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Ligue-1-StartDas Meisterrennen als Duell zweier Superreicher

Paris St-Germain startet erneut als Favorit in die heute beginnende Ligue-1-Saison. Nur Aufsteiger Monaco scheint dank russischer Millionen mit dem Meister mithalten zu können.

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pre

Man könnte die Ligue-1-Saison 2013/2014 auf ein simples Duell zwischen einem russischen Oligarchen und einem katarischen Scheich reduzieren. Auf der einen Seite also Dimitri Rybolowlew, auf der anderen Tamim bin Hamada Al Thani. Die beiden schwerreichen Klubbesitzer liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des ausgabefreudigsten Klubbesitzers. Beide haben seit Beginn der Transferperiode schon über 100 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Rybolowlew lotste unter anderen Falcao, James Rodríguez und João Moutinho nach Monaco, PSG ergänzte sein bereits gut garniertes Kader mit Edinson Cavani. Dafür flossen 60 Millionen Euro nach Neapel.

Interesse sollen die beiden Klubs auch schon an Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney, Franck Ribéry und etlichen anderen Topspielern gehabt haben. Jeden Tag tauchte in den letzten Wochen ein neues Gerücht auf. Fans der anderen französischen Vereine versuchen das Ganze mit Humor zu nehmen. Auf Twitter schrieb einer: «Breaking News! PSG und Monaco sind an Lewis Hamilton interessiert - als Buschauffeur.»

Die Kaufwut der beiden Klubs hat etwas Groteskes, vor allem angesichts der Finanzlage der Ligakonkurrenten, die unter erhöhten Gebühren und Steuern sowie generell sinkenden Einnahmen leiden. Bei diesen ist Sparen angesagt. Nur Marseille und St-Etienne gaben nennenswerte Beträge für neue Spieler aus.

Sturmduo Cavani/Ibrahimovic

Selbst wenn Geld nicht alles ist, die Favoritenrolle gehört den Reichen. In diesem zu erwartenden Zweikampf dürfte Paris St-Germain einen Vorteil gegenüber Monaco haben. Der Meister hatte bereits letzte Saison eine funktionierende Mannschaft und hat diese nun punktuell verstärkt. Allerdings gibt es durchaus Konfliktpotenzial. Trainer Carlo Ancelotti und Sportchef Leonardo, die die meisten Stars in die Hauptstadt geholt hatten, sind weg.

Wie gut der neue Coach Laurent Blanc den innerhalb der Mannschaft sehr beliebten Ancelotti ersetzen kann, wird sich weisen. Und ob Cavani und Zlatan Ibrahimovic tatsächlich ein funktionierendes Sturmduo bilden können, ist eine der interessanteren Fragen. Der letztjährige Liga-Topskorer Ibrahimovic sagte schon mal vorsorglich: «Cavani wird sich anpassen müssen.»

Monaco mit 11 neuen Spielern

In Monaco hat man die Mannschaft nahezu aus dem Nichts innerhalb von einigen Wochen aufgebaut. Vor anderthalb Jahren stand der siebenfache Meister vor dem Konkurs, in der letzten Saison gelang unter Trainer Claudio Ranieri die Rückkehr in die Ligue 1. Seit dem Aufstieg wütet Rybolowlew auf dem Transfermarkt. 11 Spieler sind gekommen.

Mit einem Vermögen von über 10 Milliarden Franken, das er mehrheitlich im Dünger-Geschäft angehäuft hat, kann sich der 46-Jährige die Exzesse leisten. Offiziell beträgt das Budget für die kommende Saison 130 Millionen Euro, was aber doch ziemlich knapp bemessen scheint, selbst wenn man die steuerlichen Vorteile der Monegassen berücksichtigt. Paris St-Germain benötigt 400 Millionen Euro, um durch die nächsten zwölf Monate zu kommen.

Kann Marseille mihalten?

Die einzige Mannschaft, der im absoluten Idealfall zugetraut wird, mit den beiden Schwergewichten mitzuhalten, ist Olympique Marseille. Die Südfranzosen sind wie Monaco in russischem Besitz. Margarita Louis-Dreyfus, die 4,5 Milliarden Euro schwere Witwe des ehemaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus, geht allerdings einen anderen Weg. Nachdem ihr Ehemann mehr als eine Viertelmilliarde Franken in den Klub gesteckt hatte, ordnete sie einen Sparkurs an.

Dieser verlief in der letzten Saison äusserst erfolgreich. OM schrieb nicht nur Gewinn, sondern qualifizierte sich als Zweiter auch für die Champions League. Die Mannschaft wurde unter anderen mit dem Internationalen Dimitri Payet und Giannelli Imbula, dem besten Ligue-2-Spieler der vergangenen Spielzeit, verstärkt.

Lyon und Lille hoffen auf CL-Platz

Auf einen Platz in den Top 3 und damit auf die Millionen der Champions League schielen in erster Linie auch Lyon und Lille. Beide Mannschaften mussten in den letzten Wochen ihre Gehaltsmasse abbauen, nachdem sie in der letzten Saison Verluste im zweistelligen Millionenbereich geschrieben hatten. Weil zumindest mittelfristig die ersten beiden Ligue-1-Plätze reserviert scheinen, dürfte ein Verdrängungskampf zwischen Marseille, Lille und Lyon stattfinden. Ohne einigermassen regelmässige Einkünfte aus der Champions League werden diese Klubs Mühe haben, ihren Status zu halten.

Generell sind die französischen Klubs stark von einigen wenigen Einnahmeposten abhängig, in erster Linie von den TV-Geldern. Fast 60 Prozent der jeweiligen Budgets der Ligue-1-Vereine werden durch das Fernsehen gedeckt. Besserung könnten in den kommenden Jahren die neuen Stadien bringen, die im Hinblick auf die Euro 2016 gebaut wurden und werden. Marseille zieht im kommenden Sommer in das komplett renovierte Stade Vélodrome, Lyon Anfang 2016 in eine neue 58'000 Zuschauer fassende Arena. Der letztjährige Überraschungs-Vierte Nice spielt ab September in der Allianz Riviera, einer kleinen Kopie des Münchner Stadions.

Saison ohne Schweizer

Schweizer werden in dieser Ligue-1-Saison voraussichtlich keine prägende Rolle einnehmen. Noch vor einigen Jahren war ein halbes Dutzend Schweizer in Frankreich engagiert. Mittlerweile findet man keinen mehr, der Chancen auf regelmässige Einsätze hätte. Der 20-Jährige Genfer Jérémy Frick konnte mit dem Profikader von Lyon immerhin die Vorbereitung bestreiten. In der Goalie-Hierarchie befindet sich der Genfer U20-Internationale aber nur auf Platz vier.

Die 1. Runde der Ligue-1-Saison 2013/2014

Freitag, 9. August:

Montpellier - Paris St-Germain

Samstag, 10. August:

Guingamp - Marseille

Evian - Sochaux

Lille - Lorient

Valenciennes - Toulouse

Nantes - Bastia

Bordeaux - Monaco

Ajaccio - St-Etienne

Lyon - Nice

Rennes - Reims (pre/si)

Die Meister der letzten 10 Jahre

2013: Paris St-Germain

2012: Montpellier

2011: Lille

2010: Marseille

2009: Bordeaux

2008: Lyon

2007: Lyon

2006: Lyon

2005: Lyon

2004: Lyon

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