Serbischer Präsident Aleksandar Vučić schäumt im Fall Djokovic vor Wut
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Nach Ausweisung von Djokovic«Australien hat sich selbst gedemütigt» – serbischer Präsident schäumt vor Wut

Novak Djokovic muss nach einem Corona-Drama um sein Visum ohne ein Australian-Open-Match Australien verlassen. Während er «enttäuscht» ist, sind die serbischen Medien sowie der Präsident stinksauer.

von
Nils Hänggi
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Am French Open in Paris sollen nur noch geimpfte Spieler teilnehmen dürfen, vermeldet die Nachrichtenagentur AFP am Montag.

Am French Open in Paris sollen nur noch geimpfte Spieler teilnehmen dürfen, vermeldet die Nachrichtenagentur AFP am Montag.

imago images/PanoramiC
Einen Tag vor Start der Australian Open ist Novak Djokovic mit seinem Einspruch gegen die Annullierung des Visums gescheitert. Ein Rückblick über die juristische Hängepartie:

Einen Tag vor Start der Australian Open ist Novak Djokovic mit seinem Einspruch gegen die Annullierung des Visums gescheitert. Ein Rückblick über die juristische Hängepartie:

AFP
10. Dezember
10. Dezember

Die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open endet – für Spieler, die nicht gegen das Coronavirus geimpft wurden. Nur vollständig Geimpfte dürfen an den Start gehen.

AFP

Darum gehts

Die Entscheidung ist gefallen, das Urteil ist da. Novak Djokovic darf nicht am Australian Open teilnehmen und muss ausreisen. Wie das Bundesgericht in Australien am Sonntag entschied, wurde der Einspruch des serbischen Tennisprofis gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums abgelehnt.

Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hiess es in der Bekanntgabe der drei Richter James Allsop, Anthony Besanko und David O’Callaghan. Die Begründung? Die soll frühestens am Montag erfolgen. Gegen das Urteil können beide Seiten vor dem Bundesgericht keine Rechtsmittel einlegen. Und das will die Weltnummer 1 im Tennis auch gar nicht. Er werde die Entscheidung des Gerichts aber akzeptieren und für seine Ausreise mit den zuständigen Behörden kooperieren, so Djokovic. Er sagt aber auch: «Ich bin extrem enttäuscht über die Entscheidung.»

Der Spott ist riesig

In den sozialen Netzwerken herrscht seit dem definitiven Urteil ein riesen Aufruhr. Viele Userinnen und User spotten über den Serben. Jemand schreibt: «Heute feiert Australien Christi Himmelfahrt» und postet dazu ein Bild von Jesus, der in den Himmel steigt. Mit seinem Post spricht er vermutlich die bemerkenswerte Pressekonferenz an, auf der Djokovics Vater seinen Sohn mit Jesus Christus verglich und sagte: «Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns» Und: «Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.»

Auch bei anderen überwiegt der Spott. «Ok, Djokovic muss Australien verlassen, konsequent und richtig, Regeln müssen für alle gelten. Unklar ist nur, wird Jesus übers Wasser laufen oder schweben?», fragt einer scherzhaft. Oder: «Eigentlich beschämend, wie viel Aufmerksamkeit diesem Kindergarten um Djokovic zuteil wurde.» Es gibt aber auch welche, die die brutale Einwanderungspolitik von Australien ansprechen und finden, dass sich Djokovic wirklich nicht beschweren dürfe. «Im Vergleich zu Staatsbürgern, die zum Teil über Monate nicht einreisen konnten, oder Asylsuchenden, wurde Djokovic mit Samthandschuhen angefasst», so ein User.

«Kann es kaum erwarten, dass er nach Serbien zurückkehrt»

Von einem Teil der Userinnen und User wird der Tennis-Superstar aber auch in Schutz genommen. Jemand meint: «Wer sich nicht beugt, wird bestraft. Eine gefährliche Botschaft: So verschärfen Regierungen die ohnehin kritische Lage vorsätzlich und provozieren soziale Unruhen.» Viele Twitter-Userinnen und -User sind auch einfach nur fassungslos über den Entscheid. So auch der serbische Präsident Aleksandar Vučić.

In Interviews mit serbischen Medien schäumt er: «Australien denkt jetzt, dass es Djokovic mit dieser zehntägigen Belästigung gedemütigt hat. Dabei hat sich das Land selbst gedemütigt. Der Prozess war eine Farce. Das Gericht und der Staatsanwalt verbreiteten Lügen. Der Prozess, er war absolut bedeutungslos.» Dann wendet er sich ans australische Volk und bedankt sich: «Ich danke den australischen Menschen, ich bin mir sicher, dass sie Novak lieben. Ich kann es kaum erwarten, dass Novak nach Serbien zurückkehrt. Wir werden ihn mit offenen Armen empfangen.» Ins gleiche Horn blasen die serbischen Medien, die auch stinksauer sind.

Der «Kurir» schreibt beispielsweise von «der grössten Schade in der Geschichte des Sports». Alo.rs meint: «Eine Schande, wie man sie noch nie gesehen hat! Djokovic wird abgeschoben, bei den Australian Open wird er nicht spielen.» Die Info-Plattform Informer.rs ist einfach nur erschüttert. Und die Community von 20 Minuten? Die ist sich einig. Und wie! Gemäss einer Umfrage (Stand Sonntagmorgen, zehn Uhr), sind über 90 Prozent mit dem Gerichtsentscheid einverstanden.

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