Aktualisiert

Dreifachsieg ist historischDas Märchen von Goldmedaillen-Gewinnerin Jolanda Neff

Dass Jolanda Neff im Mountainbike-Rennen die Gold-Medaille holt, ähnelt einem Märchen. Die letzten Jahre der Ostschweizerin waren schwer. Nach ihrem Sieg redet sie ganz offen darüber.

von
Nils Hänggi

Neff hatte nach ihrem Triumph Tränen in den Augen.

SRF

Darum gehts

  • Die Schweizer Mountainbike-Frauen gewinnen an den Olympischen Spielen in Tokio im Cross Country Gold, Silber und Bronze.

  • Dass Neff Gold holt, ähnelt einem Märchen.

  • Ihre letzten Jahre waren geprägt von Verletzungen und Stürzen.

Was war das für eine historische Leistung! Die Schweizer Mountainbike-Frauen holen an Olympia Gold, Silber und Bronze! Jolanda Neff gewinnt das Rennen vor Sina Frei und Linda Indergand.

Der Erfolg? Absolut historisch. So gab es den letzten Schweizer Dreifachsieg vor 85 Jahren. 1936 war es, als in Berlin im Bodenturnen mit Georges Miez, Josef Walter und Eugen Mack letztmals drei Schweizer gemeinsam auf dem Podest standen. Das gleiche Bild gab es 1924. In Paris waren es ebenfalls die Turner gewesen, die durch Josef Wilhelm, Jean Gutweniger und Antoine Rebetez den Eidgenossen einen Dreifachsieg bescherten. Zu vergleichen sind diese Triumphe mit dem von Neff, Frei und Indergand aber nicht. Zu lange sind diese Siege her, zu sehr hat sich der Sport im Allgemeinen verändert.

Der Triumph, er ist aber nicht nur wegen dem historischen Ergebnis unvergleichlich. Der Triumph ist auch ein Märchen. Das Märchen von Jolanda Neff. Beim Weltcupfinal 2018 konnte sie zuletzt ein internationales Rennen gewinnen. Seither ist sie immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden. Besonders in Erinnerung: Ihr schlimmer Trainingssturz Ende 2019 mit Milzriss und Lungenkollaps. Seither hatte sie sich der Spitze in dieser Saison mit den vorderen Platzierungen sukzessive wieder angenähert – bis sie in Leogang stürzte und sich die Hand brach. Das Podest verpasste die Ostschweizerin dennoch nur knapp. Am Ende fehlten der früheren Weltmeisterin und dreifachen Gesamtweltcupsiegerin zwölf Sekunden zum ersten Podestplatz seit August 2019, wobei sie auf der Schlussrunde, trotz der Verletzung, Terrain auf die Konkurrentinnen gutmachte.

Jolanda Neff ist nach ihrem Gewinn der Gold-Medaille überglücklich. 

Jolanda Neff ist nach ihrem Gewinn der Gold-Medaille überglücklich.

Getty Images

«Egal was passierte, sie waren immer für mich da»

«Es ist eine unglaubliche Geschichte. Es benötigt sicher noch ein wenig Zeit um es zu realisieren. Ich hatte eine schwere Zeit», so Neff nach ihrem Gold-Sieg. «2020 hatte ich fast keine Rennen wegen meines schweren Unfalls und wegen Corona. Und sechs Wochen vor Olympia habe ich mir noch meine Hand gebrochen.» Sie sei einfach glücklich über den Sieg. Dann wird die 28-jährige Ostschweizerin emotional und sagt: «Ich hatte wirklich schlimme Jahre hinter mir. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt irgendwann wieder auf das Level vor meinem schweren Unfall kommen werde. Ich hatte den besten Support. Meine Familie stand hinter mir, mein Freund, mein Team, meine Teamkolleginnen. Egal was passierte, sie waren immer für mich da.»

Nathalie Schneitter, Schweizer Ex-Mountainbike-Star und ehemalige Weltcup-Siegerin ordnet den Erfolg von Neff gegenüber 20 Minuten auch ein. Und die 35-Jährige bestätigt die Worte der Gold-Medaillen-Gewinnerin. «Ihre Zeit war geprägt von Pleiten, Pech und Pannen.» Den Grundstein für das Neff-Märchen sieht sie bei ihrem Sturz in Leogang. Schneitter erklärt, dass Neff damals trotz Sturz gemerkt habe, dass sie gut in Form sei. «Wenn sie in Leogang gewonnen hätte, wäre sie schon wieder Favoritin gewesen. Jetzt war es aber eine einmalige Situation. Niemand erwartete was von ihr», so die ehemalige Weltcup-Siegerin.

Hier sichert sich Neff die Gold-Medaille.

SRF

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

18 Kommentare