«Weltwoche» zufrieden: «Das Mail hat Hildebrand noch mehr belastet»

Aktualisiert

«Weltwoche» zufrieden«Das Mail hat Hildebrand noch mehr belastet»

Mit dem Rücktritt von Nationalbank-Chef Hildebrand hat die «Weltwoche» ihr Ziel erreicht. Nun fordert der stellvertretende Chefredaktor Philipp Gut weitere Konsequenzen.

von
Jessica Pfister
«Der Rücktritt war folgerichtig», sagt Philipp Gut, stellvertretender Chefredaktor und Inlandchef der «Weltwoche». Das Magazin hatte die Geschichte aufgedeckt.

«Der Rücktritt war folgerichtig», sagt Philipp Gut, stellvertretender Chefredaktor und Inlandchef der «Weltwoche». Das Magazin hatte die Geschichte aufgedeckt.

Noch am Wochenende schien es, als habe der Nationalbankchef Philipp Hildebrand das Schlimmste im Zusammenhang mit seiner Dollar-Affäre überstanden. Nun diese Wende. Sind Sie überrascht?

Philipp Gut: Der Schritt war folgerichtig. Hildebrand blieb keine andere Möglichkeit. Es ist unhaltbar, dass ein Nationalbankpräsident mit Devisen und Aktien handelt. Offenbar ist Hildebrand oder der Bankrat ebenfalls zu diesem Schluss gekommen. Klar ist, dass die Glaubwürdigkeit der Nationalbank erheblich gelitten hat und dass sie nicht mehr handlungsfähig war.

Dennoch ist die Entwicklung erstaunlich. Vor allem auch nachdem die Sonntagszeitungen bestätigt haben, dass das Mail mit den Transaktionen von Frau Hildebrand, und nicht - wie die «Weltwoche» behauptet hatte - von Herr Hildebrand verschickt wurde.

Im Gegenteil. Das Mail belastet Philipp Hildebrand mehr als dass es ihn entlastet. Frau Hildebrand schreibt klar von «we», also wir. Da hilft auch das Mail am nächsten Tag von Hildebrand mit der Aufforderung, künftige Transaktionen müssten von ihm bewilligt werden, nicht weiter. Es klingt, als ob es für die Galerie geschrieben worden wäre. Wer sagt denn, dass es keine nachträgliche Rechtfertigung war? Aber das ist ein Nebenschauplatz. Entscheidend ist, dass über das Konto des SNB-Präsidenten, der über Insiderwissen verfügte, Devisen und Aktien gehandelt wurden. Und zwar mehrfach. Das ist der eigentliche Skandal.

Strafrechtsprofessor Paolo Bernasconi forderte in der «SonntagsZeitung» eine Strafverfolgung gegen die «Weltwoche». Die Rücktrittsforderung, die Sie formuliert hatten, sei eine «Nötigung». Was sagen Sie dazu?

Diese Forderung ist lächerlich. Die Medien erheben laufend Rücktrittsforderungen. Wieso soll dies ausgerechnet in diesem gravierenden Fall unerlaubt sein? Hildebrand wurde geschützt, weil er vielen als Superstar galt und weil die SVP sich kritisch gegen ihn geäussert hatte. Viele in diesem Land folgen diesem irrationalen Reflex.

Ist der Fall Hildebrand nun erledigt?

Der Fall ist sicher noch nicht ausgestanden. Die Aufsichtsgremien haben versagt, sowohl der Bankrat wie der Bundesrat. Das muss Konsequenzen haben. Bankrats-Präsident Raggenbass und Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf, die Hildebrands Vergehen gedeckt und vertuscht haben, stehen ebenso in der Verantwortung wie er.

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