Detailhandel: Das «letzte Zucken» der Händler
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DetailhandelDas «letzte Zucken» der Händler

Migros, Coop, Aldi und Co. wachsen und wachsen. Gegenwärtig entstehen Shoppingflächen von fast einer Million Quadratmeter. In dieser Verdrängungsschlacht sterben die Kleinen.

von
Othmar Bamert
Am 24. September 2009 wurde in Basel das Stücki Shopping-Center eröffnet – mit einer Verkaufsfläche von 32 000 m2

Am 24. September 2009 wurde in Basel das Stücki Shopping-Center eröffnet – mit einer Verkaufsfläche von 32 000 m2

Dieses Jahr ist die Expansionswut der Detailhändler so gross wie noch nie. Laut dem Marktforschungsinstitut GfK Switzerland werden zurzeit neue Einkaufsflächen von insgesamt 930 000 m2 geplant. Das entspricht einer Fläche von 130 Fussballfeldern.

Aus dem Boden gestampft werden vor allem grosse Shoppingcenter. Derzeit befinden sich fast 50 Einkaufsparadiese in Planung oder sind bereits im Bau, mehr als ein Dutzend werden modernisiert und vergrössert. Das macht zusammen eine Fläche von 540 000 m2. Der Grossteil des Flächengewinns geht auf das Konto von Migros und Coop. Aber auch die ausländischen Hard-Discounter mischen kräftig mit: Allein 200 000 m2 neue Verkaufsfläche beanspruchen laut GfK-Schätzungen die deutschen Ketten Aldi und Lidl.

Teurer Kampf der Giganten

Weshalb dieser Riesenappetit nach immer mehr Verkaufsfläche? Schon jetzt gibt es in der Schweiz zu viele Läden. Tausende kleinere, traditionelle Geschäfte mussten in den letzten Jahren aufgeben. Und für neu eröffnete grosse Shoppingcenter ist der Weg in die schwarzen Zahlen steinig. In diesem gesättigten Markt macht die Flächenexpansion betriebswirtschaftlich wenig Sinn. Denn mit jedem zusätzlichen Quadratmeter sinkt die Flächenproduktivität, das heisst pro Quadratmeter erzielt das Geschäft weniger Umsatz.

Detailhandelsanalyst Marco Strittmatter von der Zürcher Kantonalbank bezeichnet die Bauwut der Detaillisten als «letztes Aufzucken im Kampf um Marktanteile». Denn hinter dem Flächenwahn steckt das Kalkül, die Konkurrenz mit schierer Grösse und Marktmacht wegzudrängen.

Verlierer: die Kleinen

Diesen teuren Verdrängungskampf können sich nur die Giganten der Branche leisten, deren Kriegskassen nach Jahren üppiger Handelsmargen gefüllt sind oder die potente Investoren im Rücken haben. Die Kleinen beissen dabei ins Gras. Experten der Credit Suisse bezeichnen die Flächenexpansion als ein «Katalysator für die Strukturbereinigung».

Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut GfK Switzerland zählt gegenüber der «Handelszeitung» primär kleinere und mittlere Geschäfte ohne klares Profil und an nicht optimaler Lage zu den Verlierern des Expansionskrieges. Für die Grossen wie Migros und Coop winken nach geschlagener Schlacht umso höhere Gewinne.

Bauboom bei Baumärkten und im Sport

Geklotzt wird auch bei den Fach- und Möbelmärkten: 14 neue Zentren entstehen, darunter vier Ikea-Filialen, vier Hornbach, drei Obi, ein Bauhaus und ein Jumbo. Die geplante Fläche hier: 190 000 m2 – dreimal soviel wie im Vorjahr. Auf Expansionskurs sind auch die Shops von Nike und Adidas sowie die Outdoor-Fimen Mammut oder North Face. Das erstaunt; schliesslich bewährt sich das Konzept der Monobrand-Stores in der Schweiz nicht immer. So hat Nike seine Filiale in der Berner Innenstadt nach drei Jahren wieder geschlossen.

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