Aktualisiert

Kontroverses SymbolDas Kreuz mit der Südstaaten-Flagge

Die alte Konföderierten-Flagge ist in den US-Südstaaten weiterhin allgegenwärtig. Doch dieses Stück Stoff ist heftig umstritten.

von
Jean-Claude Gerber
1 / 14
Die konföderierte Kriegsflagge, das Symbol des weissen amerikanischen Südens, weht auf dem Gelände des Parlamentsgebäudes von South Carolina. Die Gouverneurin des Bundestaates möchte sie entfernen lassen, was per Gesetz aber verboten ist.

Die konföderierte Kriegsflagge, das Symbol des weissen amerikanischen Südens, weht auf dem Gelände des Parlamentsgebäudes von South Carolina. Die Gouverneurin des Bundestaates möchte sie entfernen lassen, was per Gesetz aber verboten ist.

joe Raedle
Die Kriegsflagge ist heute noch Bestandteil der Staatsflagge von Mississippi.

Die Kriegsflagge ist heute noch Bestandteil der Staatsflagge von Mississippi.

Aus der Flagge von Georgia ist die Kriegsflagge seit 2003 endgültig verschwunden. Das neue Design (Bild) lehnt sich allerdings stark ...

Aus der Flagge von Georgia ist die Kriegsflagge seit 2003 endgültig verschwunden. Das neue Design (Bild) lehnt sich allerdings stark ...

Nach dem Kirchenmassaker von Charleston will die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, die Konföderierten-Flagge vom Areal des Kapitols ihres Bundesstaats entfernen lassen. Doch dafür braucht sie das Einverständnis des Parlaments von South Carolina. Und dort gibt es genau wie in der Bevölkerung viele, die sich nicht von der Flagge trennen wollen. Das sind die wichtigsten Antworten zur Fahne des US-Südens.

Welches sind die Ursprünge der Flagge?

Die heute als Konföderierten-Flagge bekannte Fahne hat ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert. Ab 1860 spalteten sich elf südliche Staaten nach der Wahl Abraham Lincolns zum US-Präsidenten von den USA ab und nannten sich die Confederate States of America (CSA). Im darauffolgenden US-Bürgerkrieg nutzte die Armee der Südstaaten unter General Robert E. Lee die Flagge in einer quadratischen Version als Kriegsflagge. Mit ihren 13 Sternen – einer für jeden Staat, den die Konföderation beanspruchte – war sie nie Nationalflagge, gilt heute aber als Symbol der CSA.

Wo weht die Konföderierten-Flagge noch heute offiziell?

Die Kriegsflagge ist bis heute Bestandteil der Staatsflagge von Mississippi. Erst 2001 wurde das Design von 1894 in einer Volksabstimmung bestätigt. Nach der Bluttat von Charleston erhalten aber auch dort Befürworter einer neuen Flagge Aufwind. Von 1956 bis 2001 machte die Kriegsflagge den grössten Teil der Flagge von Georgia aus. Nach einer Übergangslösung ist sie seit 2003 nicht mehr Teil der Flagge, die sich jetzt allerdings stark an die erste Nationalflagge der CSA, die «Stars and Bars», anlehnt. Daneben haben fünf weitere Südstaaten Flaggen, die von konföderierter Symbolik geprägt sind (siehe Bildstrecke).

Während die Kriegsflagge in keinem Staat mehr zuoberst auf dem jeweiligen Parlamentsgebäude (Kapitol) weht, ist sie nach wie vor in deren Nähe anzutreffen. Neben South Carolina zum Beispiel auch in Alabama oder in Texas. In South Carolina ist es gar per Gesetz verboten, die Konföderierten-Flagge einzuholen: Nach dem Kirchenmassaker durfte sie nicht auf Halbmast gesetzt werden. In Florida war es übrigens Gouverneur Jeb Bush, der 2001 die Flagge vom Kapitol entfernen liess.

Weshalb hält der Süden an diesem Symbol fest?

Das am meisten vorgebrachte Argument der Befürworter ist das Gedenken an ihre Vorfahren, die im US-Bürgerkrieg ihr Leben liessen. Daneben ist die Flagge aber auch ein Symbol der Eigenständigkeit des Südens. Mit ihr drücken die Südstaatler ihre Skepsis gegenüber den Yankees aus dem bis heute wirtschaftlich und politisch dominanten Norden aus. Für das Festhalten ist auch eine gehörige Portion Trotz verantwortlich. Man will sich von den Yankees und schon gar nicht von der Regierung in Washington vorschreiben lassen, was man zu tun und zu lassen hat.

Wieso ist die Flagge so umstritten?

Ihre Gegner sehen die Flagge als das Symbol für den Rassismus in den USA und setzen sie mit dem Hakenkreuz gleich. Das hat damit zu tun, dass die Konföderierten Staaten allesamt Sklavenhalterstaaten waren. Ebenso wichtig ist allerdings die Tatsache, dass die Konföderierten-Flagge, die nach dem Bürgerkrieg lange Zeit keine Rolle mehr spielte, zuerst vom rassistischen Ku-Klux-Klan adoptiert wurde und dann just zur Zeit der US-Bürgerrechtsbewegung in den 1950er- und 1960er-Jahren im Süden eine Wiedergeburt erlebte. Damit sollten die sich emanzipierenden Afroamerikaner eingeschüchtert werden. Dazu kommt, dass die Gegner die Flagge als Symbol der nach wie vor vorhandenen separatistischen Tendenzen in den Südstaaten und damit als Gefahr für die Einheit der USA wahrnehmen.

Wie erklärt sich die weltweite Beliebtheit der Flagge?

Die Konföderierten-Flagge trifft man nicht nur im Süden, sondern auf der ganzen Welt an. Auch hierzulande ist sie zu sehen. In den seltensten Fällen wird sie allerdings als rassistisches Symbol eingesetzt. Meist ist sie Ausdruck für einen bestimmten Lebensstil. Sie wird mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Rock'n'Roll- und Country-Musik in Verbindung gebracht. Dabei steht sie nicht so sehr für die Kultur des Südens als vielmehr für die US-Kultur allgemein, wie sie bei uns wahrgenommen wird. Doch auch die in den Südstaaten verbreitete Ablehnung eines starken Zentralstaats kann hierzulande eine Motivation für das Hissen der Flagge sein. Statt Washington sind dann einfach Bern oder gar Brüssel Ziel des stummen Protests.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.