Mörgeli wehrt sich: «Das liegt nicht an mir, das liegt am Fach»

Aktualisiert

Mörgeli wehrt sich«Das liegt nicht an mir, das liegt am Fach»

Ein Bericht seines Chefs an der Uni Zürich stellt Christoph Mörgeli ein mieses Zeugnis aus: Sein Museum sei veraltet, seine Vorlesungen wolle niemand hören. Die Replik des SVP-Nationalrats.

von
Marco Lüssi
Titularprofessor Christoph Mörgeli (hier in seinem Arbeitszimmer an der Uni Zürich) gerät unter Druck: Im Akademischen Bericht 2011 wird seine Arbeit von scharf kritisiert. Der SVP-Politiker muss gar um seine Anstellung fürchten. (Bild: Nicolas Aebi)

Titularprofessor Christoph Mörgeli (hier in seinem Arbeitszimmer an der Uni Zürich) gerät unter Druck: Im Akademischen Bericht 2011 wird seine Arbeit von scharf kritisiert. Der SVP-Politiker muss gar um seine Anstellung fürchten. (Bild: Nicolas Aebi)

Herr Mörgeli, sind Sie ein schlechter Wissenschaftler?

Christoph Mörgeli: Ganz gewiss nicht.

Im Bericht Ihres Vorgesetzten, aus dem der «Tages-Anzeiger» zitiert, heisst es unter anderem, die Dauerausstellung des von Ihnen betreuten Museums sei veraltet und teilweise fehlerhaft.

Dieser Bericht ist mir nie vorgelegt worden. Auf unser Museum und unsere einzigartige Sammlung bin ich stolz. Und ich habe allein 2012 über hundert Konzeptseiten mit Neuerungsvorschlägen erstellt. Nur: Das muss alles erst bewilligt werden, und darauf warte ich noch.

Im Bericht heisst es auch, Objekte des Museums wie etwa menschliche Knochen würden unsachgemäss gelagert.

Ich habe die Magazine nicht selber ausgewählt, die uns für diese Objekte zur Verfügung stehen. Es gab Probleme mit Schimmel bei gewissen Lederteilen, was ich unverzüglich gemeldet habe. Diese wurden für 100 000 Franken sachgemäss restauriert. Und die Feuchtpräparate hat ein ausgezeichneter Präparator gepflegt, der leider seine Arbeit einstellen musste.

Stimmt es, dass sich die Studenten nicht für Ihre Vorlesungen interessieren?

Es stimmt, dass mehr Ärzte als Studierende meine Vorlesungen besuchen. Dies liegt aber nicht an meinen Qualitäten als Dozent, sondern am Fach: Medizinstudenten sind mit dem Studium so stark belastet, dass sie Vorlesungen in Medizingeschichte oft nicht besuchen, wenn sie nicht dazu verpflichtet sind. Ich habe aber in meiner Karriere schon 60 Dissertationen betreut, 12 Doktoranden wurden allein im Jahr 2012 promoviert. Zudem publiziere ich auch heute noch am meisten von allen Institutsangehörigen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten?

Ich würde mein Verhältnis als neutral bezeichnen. Ich finde, es gibt nicht nur die eine «richtige» und «professionelle» Methode. Ich bin Kulturhistoriker, andere sind Sozialhistoriker.

Deine Meinung