Hund droht wegen fehlenden Papieren die Einschläferung.
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Welpe Soe droht Einschläferung«Das macht mich wahnsinnig wütend»

Weil nicht nachgewiesen werden kann, von wo Hundewelpe Soe stammt, wurde dieser vom Veterinäramt eingezogen. Die Besitzerin will, dass künftig solche Fälle verhindert werden.

von
Leo Butie
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Soe, ein French Bulldog, wurde vom Veterinäramt des Kantons Thurgau eingezogen. 

Soe, ein French Bulldog, wurde vom Veterinäramt des Kantons Thurgau eingezogen.

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Dies, weil die Besitzerin  nicht über die korrekte Dokumentation verfügte, als sie den Welpen von Deutschland in die Schweiz einführen wollte. 

Dies, weil die Besitzerin nicht über die korrekte Dokumentation verfügte, als sie den Welpen von Deutschland in die Schweiz einführen wollte.

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So konnte nicht sichergestellt werden, dass der Hund gegen Tollwut geimpft wurde. 

So konnte nicht sichergestellt werden, dass der Hund gegen Tollwut geimpft wurde.

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Darum gehts

  • Eine 20-Minuten-Leserin hat in Deutschland einen Hundewelpen gekauft.

  • Am Zoll wurde festgestellt, dass der Hund nicht gegen Tollwut geimpft wurde.

  • Nach dem Zahlen einer Busse konnte die Userin den Hund trotzdem einführen.

  • Das Veterinäramt hat den Hund nun beschlagnahmt.

  • Die Userin versteht die Handhabung der Zollverwaltung nicht.

  • Sie fordert mehr Aufklärung von Seiten des Zolls.

Es hätte ein Freund werden sollen für ihren siebenjährigen Sohn, weshalb sich ein 20-Minuten-Leserin aus dem Kanton Thurgau auf die Suche nach einem französischen Bulldog-Welpen machte. In Bayern wurde sie schliesslich fündig. «Ich fuhr also nach Deutschland, um den Welpen vor Ort anzuschauen. Es passte für uns und für den Verkäufer alles», erzählt die 20-Minuten-Leserin. Der Welpe war gechippt und verfügte über einen nationalen Impfausweis, hatte aber keine Tollwutimpfung erhalten. Bei der Rückfahrt meldete sie sich beim Zoll, um den Hund anzumelden und zu verzollen. «Da er keine Tollwutimpfung hat, musste ich 150 Franken Busse bezahlen und es gäbe eine Meldung ans Veterinäramt », erzählt sie. Anschliessend konnte sie aber weiterreisen und machte einen Termin bei ihrer Tierärztin ab, um die Impfung nachzuholen.

Die Grundimmunisierung musste nachgeholt werden, weshalb man die Tollwutimpfung fürs Erste verschieben musste. «Das kantonale Veterinäramt hat sich bei mir erkundigt und wollte alle Informationen haben über den Kauf und die Herkunft des Hundes», erzählt die Userin weiter.

Welpe wurde beschlagnahmt

Das Veterinäramt entscheidet sich schliesslich, den Welpen einzuziehen, da man das Herkunftsland nicht kannte. «Plötzlich standen Mitarbeiter vor meiner Türe, die den Hund mitnehmen wollten, was ich ablehnte», so die 20-Minuten-Leserin. Weil sie sich weigerte, den Hund herzugeben, wurde zuletzt die Polizei gerufen. «Als mir wegen Justizbehinderung eine Anzeige drohte, habe ich eingewilligt», sagt sie konsterniert. Da die Beschlagnahmung um die Mittagszeit stattfand, musste ihr Sohn alles miterleben. «Er hat nur noch geweint und konnte kaum schlafen», erzählt sie.

