Aktualisiert 15.01.2020 10:11

Theater St. GallenDas Mädchen, das kurz vor einer Zwangsehe floh

Das Theater St. Gallen bringt schwere Kost auf die Bühne: Die Geschichte von Waris Dirie. Das somalische Nomadenmädchen wurde beschnitten und stand kurz vor einer Zwangsheirat.

Das Theater St. Gallen bringt die bewegte Geschichte der «Wüstenblume» als Musical auf die Bühne. (Video: Keystone-SDA)

«Wüstenblume» ist die gesungene und getanzte Lebensgeschichte des somalischen Mädchens, das mit fünf Jahren beschnitten wurde, mit 13 vor einer Zwangsheirat floh, später nach London kam und als Topmodel Karriere machte. Die Geschichte von Waris Dirie schlägt einen Bogen von Afrika über Europa bis zur internationalen Modewelt.

Die Proben für das Stück, die auf Diries Autobiografie «Desert Flower» basiert, laufen auf Hochtouren. Die Uraufführung des Musicals ist am 22. Februar. Am Dienstag gaben Komponist Uwe Fahrenkrog-Petersen, Autor und Regisseur Gil Mehmert und ihr Kreativ-Team in St. Gallen Einblick in die Produktion.

Das berührende und wechselvolle Leben der Protagonistin wird mit Hilfe von Rückblenden und Videoprojektionen gezeigt. Das Thema sei spannend, «gerade weil es schwer ist», sagte Gil Mehmert. Er glaube, es sei geglückt, daraus auf geschmackvolle Weise ein «totales Theater» zu machen.

Gegensätzliche Welten

Die gegensätzlichen Welten Afrikas und des Westens kommen in der Musik und in den Kostümen zum Ausdruck. Die Rolle der starken Frau, die als Aktivistin und Uno-Sonderbotschafterin gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen und jungen Frauen kämpft, spielen Naomi Simmonds (Waris als 13-Jährige) und Kerry Jean.

Die beiden gaben am Dienstag zwei Kostproben: «Ein langer Weg», im Duett gesungen von der jungen Waris und ihrer Mutter über den Moment des Abschieds in der Wüste. Und anschliessend das Lied «So wirst du Frau», in dem Dirie ihren Schmerz und ihre Ängste zum Ausdruck bringt, die eine beschnittene Frau erlebt, wenn sie sich verliebt.

Tanz und Videoprojektionen

Zur Musik der «Wüstenblume»-Band bietet das Musical auch viele Tanzszenen, choreografiert von Jonathan Huor. Zudem setzt das Stück auf Video-Projektionen, um die wechselnden Schauplätze zwischen Somalia, London und der glamourösen Modewelt darzustellen.

Als das Theater St. Gallen im März 2019 das Musical ankündigte, kam Waris Dirie persönlich nach St. Gallen. Sie leide unter ihrem

Schicksal und spreche nicht gerne über sich selber, sagte sie

damals. Indem sie ihre Geschichte immer wieder erzähle, wolle sie

anderen Opfern Mut machen.

(SDA)

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