SommerkampagneSchweiz Tourismus wirbt mit Kochs «bebadbaren» Flüssen

Morgen beginnt die Tourismussaison. Schweiz Tourismus stellt seine neue Kampagne «Ich brauch Schweiz» vor. Für den Recovery Plan setzt die Organisation zusätzliche Mittel ein.

von
Raphael Knecht
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Schweiz Tourismus hat in ihrer neuen Kampagne den ehemaligen «Mr. Corona» Daniel Koch eingebaut.

Schweiz Tourismus hat in ihrer neuen Kampagne den ehemaligen «Mr. Corona» Daniel Koch eingebaut.

Schweiz Tourismus
Auch der österreichische Kanzler Sebastian Kurz muss seinen Kopf für die Schweizer Kampagne hinhalten.

Auch der österreichische Kanzler Sebastian Kurz muss seinen Kopf für die Schweizer Kampagne hinhalten.

Schweiz Tourismus
Am Samstag beginnt die Feriensaison.

Am Samstag beginnt die Feriensaison.

KEYSTONE

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Freitag, 05.06.2020

Zusammenfassung

Die Coronapandemie hat den Schweizer Tourismus voll erwischt. Die Marktingorganisation Schweiz Tourismus befürchtet für die Monate März bis Juni einen Umsatzverlust von 8,7 Milliarden Franken für die Branche.

«Es ist dramatisch wie kaum zuvor, da mache ich Ihnen gar nichts vor», sagte Schweiz Tourismus Martin Nydegger am Freitag in einer Onlinemedienkonferenz. «Wir erwarten Umsatzeinbussen von bis zu 35 Prozent für das laufende Jahr. Und wir befürchten für die Leistungsträger eine Konkurswahrscheinlichkeit von 20 bis 25 Prozent.»

Schwerste Krise seit den 40ern

«Seit den Kriegsjahren um 1940 haben wir nicht mehr erlebt, was wir seit diesem Frühling 2020 erleben müssen», sagte Nydegger. Der Schweizer Tourismus sei wegen des Coronavirus praktisch zum Erliegen gekommen.

Die Branche sei flächendeckend, in allen Regionen, sowohl im Freizeit- als auch Geschäftstourismus so hart getroffen wie kaum eine andere Branche.

Für den Sommer rechnet die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) einen Einbruch von 37 Prozent, wie sie letzte Woche bekannt gegeben hatte. Dass die Schweizer ihre Ferien in diesem Sommer vermehrt im eigenen Land verbringen werden, könne den Wegfall der ausländischen Touristen nicht wettmachen.

Während die Zahl der Übernachtungen in den Städten mehr als halbieren werde, betrage der Rückgang in den Bergen rund 20 bis 30 Prozent, schätzte die KOF.

«Ich brauch Schweiz»

Angesichts der Lage rührt Schweiz Tourismus nun die Werbetrommel für Ferien hierzulande. Unter dem Slogan «Ich brauch Schweiz» lanciert die Marktingorganisation eine der grössten globalen Werbeoffensiven der letzten Jahre.

Dabei wird unter anderem mit humoristischen Werbeplakaten geworben. Auf denen Daniel Koch für «bebadbare Flüsse» wirbt und Österreichs Kanzler Kurz für Weitsichtigkeit (siehe Eintrag unten).

Zielpublikum seien zu Beginn die einheimischen Gäste sowie die Touristen in Deutschland und Frankreich, gefolgt von weiteren europäischen Ländern. Locken will Schweiz Tourismus die Gäste unter anderem mit dem neuen Sicherheislabel «Safe & Clean» und einer kostenlosen Stornierungsmöglichkeit bis 48 Stunden vor Ankunft. (sda)

Mit Koch für Flüsse werben

Schweiz Tourismus hat in ihrer neuen Kampagne den ehemaligen «Mr. Corona» Daniel Koch eingebaut: Über seinem Namensschild an einer seiner unzähligen Medienkonferenzen steht «Wir brauchen bebadbare Flüsse».

Damit bezieht sich Schweiz Tourismus eine Wortschöpfung von Koch an einer Medienkonferenz. Am ersten Tag seiner Pension griff Koch das Wort dann erneut in einem Video auf und sorgte damit für Aufsehen: Mit den Worten «Die Aare wird bebadbar sein», sprang Koch samt Anzug in den Fluss.

Auch der österreichische Kanzler Sebastian Kurz muss seinen Kopf für die Schweizer Kampagne hinhalten. Unter dem Slogan: «Wir wollen keine Kurz- sondern Weitsicht», ist das Gesicht von Kurz zu sehen.

Schluss

Die Konferenz ist zu Ende.

Rabattschlacht

Gibts jetzt eine Rabattschlacht?

Das ist nicht das Ziel. Eine Rabattschlacht nützt dem Tourismus nichts. Die Marge ist ohnehin schon klein. Man soll jetzt einfach Ferien in der Schweiz machen und so die Betriebe unterstützen.

Fragerunde

Jetzt kommt die Fragerunde. Wie hoch ist die Gefahr der Pleiten bei Hotels? Nydegger: Man rechnet mit 20 bis 25 Prozent Pleiten. Das ist sehr viel und sehr traurig. Die Städte dürfen überdurchschnittlich betroffen sein.

