Aktualisiert 31.05.2011 08:41

Altly will es besser machen

Das «liebe» Facebook

Zu jedem Produkt gibt es eine Alternative: Für Cola ist es Pepsi, für PC der Mac und für Facebook? Vielleicht ist es Altly, das sich den Schutz der Privatsphäre auf die Fahne geschrieben hat.

von
Oliver Wietlisbach
Facebook ist so mächtig, dass fast niemand mehr an eine Alternative glaubt.

Facebook ist so mächtig, dass fast niemand mehr an eine Alternative glaubt.

Was wäre, wenn es ein «gutes» Facebook gäbe? Quasi ein alternatives soziales Netzwerk, das die Privatsphäre seiner User schützt. Würden die Massen dann dorthin wechseln, so wie die Leute von MySpace oder StudiVZ zu Facebook gewechselt haben?

An diese Vision glaubt zumindest Dmitry Shapiro. Mit Altly will er Menschen, denen Facebooks Daten-Sammelwut suspekt ist, eine Heimat bieten. Die Idee ist nicht neu. Bereits vor einem Jahr sorgte Diaspora für Schlagzeilen. Das Open-Source-Projekt ist ebenfalls ein Gegenentwurf zu bestehenden sozialen Netzwerken, die ihre Nutzer ausspähen würden. Ein Jahr später scheint der angekündigte Facebook-Killer kaum vom Fleck zu kommen. Warum also sollte Altly zur Konkurrenz für das scheinbar übermächtige Facebook werden?

Neue soziale Netzwerke haben es schwer

Mark Zuckerbergs Netzwerk soll 600 Millionen Nutzer und 2010 rund 500 Millionen Franken Gewinn gescheffelt haben. Will Altly durchstarten, braucht es vermutlich einen langen Schnauf und Geldgeber, die an den mittelfristigen Erfolg glauben. An diesem Punkt kommt Altly-Gründer Dmitry Shapiro ins Spiel. Dem ehemaligen MySpace-Manager werden enge Beziehungen mit gewichtigen Investoren nachgesagt. Für Altly könnte es somit einfacher sein, sich Kapital für die Lancierung des neuen sozialen Netzwerks zu beschaffen.

Trotzdem glaubt Matthias Gerth, Dozent für Medienökonomie an der Universität Zürich, nicht an den Erfolg: «Es braucht sehr viel Geld, um ein soziales Netzwerk zu entwickeln, mit all den Möglichkeiten, wie sie Facebook heute bietet.» Ein Netzwerk, das bei Null beginne, könne seinen Nutzern niemals diese weltweite Verknüpfung bieten. «Der versprochene bessere Datenschutz bei Altly genügt nicht, um die Nutzer von Facebook wegzulocken», glaubt Gerth. In der Schweiz sei der Datenschutz besonders wichtig, aber in anderen Ländern wie den USA hätten die Menschen einen anderen Bezug zu diesem Thema. «Ein weiteres soziales Netzwerk muss etwas vollkommen Neues haben, um erfolgreich zu sein», ist der Medienökonom überzeugt.

«Die Notwendigkeit einer Facebook-Alternative»

Im Altly-Blog hat Shapiro das Manifest «Die Notwendigkeit einer Facebook-Alternative» veröffentlicht. Darin macht er deutlich, was ihm an Zuckerbergs Internet-Kaffeekränzchen missfällt. Das ist einiges: Etwa, dass Facebook seine Nutzer dazu verleite, mehr von sich öffentlich zu machen, als die User beabsichtigt hätten. Oder dass Facebook es sehr schwer macht, unliebsame Daten über sich zu löschen. Ein Dorn im Auge sind Shapiro auch die undurchschaubaren Einstellungen der Privatsphäre. Wer sich nicht durch ein Meer von Optionen klickt, gibt rasch viel mehr von sich preis, als er will.

Es sei nicht falsch, dass Facebook versuche, Profit zu machen, wie dies alle Unternehmen versuchten. «Falsch ist jedoch, wenn unsere Privatsphäre, unsere persönlichen Informationen und unser digitales Leben für die Gewinnmaximierung genutzt werden, ohne dass wir dies ausschalten können oder gar nichts vom Umfang dieser Aktivitäten erfahren.» So dürfte vielen Menschen nicht bewusst sein, dass Facebook mittels Facebook-Login und Facebook-Buttons auf Millionen von Websites bestens über unser Surfverhalten informiert ist.

Altly will alles besser machen. «Privatsphäre ist ultimativ wichtig», schreibt Gründer Shapiro. «Die Kontrolle unserer Informationen sollte in unseren Händen liegen» und «alle unsere Daten sollten uns gehören.» Was gut klingt, ist noch nicht viel mehr als eine Website, auf der man seinen Benutzernamen registrieren kann, um informiert zu werden, wenn es losgeht. Shapiro gibt sich zuversichtlich: «Wir haben Investitionen von führenden Fonds für Risiko-Kapital, die einen Prototypen unserer Plattform gesehen haben und daran glauben, dass wir eine bedeutungsvolle Alternative zu Facebook gestalten.»

Gibt es Platz für einen Facebook-Rivalen? Was denken Sie?

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