15.04.2020 10:49

Coronavirus-Krise

Das macht dem Flughafen Zürich jetzt zu schaffen

Wenn die Passagierzahlen der Airlines sinken, geht es auch den Flughäfen schlecht. In Zürich sind die Einnahmen komplett weggebrochen.

von
Raphael Knecht
1 / 8
Der Flughafen Zürich verliert derzeit einen zweistelligen Millionenbetrag pro Monat, wie CEO Stephan Widrig zu 20 Minuten sagt.

Der Flughafen Zürich verliert derzeit einen zweistelligen Millionenbetrag pro Monat, wie CEO Stephan Widrig zu 20 Minuten sagt.

Keystone/Ennio Leanza
Weil fast alle Flugzeuge am Boden bleiben, hat der Flughafen praktisch keine Einnahmen.

Weil fast alle Flugzeuge am Boden bleiben, hat der Flughafen praktisch keine Einnahmen.

Keystone/Ennio Leanza
Fixkosten bleiben hingegen grösstenteils bestehen.

Fixkosten bleiben hingegen grösstenteils bestehen.

Keystone/Alexandra wey

Die Flugzeuge bleiben am Boden, die Ferien sind abgesagt: Der Lockdown trifft auch den Flughafen Zürich hart. Die Zahl der Passagiere sackte im März um über 60 Prozent auf 890'000 ab (siehe Box). Auch der Flugverkehr verringerte sich um gut die Hälfte. Mit diesen Problemen hat das Unternehmen jetzt zu kämpfen:

Keine Einnahmen

Von Passagiergebühren bis zu Parkplatzmieten: Dem Flughafen Zürich fehlen derzeit praktisch sämtliche Einnahmen, wie CEO Christoph Widrig zu 20 Minuten sagt. Das sind grosse Summen: «Wir verlieren derzeit pro Monat einen zweistelligen Millionenbetrag.» Denn die Fixkosten könne man kaum kürzen – sie seien an die Infrastruktur gebunden.

Kollaps des Bodenverkehrs

Der weltgrösste Bodenabfertiger Swissport braucht dringend Geld – innert rund zwei Monaten dürften die Reserven aufgebraucht sein, sagt CEO Eric Born zur «NZZ am Sonntag». Sprecher Christoph Meier sagt zu 20 Minuten, der Flugbetrieb an den grossen Schweizer Landesflughäfen könnte nach der Krise kaum geordnet hochgefahren werden, wenn ein so bedeutender Anbieter wegfallen würde. «Ohne Swissport funktioniert der Flughafen Zürich nicht», sagt auch Hansjörg Bürgi, Aviatik-Experte von Skynews.ch. Sollte Swissport das Geld ausgehen, würden darum weitere Ausfälle drohen – auch wenn der Flughafen selbst die eigentliche Krise finanziell bewältigen könnte. Swissport ist derzeit in Gesprächen mit Investoren, hofft aber auch auf Unterstützung vom Bund: «In dieser Situation nimmt man gerne jede Hilfe, die man bekommen kann», so Meier.

Airline-Pleiten

Wenn grosse Kunden in die Insolvenz rutschen, kann das gravierende Folgen für den Flughafen haben. Das zeigt das Beispiel Flybe: Die bereits angeschlagene britische Airline musste zu Beginn der Krise Konkurs anmelden. Es wird nun nicht nur mit finanziellen Einbussen gerechnet, sondern die Gewerkschaft GMB warnte gar, dass manche Flughäfen – etwa Southampton, an dem fast alle Flüge von Flybe durchgeführt wurden – eventuell komplett schliessen müssten. Hier stehe der Flughafen Zürich aber etwas besser da, sagt Bürgi. Der Lufthansa-Konzern, der den Grossteil der Flüge in Zürich durchführt, dürfte die Krise überstehen. Und: «Zürich ist ein wichtiger Pfeiler der Lufthansa-Infrastruktur – die Airline wird den Flughafen nicht nach der Krise links liegen lassen.»

Sorgen um Mieten

Der Flughafen Zürich ist das grösste Shoppingzentrum der Schweiz. Für Händler ist das zwar ein attraktiver Standort, aber eben auch ein teurer. Umso härter dürfte es die Läden treffen, die jetzt zwangsläufig geschlossen bleiben. «Der Flughafen Zürich muss sich Sorgen machen, dass die Mieten jetzt noch bezahlt werden», so Bürgi. Das gelte nicht nur für Händler, sondern auch für andere Unternehmen, die derzeit beim Flughafen Zürich eingemietet und vom Lockdown betroffen seien.

Nachbeben

Eine schnelle Erholung der Branche hält CEO Widrig für unrealistisch. Wahrscheinlicher sei, dass nach ein paar Monaten auf tieferem Niveau und in Teilbereichen eine Erholung stattfinde. Er geht darum davon aus, dass der internationale Reiseverkehr noch länger betroffen sein wird. Aviatik-Experte William Agius an der ZHAW ist noch weniger optimistisch: «Es ist davon auszugehen, dass es nach dem Ende der Krise noch zwei bis drei Jahre dauern wird, bis der Luftverkehr wieder auf dem gleichen Stand wie vor der Krise ist.» Der Flughafen Zürich muss sich also weiterhin auf ein holpriges Geschäft einstellen. Dazu kommt, dass die Airlines laut der Iata in der ersten Phase nach der Krise mit besonders tiefen Preisen versuchen werden, die Nachfrage wieder anzukurbeln – das würde es allen Beteiligten erschweren, neue Reserven aufzubauen. Und es dürfte weitere Pleiten geben, sagt Agius: «Das werden sehr viele Airlines mittelfristig nicht überleben.»

Passagierzahlen brechen im März ein

Die Coronavirus-Pandemie hat beim Flughafen Zürich zu einem Einbruch bei den Passagierzahlen im März geführt. Insgesamt sackte die Zahl der Reisenden um 63,2 Prozent auf 890'000 ab. Insgesamt sank die Zahl der Flüge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 49,5 Prozent auf 11'135 Starts oder Landungen, wie der Flughafen Zürich am Dienstag mitteilte. Im Schnitt waren nur noch 97,6 Fluggäste an Bord einer Maschine. Das ist über ein Fünftel weniger als vor einem Jahr. Nur noch 56,5 Prozent der Sitzplätze waren belegt, 19 Prozentpunkte weniger als vor zwölf Monaten. In den ersten beiden Aprilwochen ging der Sturzflug weiter. Die Anzahl Flüge und Passagiere sackten gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um über 95 Prozent ab.

Fehler gefunden?Jetzt melden.