Aktualisiert 30.10.2019 18:48

Patrick Fischer«Schweiz verdient Spieler, die zur Nati stehen»

«Es ist ein absoluter Traumjob», sagt er nach seiner Vertragsverlängerung bis 2024. Nationalcoach Patrick Fischer (44) spricht über Spieler, die auf der schwarzen Liste stehen.

von
Marcel Allemann
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Zukunftsmusik: Patrick Fischer vor zwei Wochen an der Enthüllung der «Countdown Clock» für die Eishockey WM 2020 in Zürich und Lausanne.

Zukunftsmusik: Patrick Fischer vor zwei Wochen an der Enthüllung der «Countdown Clock» für die Eishockey WM 2020 in Zürich und Lausanne.

Keystone/Urs Flüeler
Fokussiert: Fischer bei einem Training der Nationalmannschaft im Juli in Bern.

Fokussiert: Fischer bei einem Training der Nationalmannschaft im Juli in Bern.

Keystone/Peter Klaunzer
Nach dem WM-Aus: Fischer (r.) und Teamdirektor Raeto Raffainer an der Pressekonferenz nach dem Viertelfinal gegen Kanada.

Nach dem WM-Aus: Fischer (r.) und Teamdirektor Raeto Raffainer an der Pressekonferenz nach dem Viertelfinal gegen Kanada.

Keystone/Melanie Duchene

Patrick Fischer, wie glücklich sind Sie über den neuen Vertrag? Ich bin natürlich sehr happy und auch froh, dass dies nun geregelt ist. Jetzt können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und das ist der Sport.

Hatte es für Sie immer Priorität, Nationalcoach zu bleiben? Wenn ich zurückblicke, war zu Beginn nicht immer alles nur schön. Doch inzwischen befinden wir uns auf einem guten Weg und ich sehe diesen längst nicht als abgeschlossen. Die Spieler glauben an unser System, haben Vertrauen in dieses. Das sind für mich ideale Voraussetzungen, um auf das Bestehende aufzubauen. Daher hätte es für mich schlicht keinen Sinn gemacht, jetzt aufzuhören. Das Amt des Nationaltrainers ist für mich ein absoluter Traumjob.

Wie kam die lange Amtsdauer bis 2024 zu Stande? Ich habe im Lauf meiner Karriere noch nie gepokert. Ich habe stets gesagt, was ich möchte, auch wenn das vielleicht taktisch nicht immer schlau war. Wir merkten bei den Gesprächen rasch, dass beide Parteien möchten und diskutierten dann über eine längerfristige Lösung. So wie es jetzt ist (Vertrag mit Ausstiegsklauseln, die nicht öffentlich kommuniziert werden; die Red.), ist es eine faire Lösung für alle. Niemand wurde dabei aufgehängt, aber es ist das klare Ziel, dass wir die vier anstehenden Jahre zusammen bestreiten.

Man kann auch davon ausgehen, dass die Vertragsverlängerung auch eine kleinere oder grössere Lohnerhöhung beinhaltet... Es gibt etwas mehr Geld, aber das ist für mich sekundär.

Sie haben an der Medienkonferenz betont, dass Sie seit Ihrem Amtsantritt 2015 als Coach gewachsen sind. Wie im Detail? Mein Weg als Coach verlief ziemlich rasant. Zunächst war ich in Lugano, drei Jahre als Assistent und zweieinhalb Jahre als Headcoach. Wenn du das erste Mal Headcoach bist, setzt du deine Philosophie um und musst zuerst einmal schauen, ob das funktioniert oder nicht. Ich konnte mich in den letzten Jahren taktisch enorm verbessern, dadurch dass ich die Möglichkeit habe, überall rein zu schauen. Ich bin nun als Nationaltrainer in einer Beobachterrolle und das ist sehr gut für mich. Die Kommunikation mit den Spielern ist ein weiterer Punkt, bei dem man sich immer verbessern kann, damit man aus jedem Spieler das Maximum herausholt. Taktisch und zwischenmenschlich habe ich mich hoffentlich verbessert (lacht).

