Das letzte SMS der Schul-Geisel: «Ich liebe euch alle»
Aktualisiert

Das letzte SMS der Schul-Geisel: «Ich liebe euch alle»

Sie verbrachte die letzten Stunden ihres jungen Lebens in der Gewalt eines Mannes, der offenbar mit sexuellen Absichten sechs Mädchen einer US-Schule gefangenhielt. Trotzdem fand die 16-jährige Emily Keyes die Kraft, ihrer Familie per SMS ein letztes Mal ihre Liebe auszudrücken. Kurze Zeit später war sie tot.

«I love you guys». Diese vier Worte sind alles, was der Familie Keyes von ihrer Tochter bleibt. Es ist das letzte SMS, das das Opfer des Geiselnehmers der Platte Canyon High School vor ihrem Tod versandte. Inzwischen wurde bekannt, dass der Mann, der Emily Keyes tötete und sich nach der Tat selbst richtete, offenbar ein sexuelles Motiv hatte.

Die Geiselnahme an einer Schule im US-Staat Colorado ging nach vier Stunden blutig zu Ende. Der Täter erschoss eine Schülerin und tötete sich anschliessend selbst, nachdem Sheriff Wegener einem Einsatzkommando den Befehl zum Stürmen des Gebäudes gegeben hatte. Er habe «Todesangst» bei dem Einsatz gehabt, sagte Fred Wegener im TV. «So ein Einsatz ist der Alptraum jedes Polizisten». Sein eigener Sohn war in der Schule, die Sheriff Fred Wegener gewaltsam stürmen sollte.

Sexuelles Motiv?

Der bewaffnete Täter, ein etwa 30 bis 50 Jahre alter Mann, hatte in dem Gymnasium der Kleinstadt Bailey zunächst mindestens sechs Personen als Geiseln genommen und sich in dem Gebäude verschanzt. Vier Geiseln wurden später freigelassen. Zwei Schülerinnen blieben bis zuletzt in seiner Gewalt. Eine von ihnen wurde von dem Mann bei der versuchten Befreiungsaktion der Polizei niedergeschossen und erlag später in einem Krankenhaus ihren Verletzungen.

Im Dunkeln tappt die Polizei noch, was das Motiv des Geiselnehmers angeht. Der Mann habe eines der Mädchen während der Geiselnahme sexuell belästigt, sagte der Sheriff am Donnerstag. Was ihn zur Geiselnahme getrieben habe, sei aber noch unklar, fügte er hinzu. Die Kriminalakte des Täters sei eher dünn.

Schule in der Nähe der Columbine High

Die Polizei entschloss sich zu der Erstürmung des Gebäudes, nachdem der Geiselnehmer die Verhandlungen mit den Behörden abgebrochen und ein Ultimatum gestellt hatte. Der Mann drohte seinen Geiseln fast ständig. Schon beim Eindringen in die Schule feuerte er mehrere Schüsse ab und gab zudem an, in seinem Rucksack eine Bombe mitzuführen.

Die Platte Canyon High School von Bailey wurde sofort nach der Geiselnahme abgeriegelt, mehrere hundert Schüler wurden in Sicherheit gebracht. Der Überfall weckte in den USA sofort Erinnerungen an das Blutbad in der nur wenige Kilometer entfernten Columbine High School: 1999 erschossen zwei Schüler 13 Menschen, ehe sie ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Bailey liegt etwa 50 Kilometer von Littleton entfernt. Dort hatten die beiden Jugendlichen Dylan Klebold und Eric Harris im April 1999 an der Columbine-High-School ein beispielloses Massaker angerichtet, als sie zwölf Mitschüler und einen Lehrer töteten. (sda)

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