rede ist vom brasilianischen Bikini.

von
Miriam Knecht
Brasilianische Bikinis sind knapp - besonders am Ipanema-Strand.

Brasilianische Bikinis sind knapp - besonders am Ipanema-Strand.

Ich wollte mir in Rio ja unbedingt einen kaufen, einen Bikini, denn was gibt es für ein besseres Souvenir aus dieser Stadt als die typische Bademode? Allerdings ist ja weitherum bekannt, dass Brasilianerinnen es knapp mögen. Sehr knapp. Und obwohl sich hier vieles um die Schönheit dreht und dabei vor allem um den perfekten Po, so sieht man doch alle möglichen Modelle des menschlichen Körpers am Strand. Von superschlank über operiert bis schwabbelig und mit Zellulitis – alle liegen sie in Tanga, String oder sonstwie knappen Höschen in der Sonne, und auch obenrum ist oft nur ein bisschen was noch verdeckt.

Durchtrainierte Körper, wo man hinschaut

Nacktbaden ist in Brasilien nur an sehr wenigen, ausgewählten Stränden erlaubt, schliesslich ist man streng katholisch. Aber solange die Brustwarzen nicht sichtbar sind und irgendwas – egal wie schmal – in der Popo-Spalte steckt, geht das völlig in Ordnung. Wie auch immer: Ob man nun den passenden Body dazu hat oder nicht, es guckt hier keiner blöd, und das finde ich toll.

Trotzdem liegt Brasilianerinnen und Brasilianern viel an ihrem Äusseren, jedenfalls hier in Rio. An den Stränden von Ipanema und Copacabana wimmelt es nur so von Sportgeräten und Privattrainern, die ihre Kundinnen und Kunden für viel Geld quälen. Ausserdem wird von früh bis spät gejoggt, Velo gefahren, gesurft oder geskatet.

Ich habe noch nie so viele durchtrainierte Körper aufs Mal gesehen – okay, das liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nie in Miami war. Aber jedes Mal, wenn ich Rios Stränden entlanglaufe oder dort im Sand liege, fühle ich mich wie in dieser total niveaulosen MTV-Reality-Show «Jersey Shore», wo sich aufgepumpte, spiegelglatt rasierte und solariumgebräunte Macker zusammen mit silikonbeladenen, kunsthaarigen und völlig überschminkten Tussis im Whirlpool oder Bett räkeln.

Am Schwulenstrand ists am schönsten

Das ist jetzt nicht so mein Ding, also, weder der fehlende IQ der Jersey-Shoreler noch der Workout-Trend in Rio – aber beides ist interessant und amüsant anzuschauen. Am liebsten liege ich persönlich übrigens am Schwulenstrand von Ipanema, denn dort sind die Männer noch ein bisschen trainierter und tragen noch ein bisschen knappere Badehosen als sonst.

Um so auszuschauen, muss man wohl unglaublich viel Disziplin haben, vor allem in Brasilien. Denn ich weiss wirklich nicht, wie man es hier schafft, schlank zu bleiben. Alles ist frittiert, das Açaí, die Salgados und Rabanadas schmecken wundervoll und sind an jeder Ecke erhältlich, und am Feierabend werden literweise Caipirinha und Cerveja gezischt. Kein Wunder, passt mein Hintern in keinen Carioca-Bikini! Und kein Wunder, gehört Brasilien zu den fettesten Nationen der Welt.

Journalistin Miriam Knecht ist 35 und reist für mehrere Monate durch Brasilien. Im Reiseblog von 20 Minuten erzählt sie von ihren Erlebnissen.

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