07.08.2020 15:26

Weitreichende FolgenDas macht die Hitze mit der Schweiz

Von Steinschlag über Ernteausfälle bis hin zu Hitzetoten: Die Sommerhitze setzt der Schweizer Natur und Bevölkerung stark zu.

von
Stephanie Sigrist
Die Zahl der Sommer- und Hitzetage in der Schweiz steigt an. Darunter leidet nicht nur die Landwirtschaft.

Die Zahl der Sommer- und Hitzetage in der Schweiz steigt an. Darunter leidet nicht nur die Landwirtschaft.

Tamedia AG / Christian Pfander

Seit Beginn der Industrialisierung gegen Ende des 18. Jahrhunderts hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend verändert. Dies verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und führt zu einem spürbaren Wandel des Klimas. Insbesondere die starke Erwärmung seit 1950 ist mit natürlichen Klimaschwankungen nicht mehr erklärbar. Die Schweiz gehört zu den Ländern, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Die Erwärmung seit dem Messbeginn 1864 beträgt dem Bundesamt für Umwelt zufolge über 2 Grad Celsius und ist damit doppelt so hoch wie im weltweiten Mittel. Eine unmittelbare Folge der steigenden Temperaturen ist, dass es in der Schweiz heissere Sommer gibt. Die Anzahl der Sommertage, an denen das Thermometer über 25 Grad Celsius anzeigt, wird genauso wie das Vorkommen von Tropennächten weiter zunehmen. Vor allem im Mittelland steigt die Zahl der Sommer- und Hitzetage stark an. In Zürich zum Beispiel zeigt sich seit 1960 eine Zunahme um ein bis zwei Hitzetage pro Dekade. Hier wird aufgezeigt, welche Folgen die Sommerhitze für uns hat.

Wasserknappheit: In heissen Sommermonaten sinken die Wasserpegel. Durch zusätzliche Wasserentnahmen wie etwa aufgrund des hitzebedingten Bewässerungsbedarfs in der Landwirtschaft wird er noch weiter schrumpfen. Unsere Trinkwasserreserven schrumpfen, wenn Gewässer wenig Wasser führen und unsere Grundwasserreserven nicht aufgefüllt werden können. Dürren machen der Landwirtschaft zu schaffen und erhöhen die Waldbrandgefahr – laut WWF Schweiz auch in unseren Breitengraden.

Weniger Permafrost: Erwärmung von dauernd gefrorenen Untergrundes im Hochgebirge – Permafrost – ist ein langsam ablaufender und langfristig wirkender Prozess. Durch den tauenden Permafrost werden Hänge instabil, und die Steinschlag- und Felssturzgefahr im Gebirge erhöht sich.

Veränderungen im Wald: Buchen und Fichten machen aktuell rund 55 Prozent des Schweizer Baumbestandes aus, doch diese Arten haben Mühe mit der zunehmenden Trockenheit. Ohne ausreichend Wasser können Pflanzen keine Fotosynthese mehr betreiben und somit nicht wachsen. Auch Weisstannen und Föhren haben mit der Trockenheit in Hitzesommern zu kämpfen.

Ernteausfälle: Die Landwirtschaft leidet unter Trockenperioden, und Bauern werden in Zukunft öfter auf Bewässerung angewiesen sein. Der Anbau von Kulturen wie Winterweizen und Kartoffeln wird unter wärmeren Bedingungen erschwert.

Ausbreiten von Schädlingen: Kälteempfindliche Arten profitieren von der Klimaerwärmung. Sie können sich weiter ausbreiten und mehr Lebensraum für sich beanspruchen. Schädlinge wie Borkenkäfer, Kartoffelkäfer oder Blattläuse können sich bei wärmeren Temperaturen besser vermehren, was eine Gefahr für die Fauna sowie die Landwirtschaft darstellt.

Gesundheitsprobleme: Vor allem für ältere Menschen können Hitzesommer tödlich enden. Ursache für die höhere Sterblichkeit sind nicht unbedingt die Tagestemperaturen, sondern die Tropennächte mit über 20 Grad. Sind die Aussentemperaturen höher als gewohnt, kann der Körper nicht wie normalerweise in der Nacht um ein halbes bis ein ganzes Grad absinken. Dies kann zu Einschlaf- oder Durchschlafproblemen führen. So kann sich der Körper anfälliger Personen nicht mehr erholen. Im heissen Sommer 2003 waren 1000 zusätzliche Todesfälle zu verzeichnen. Allergiker spüren Ärzten zufolge ebenfalls bereits Anzeichen der weltweiten Erwärmung. Allergologen vermuten, dass der Anstieg der CO2-Konzentration die Pollenproduktion bei Pflanzen signifikant ankurbelt und deswegen zu mehr Allergien führt.

Sinkende Produktivität: Bei der Arbeit ist Hitze nicht bloss unangenehm, es können auch Schwindel, Kopfschmerzen oder gar Herz-Kreislauf-Probleme auftreten. Bei hohen Temperaturen fällt es manchen Arbeitnehmern schwer, sich zu konzentrieren. Dies führt dazu, dass mehr Fehler passieren.

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153 Kommentare
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potatoman

08.08.2020, 23:43

Das mit den Kartoffeln stimmt nicht

Feststeller

08.08.2020, 22:58

Die Stimmung ist sehr hitzig, nicht nur wegen des Covid-19.

Peter

08.08.2020, 21:59

Ist es denn ein überdurchschnittlich heisser Sommer? Wohl eher nicht... The illusory truth effect is the tendency to believe false information to be correct after repeated exposure.