Verunglimpfung des Andenkens: «Das Leiden der Michael-Jackson-Fans ist echt»
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Verunglimpfung des Andenkens«Das Leiden der Michael-Jackson-Fans ist echt»

Französische Fans des «King of Pop» reichten Klage gegen zwei Männer ein, die Jackson des Kindesmissbrauchs bezichtigen. Jetzt befasst sich ein Gericht mit dem Fall.

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In «Leaving Neverland» erzählen zwei Männer, wie sie als Kinder angeblich von Michael Jackson missbraucht wurden. Am Sundance Film Festival im Januar schockierte die Doku, HBO und Channel 4 zeigten sie im März – hier ist der Trailer dazu. (Video: Vizzr/Tamedia)

Gut zehn Jahre nach dem Tod von US-Popstar Michael Jackson haben Fans am Donnerstag zwei mutmassliche Missbrauchsopfer vor einem Gericht im französischen Orleans verklagt. Drei Fanclubs werfen ihnen Diffamierung ihres Idols vor.

Im Dokumentarfilm «Leaving Neverland» erzählen der 41-jährige James Safechuck und der 36 Jahre alten Wade Robson, wie Jackson sie sexuell missbraucht haben soll. Vor vier Monaten hatte der französische TV-Sender M6 den Dokfilm ausgestrahlt.

Warum die Klage gerechtfertigt ist

Die Gesetzgebung in Frankreich schützt das Andenken an die Toten, was die Beteiligung der drei Fans-Clubs an diesem Verfahren rechtfertige, sagte ihr Anwalt Emmanuel Ludot gegenüber «France 3».

Der Verteidiger der Fans erklärte, Safechuck und Robson hätten «dem Bild des Verstorbenen Schaden zugefügt - und auch der Fangemeinde von Michael Jackson». Der Dokfilm sei einfach «empörend», meinte Ludot. «Man könnte meinen, dass die Klage aus einer Laune der Fans entstanden sei, dass das nichts Ernstes ist. Aber wenn man mit ihnen spricht, merkt man, dass ihr Leiden echt ist.»

Die Fans fordern einen symbolischen Schadenersatz von jeweils einem Euro. Die beiden angeklagten US-Bürger entsandten keine Rechtsvertreter nach Frankreich. Das Urteil soll am 9. Oktober fallen.

Millionen-Klage gegen HBO

Die Fanclubs werden auch von Jacksons Nachlassverwaltern unterstützt. Sie hatten den US-Fernsehsender HBO bereits vor Ausstrahlung der Dokumentation im März wegen Verunglimpfung des Popstars auf 100 Millionen Dollar verklagt.

Der Choreograph Robson hatte Jackson 2013 posthum verklagt, Safechuck erhob seine Vorwürfe 2014. Beide Klagen wurden 2017 von der Justiz abgewiesen.

Michael Jackson war im Juni 2009 an einer Überdosis des Narkosemittels Propofol gestorben. Der «King of Pop» sah sich bereits zu Lebzeiten immer wieder dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs ausgesetzt. 2005 wurde er in einem spektakulären Gerichtsverfahren freigesprochen. Seine Karriere und sein Ruf nahmen jedoch dauerhaft Schaden. (kle/sda)

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