Aktualisiert 23.06.2015 07:33

Ende der ArtenvielfaltDas Massenaussterben ist in vollem Gang

Hin und wieder kommt es auf der Erde zu einem Kahlschlag. Zuletzt mussten die Dinosaurier dran glauben. Jetzt sind die nächsten Lebewesen dran.

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Auf der Erde ist einer Studie zufolge eine sechste Welle des Massenaussterbens im Gang, in der die Arten etwa hundert Mal schneller aussterben als in früheren Phasen.

Auf der Erde ist einer Studie zufolge eine sechste Welle des Massenaussterbens im Gang, in der die Arten etwa hundert Mal schneller aussterben als in früheren Phasen.

Keine Tier- oder Pflanzenart existiert ewig. So will es die Evolution. Doch nicht immer verschwinden diese nebenbei, manchmal trifft es viele Arten auf ein Mal. Experten sprechen dann vom Massenaussterben, dem Verschwinden von vielen Arten in einem – geologisch gesehen – relativ kurzen Zeitraum von einigen zehn- bis hunderttausend Jahren.

Fünf Mal war das bislang der Fall. Der bisher letzte große Kahlschlag brachte vor rund 66 Millionen Jahren unter anderem den Dinosauriern den Tod. Insgesamt starben rund 70 Prozent der damals lebenden Tier- und Pflanzen aus. Nun scheint es laut Forschern der Universitäten Princeton, Stanford und Berkeley sowie der Universidad Nacional Autonoma de México wieder so weit zu sein.

Erschreckende Zahlen

Für ihre Analyse verglichen die Forscher um Gerardo Ceballos die tatsächlichen Aussterberaten von Wirbeltieren mit einer zuvor berechneten Rate für das sogenannte Hintergrundsterben. Als solches wird das normale Aussterben von Tieren bezeichnet. Je niedriger diese Rate definiert wird, desto dramatischer erscheinen im Vergleich dazu aktuelle Aussterberaten.

Das Ergebnis ist erschreckend, schreibt das Team im Fachjournal «Science Advances». Demnach erscheint der Wert für das natürliche Hintergrundsterben, verglichen mit der Anzahl der Wirbeltierarten, die in den letzten Jahren ausgestorben sind, verschwindend gering. So ist die durchschnittliche Artenschwund-Rate während des letzten Jahrhunderts bis zu 114-fach höher ausgefallen, als sie ohne menschliches Zutun zu erwarten gewesen wäre. In anderen Worten: Die Zahl der in diesem kurzen Zeitraum ausgestorbenen Arten wäre nach dem angenommenen Hintergrundsterben je nach Art erst innerhalb von 800 bis 10'000 Jahren erreicht gewesen, anstatt innerhalb von 100 Jahren.

Damit ist laut Ceballos und seinen Kollegen das sechste Massenaussterben bereits in vollem Gange. Schuld daran ist der Mensch, der neben der Klimaerwärmung auch die Umweltverschmutzung und das Abholzen von Wäldern zu verantworten hat. Aufhalten ließe sich das sechste Massensterben höchstens durch schnelle intensive Erhaltungsmassnahmen – vor allem für bereits bedrohte Arten. Ohne Gegensteuern werde es Millionen Jahre dauern, bis sich die Erde erhole.

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