Gequält, gestört und krank: Das Leiden der Chihuahuas

Aktualisiert

Gequält, gestört und krankDas Leiden der Chihuahuas

Der Chihuahua ist der beliebteste Import-Hund der Schweiz. Elende Zuchtbedingungen rufen aber Tierschützer auf den Plan. Nationalrat Jositsch fordert nun eine Bewilligungspflicht.

von
Stefan Heusser
Chihuahuas werden in der Schweiz teilweise unter miesen Bedingungen gehalten.

Chihuahuas werden in der Schweiz teilweise unter miesen Bedingungen gehalten.

Der Chihuahua ist der Importschlager unter den Hunderassen. 1734 Hunde wurden 2012 offiziell aus dem Ausland importiert. «Die Hauptklientel für Chihuahuas sind junge Frauen aus Vororten», sagt Julika Fitzi von der Gesellschaft Schweizer Tierärzte. Sie bestellten den Hund per Klick im Internet oder liessen ihn sich vom Freund schenken. «Diese Personen brauchen den Hund als Modeaccessoire», ist Tierschützerin Susy Utzinger überzeugt.

Doch meist kommt der vermeintliche Liebling schon schwer geschädigt in der Schweiz an. Erste Anzeichen, dass mit den Hunden etwas nicht in Ordnung ist, machen sich schnell bemerkbar. «Nach zwei Tagen haben sie Fieber und Durchfall. Fast die Hälfte der Tiere stirbt. Kommen sie nach einer Woche zum Tierarzt, haben sie Würmer und Parasiten», sagt Tierärztin Fitzi. Verhaltensstörungen würden bald danach sichtbar.

Entweder sind sie völlig apathisch, oder dann aggressiv, sagt Corinne Abplanalp von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten Schweiz. Kaputte Hunde? «Ja», sagt sie, «die sind wirklich verhaltensgestört. Sie kläffen, zerstören Dinge und machen Terror.» Die Käuferinnen seien mit einem solchen Verhalten bald überfordert und würden das Interesse verlieren, so Utzinger. «Oftmals werden die Tiere dann im Bekanntenkreis oder in der Familie weiterverschenkt.»

Import nur mit Bewilligung?

Die Schweizer importieren Hunde wie wild. Laut einer Studie des Animal Identity Service (ANIS) stammten 43,9 Prozent der 2012 neu registrierten Hunde aus dem Ausland: fast 21 000 Tiere, ein Viertel mehr als im Jahr davor. «Der illegale Welpenhandel boomt», sagt Corinne Abplanalp von Vier Pfoten Schweiz. Dubiose Händler bieten im Internet Billig-Welpen aus Qualzuchten an.

Vier Pfoten verlangt deshalb eine europaweite Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht aller Hunde. Analog zur in der Schweiz geltenden Regel sollen alle Hunde mit einem Mikrochip markiert und registriert werden. Den Import besser kontrollieren will dagegen SP-Nationalrat Daniel Jositsch: Er fordert in einer am Montag eingereichten Interpellation eine Bewilligungspflicht für Hunde-Importe. «Damit liesse sich der illegale Welpenhandel eindämmen», so Jositsch. (sth)

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