Der Hund befindet sich nun in einem Tierheim in Quarantäne und muss dort für 120 Tage bleiben. «Für die Quarantäne müsste ich 8800 Franken bezahlen», erklärt sie. Dies könne sie sich aber nicht leisten. Falls sie nicht beweisen kann, dass der Hund nicht aus einem tollwutfreien Land kommt oder nicht bezahlen kann, muss der Hund eingeschläfert werden. «Das macht mich wahnsinnig wütend. Der Hund wurde durch einen grausamen Hundehändler nach Deutschland geschleust und kann nichts dafür.» Sie gesteht ihren Teil der Schuld ein. «Ich habe mich bezüglich der Einreisebestimmungen zu wenig informiert. Ich konnte aber auch nicht wissen, dass der Erstverkäufer ein Hundeschleuser war.»

Sie möchte nun, dass die Zollverwaltung diese Praxis ändert. «Der Zoll hätte den Hund gar nicht einführen dürfen, da kein amtliches Dokument vorhanden war», findet sie. Mit der Bezahlung der Busse hätte es aus ihrer Sicht erledigt sein müssen. Die Zollverwaltung müsse diese Handhabung ändern und Tiere ohne gültigen Papiere überhaupt nicht einführen.

Sie wünscht sich eine bessere Aufklärung seitens der Zollverwaltung. «Die Zollbeamten hätten hier ihre Pflicht erfüllen müssen und informieren, was die Konsequenzen sind», so die 20-Minuten-Leserin. Ansonsten hätte sie den Hund niemals in die Schweiz gebracht. Denn zum Schluss seien die Hunde die Leidtragenden und in diesem Fall ihr siebenjähriger Sohn und Soe.

Am Zoll kann man keine Tiere zurücklassen

Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann die eidgenössische Zollverwaltung dazu keine Stellung nehmen. Doch gemäss Simon Erny, Mediensprecher der eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), hat die Zollverwaltung rechtlich keine Handhabung, um Heimtiere an der Grenze zurückzuhalten. «Seitens EZV fehlt es an Quarantänestationen, um solche Tiere vorläufig unterzubringen», sagt Erny.

Stellt die Zollverwaltung Heimtiere fest, bei denen die Voraussetzungen für die Ein‑ oder Durchfuhr nicht erfüllt sind, wird dies der Veterinärbehörde des Kantons gemeldet.

Veterinäramt schreitet konsequent ein

Zum konkreten Fall kann sich das Veterinäramt Kanton Thurgau nicht äussern. «Ich kann bestätigen, dass Hunde und Katzen, mit unklarer Herkunft beziehungsweise einem unklarem Tollwutstatus, beschlagnahmt und unter Quarantäne gestellt werden», sagt Robert Hess, Chef Veterinäramt. Die Quarantäne dauert rund 120 Tage. «Dies ist sehr kostenintensiv und muss durch den verantwortlichen Halter bezahlt werden. Ist keine Quarantäne und auch keine Rückführung des Tieres möglich, muss dieses eingeschläfert werden.»

Tollwut führt zum Tod

Grund für dieses Vorgehen ist die Tollwut. «Die Tollwut ist eine auf den Menschen übertragbare Krankheit, die nicht behandelt werden kann und in aller Regel zum Tod führt», erklärt Hess. Zudem lasse sich eine Tollwutinfektion nicht am lebenden Tier nachweisen. «Der Nachweis kann erst durch Sektion erfolgen.» Will heissen: Die Tollwutuntersuchung kann nur am toten Tier durchgeführt werden.

Es sei allgemein ein grosses Problem, dass Hunde in Tollwutrisikoländern (bspw. Serbien, Kosovo, Türkei) gezüchtet und im Internet zum Verkauf angeboten und anschliessend illegal in die Schweiz eingeführt werden. «Diese ‹Züchter› halten sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben und kümmern sich nicht um das Schicksal der Tiere», sagt Hess. Man merke, dass sich Personen immer mehr im Internet auf die Suche nach einem Haustier machen würden, ohne sich über die damit verbundenen Risiken bewusst zu sein. Dies sei eine bedenkliche Entwicklung.

«Der Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier verpflichtet die Behörden in solchen Fällen zu einem konsequenten Einschreiten. Die Schweiz ist tollwutfrei und dies soll auch so bleiben», sagt Hess.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

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