Komiker

Schweiz Tourismus will auch auf Lustig machen: In der Schweiz wird unter anderem mit dem bekannten Deutschschweizer Humor-Duo «Divertimento» sowie den Westschweizer Komikern «Vincent & Vincent» für Ferien dies- und jenseits des Röstigrabens geworben.

Komiker wie Divertimento sollen für Ferien in der Schweiz werben.

Komiker wie Divertimento sollen für Ferien in der Schweiz werben.

Spezialangebot

Ganz neu: Man kann jetzt aussergewöhnliche naturnahe Übernachtungen buchen. Das Angebot gibts ab 2. Juli. Ein solches Angebot habe es bisher noch nie gegeben.

"Wir brauchen Schweiz"

Die Kampagne heisst "Wir brauchen Schweiz". In den nächsten Wochen wird Werbung auf allen Kanälen geschaltet. Die Deutschschweizer will man etwa für die Romandie begeistern. Man will die Vielfalt der Schweiz schmackhaft machen. Entdecken soll man kleinere Geheimtipps. Auf der Webseite von Schweiz Tourismus findet man eine Vielzahl an Tipps etwa für Strandferien in der Schweiz. Auch kann man auf der Seite direkt buchen. So will Schweiz Tourismus die Anbieter unterstützen.

Badeferien kann man auch in der Schweiz machen.

Badeferien kann man auch in der Schweiz machen.

6. Juni gehts los

André Hefti, Marketingchef, sagt nun, was Schweiz Tourismus sonst noch genau geplant hat. Der Fokus liegt auf der Schweizer Natur: Diese sollen die Gäste neu entdecken. Morgen am 6. Juni geht die Tourismussaison los. Die neue Kampagne ist für die kommenden Jahre angelegt. Zuerst bearbeite man den Binnenmarkt, dann das Ausland. Die Marktbearbeitung erfolgt also zeitversetzt, zuerst in der Schweiz und in den Nachbarländern Deutschland und Frankreich, dann in allen europäischen Nahmärkten und schliesslich in den Fernmärkten Ost und West.

Hygiene-Label

Für Hotels und andere Betriebe hat man bereits das Hygiene-Label "Clean & Safe" kreiert. Das soll das Vertrauen der Gäste in Corona-Zeiten wieder herstellen.

Werbung für die Schweiz

Eine grosse Herausforderung ist laut Nydegger der Tourismus in den Städten. Auch die Ausländer will man wieder anlockern. Die 20 Millionen Franken werden zu 38 Prozent in die Schweiz investiert. 34 Prozent gehen in die Bearbeitung der europäischen Märkte. 20 Prozent gehen in die Werbung für die Märkte in Übersee. Da muss man aber noch warten, bis die Grenzen offen sind. Daher könnten diese Märkte erst im Herbst oder gar im nächsten Jahr bearbeitet werden.

Gäste aus dem Ausland fehlen in der Schweiz.

Gäste aus dem Ausland fehlen in der Schweiz.

40 Millionen Franken

Schweizer Tourismus startet laut Nydegger jetzt eine der grössten Werbeoffensiven, die man je gemacht hat. Dafür nutzt man das Geld vom Bund. Insgesamt sind es 40 Millionen Franken. Davon gehen 20 Millionen Franken zur Entlastung an die Tourismuspartner. Die anderen 202 Millionen braucht man für die Werbeoffensive.

Grosser Schaden

Der oberste Touristiker, Martin Nydegger, übernimmt das Wort. Seit dem 2. Weltkrieg habe der Tourismus in der Schweiz nicht mehr so gelitten wie in der Corona-Krise. Der Tourismus sei praktisch zum Erliegen gekommen. Alle in der Branche seien betroffen. Befürchtet werden "unglaubliche" Umsatzeinbussen. In den Städten solle es im Sommer um die Hälfte weniger Übernachtungen geben. In den Bergen wird mit einem Minus von bis zu 30 Prozent gerechnet. Die Zahlen sind auf einem Niveau, wie das letzte Mal in den 60er-Jahren. Der Schaden zwischen März und Juni dürfte sich insgesamt auf bis zu minus 9 Milliarden Franken belaufen.

Besonders die Stadthotels leiden.

Besonders die Stadthotels leiden.

Medienkonferenz beginnt

So, jetzt gehts los: Mediensprecher Markus Berger eröffnet die Medienkonferenz.

Bald gehts los

Zu Beginn der Tourismussaison lanciert Schweiz Tourismus eine neue Kampagne namens «Ich brauch Schweiz». Im Livestream wird Chef Martin Nydegger erklären, wohin dieses Jahr zusätzliche Gelder fliessen werden. Der Stream beginnt um 9.00 Uhr.

Herausforderungen für die Marketingorganisation dürfte einerseits sein, die Schweizer dazu zu animieren, inländische Destinationen zu besuchen. Andererseits muss die Branche aber auch zeigen, dass man die Sicherheitsbestimmungen des Bundes einhalten kann — ohne dass das Ferienerlebnis darunter leidet.

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