Verstrahlte Tiere: Das Leben kehrt nach Tschernobyl zurück

Aktualisiert

Verstrahlte TiereDas Leben kehrt nach Tschernobyl zurück

Gut 30 Jahre nach dem Super-GAU von 1986 ist die Gegend rund um Tschernobyl zwar noch immer so gut wie menschenleer, aber dafür von Wildtieren bevölkert.

von
fee

Tschernobyl steht für die grösste Katastrophe in der Geschichte der Kernenergie-Nutzung. Knapp 30 Jahre danach ist die Radioaktivität um den Reaktor noch immer um das Zehn- bis Hundertfache erhöht. Kein Wunder also, halten sich Menschen aus der Gegend weitgehend fern.

So zurückhaltend sind Wildtiere nicht. Trotz Strahlung leben in der Sperrzone inzwischen wieder genauso viele Elche, Hirsche, Rehe und Wildschweine wie in unverstrahlten Schutzgebieten der Region, wie Forscher um Tatiana Deryabina vom Staatlichen Radioökologischen Reservat Polesie im weissrussischen Gomel im Fachmagazin «Current Biology» berichten. Wölfe kämen in der Region inzwischen sogar siebenmal häufiger als anderswo.

Mensch ist für Tiere schlimmer als Radioaktivität

Dass sich die Wildtierpopulation wieder erholt hat, heisst aber nicht, dass die Strahlung gut für die Natur sei, sagt Co-Autor Jim Smith von der University of Portsmouth in einer Mitteilung. Vielmehr zeige es, dass die Auswirkungen der menschlichen Besiedlung – darunter die Jagd, Land- und Forstwirtschaft – noch schlimmer seien.

«Die Daten zeigen, wie widerstandsfähig Wildtiere sind, wenn ihnen der Mensch nicht das Leben schwermacht», ergänzt Jim Beasley von der University of Georgia, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Wie sich die Radioaktivität auf die Tiere auswirkt, können die Forscher nicht sagen. Möglich sei aber, dass die Strahlung ihre Lebensdauer oder Fortpflanzung beeinträchtige. Doch das muss nicht sein, wie das Beispiel von Vögeln in der Gegend zeigt: Sie sind nämlich gesünder als Artgenossen andernorts.

Deine Meinung