Wir sind die Schweizer Nationalmannschaft und werden sicher bei niemandem «Bittibätti» machenPatrick Fischer

Sie erwarten von den Spielern ein 100-prozentiges Commitment zur Nationalmannschaft. Was heisst das konkret? Ganz einfach: Wenn ein Spieler ein Aufgebot erhält, dieser fit ist und nicht irgendein privates Problem vorliegt, aber er trotzdem nicht kommt, dann fehlt das Commitment für die Nationalmannschaft. Wir erwarten, dass ein Spieler einrückt, Spass hat und Gas gibt für sein Land.

Bei einigen Spielern fehlte dieses Commitment. Ja, es gibt einige Spieler, die aus dem Kreis ausgeschieden sind. Solche Sachen gehören dazu. In der Vergangenheit hatte der eine oder andere Spieler das Gefühl, dass er sich lieber auf den Verein konzentrieren möchte. Das akzeptieren wir auch, so etwas ist legitim. Jene Spieler bekommen nun die Möglichkeit, sich auch in Zukunft auf den Club zu konzentrieren. Das ist, so denke ich, völlig normal. Wir sind die Schweizer Nationalmannschaft und werden sicher bei niemandem «Bittibätti» machen.

Namentlich sind die Fälle der beiden NHL-Spieler Dean Kukan und Denis Malgin bekannt. Gibt es noch weitere? Dominik Schlumpf, Simon Bodenmann und Fabrice Herzog.

Gibt es für diese Spieler keine Chance auf eine Rückkehr? Sicher nicht bis zur Heim-WM im kommenden Frühjahr. Danach werden wir das wieder neu anschauen.

Nino Niederreiter oder Roman Josi muss ich jeweils gar nicht erst fragen, sie kommen ohnehin

Kann es sich eine Nation, die an der Weltspitze mitmischen will, überhaupt leisten, auf Spieler vom Format von Kukan oder Malgin zu verzichten? Ja, absolut. Es geht immer noch um die Mannschaft, um das Team als Ganzes. Das Land hat es verdient, dass 25 Spieler in der Garderobe sitzen, die sich zur Nationalmannschaft bekennen und zwar immer. Kukan, Malgin, Schlumpf, Bodenmann und Herzog sind gute Eishockeyspieler. Aber wir haben noch viele andere gute Spieler, die immer alles geben für die Nationalmannschaft und immer gekommen sind, wenn man sie gerufen hat. Unsere Leader wie beispielsweise Nino Niederreiter oder Roman Josi muss ich jeweils gar nicht erst fragen, sie kommen ohnehin.

Noch nicht verlängert wurde der Vertrag mit Ihrem Assistenten Tommy Albelin. Wie wichtig wäre es für Sie, dass auch er über die Heim-WM 2020 hinaus bleibt? Sehr wichtig. Ich hoffe, dass auch bei ihm möglichst bald alles unter Dach und Fach ist. Wir ergänzen uns sehr gut und haben Spass miteinander.

Nach der letzten Heim-WM 2009, die nicht von Erfolg gekrönt war, blieb das Wort «Heimnachteil» haften, welches der damalige Coach Ralph Krueger verwendet hat. Wie stehen Sie dazu? Ich verstehe dieses Wort nicht. Klar steigt der Erwartungsdruck, aber jeder ist gerne zu Hause und spielt gerne zu Hause. Bei mir persönlich ist es auf jeden Fall so und bei der Mannschaft ebenso. Wir haben lieber unsere eigenen Fans, die uns anpeitschen im Rücken, anstatt auswärts anzutreten. Die Schweizer Fankultur ist und war schon immer laut, die Schweizer Spieler sind sich das gewöhnt und lieben das. Deshalb ist es für mich ganz klar ein Vorteil, wenn wir, so hoffe ich, 8000 tobende Schweizer Fans im Stadion haben werden, die uns nach vorne pushen.

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