Ittu'me inglisch'e: Das Matteänglisch soll wieder auferstehen
Aktualisiert

Ittu'me inglisch'eDas Matteänglisch soll wieder auferstehen

Um das legendäre Matteänglisch vor dem Aussterben zu bewahren, haben zwei Berner die Geheimsprache auf Papier gebracht. Mit einem Buch und einer CD soll dies jeder erlernen können.

von
Christian Holzer
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Mit ihrem Buch «Ittu'me inglisch'e Matteänglisch» wollen zwei Berner das legendäre Matteänglisch vor dem Aussterben bewahren. Hier eine kleine Kostprobe: Wörter in Matteänglisch, Mattebärndütsch und Schriftdeutsch.

Mit ihrem Buch «Ittu'me inglisch'e Matteänglisch» wollen zwei Berner das legendäre Matteänglisch vor dem Aussterben bewahren. Hier eine kleine Kostprobe: Wörter in Matteänglisch, Mattebärndütsch und Schriftdeutsch.

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Wörter wie Hegu (Messer), Chrüsch (Geld) oder tschepfe (schlendern) sind heute kaum noch geläufig. Geht es nach den Bernern Hans Markus Tschirren (67) und Peter Hafen (69) soll sich dies jedoch ändern. Die beiden Männer haben in einem Buch das legendäre Matteänglisch und das Mattebärndütsch festgehalten. Denn sie seien die letzten Hüter der Sprachen, sagt Hans Markus Tschirren: «Ich wünsche mir, dass in einigen Jahren möglichst viele noch wissen, wie in der Matte gesprochen wurde.»

Matteänglisch ist eine eigentliche Geheimsprache: Die von der Innenstadt abgeschottenen Mätteler hätten früher Matteänglisch gesprochen, damit Fremde, etwa Polizisten oder Handelspartner, sie nicht verstehen konnten, erklärt Peter Hafen.

Das letzte Buch über die legendäre Sprache sei vor 50 Jahren erschienen und heute nicht mehr erhältlich, sagt Tschirren: «Unser Buch ist nicht nur geschichtlich auf dem neusten Stand, sondern erhält sogar eine Audio-CD.» Mit dieser könne man die Sprache erlernen oder einfach dem Matteänglisch und dem Mattebärndütsch lauschen.

Geheimsprache und Dialekt

Aber Achtung: Matteänglisch und Mattebärndütsch seien zwei völlig verschiedene Dinge, stellt Peter Hafen, Präsident des Vereins Matteänglisch, klar: «Matteänglisch kann jeder lernen.» Es sei eine schematische Geheimsprache, bei der Buchstaben einzelner Wörter ausgetauscht würden. Jedes Wort finge mit einem I an und ende auf ein E. Hafen vergleicht die Sprache mit Grüfnisch, welche auch auf Lautverschiebung beruhe. So kling der Satz «Gehen wir baden in die Aare?» auf Matteänglisch dann so: «Imer'ge ige ije'be i d Iru'e?»

Aber auch dem Mattebärndütsch haben sich die Berner intensiv gewidmet. Dies sei jenes Berndeutsch, welches seit dem Mittelalter im Mattequartier gesprochen werde, schreiben die Autoren in ihrem Buch. Weil Mätteler nicht so wohlhabend waren wie die Einwohner der oberen Altstadt, benutzten sie derbere und gröbere Wörter. Der Kopf wurde etwa zum Gring und der Mund zur Schnurre.

Legat für nächste Generation

Ihr Buch soll jedoch nicht einfach nur ein Sprachlehrbuch sein, sondern die Leser auch unterhalten: «Neben zwei Rundgängen durch das Mattequartier enthält es auch viele Geschichten und Anekdoten», so Autor Hans Markus Tschirren. Das Buch sei nicht nur für Mätteler oder Berner gedacht, sondern für alle Schweizer oder auch Touristen.

Er hofft, mit dem Buch nicht nur Junge für die Sprache zu sensibilisieren, sondern sie möglichst auch dafür zu begeistern: «Ich wünsche mir, dass es einmal eine Matteänglisch-App gibt – doch darum muss sich die nächste Generation kümmern.»

Das Buch «Ittu'me inglisch'e Matteänglisch» erscheint im Werd-Verlag und ist seit dieser Woche für 29 Franken im Buchhandel erhältlich.

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