Home-RS fertig: «Das Militär-Feeling kam erst beim Packen»
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Home-RS fertig«Das Militär-Feeling kam erst beim Packen»

Für viele Rekruten begann heute die RS vor Ort. Ob das Selbststudium erfolgreich war, wird sich in einer Prüfung diese Woche zeigen. Die Bilanz der Homeoffice-Rekruten und mit welchem Gefühl sie heute einrückten.

von
Nathan Keusch
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Für rund 5000 Rekruten begann die RS nicht in der Kaserne, sondern im Homeoffice. 

Für rund 5000 Rekruten begann die RS nicht in der Kaserne, sondern im Homeoffice.

20 Min / Michael Scherrer
Die Rekruten hatten die Anweisung, sich via E-Learning-Tool Grundkenntnisse des Militärs und des militärischen Alltags anzueignen. Nach Aussagen von Rekruten sei das eher locker gewesen.

Die Rekruten hatten die Anweisung, sich via E-Learning-Tool Grundkenntnisse des Militärs und des militärischen Alltags anzueignen. Nach Aussagen von Rekruten sei das eher locker gewesen.

20 Min / Michael Scherrer
Sie müssen nun über die persönliche Waffe, ABC-Abwehr, Selbst- und Kameradenhilfe oder über das Dienstreglement der Armee Bescheid wissen. Die Rekruten bemängeln, dass die theoretische Ausbildung eher trocken war.

Sie müssen nun über die persönliche Waffe, ABC-Abwehr, Selbst- und Kameradenhilfe oder über das Dienstreglement der Armee Bescheid wissen. Die Rekruten bemängeln, dass die theoretische Ausbildung eher trocken war.

Franziska Rothenbuehler

Darum gehts

  • Rund 5000 Rekruten wechseln vom Homeoffice in die Kaserne.

  • Waffenkunde, ABC-Abwehr, Selbst- und Kameradenhilfe mussten sich die Rekruten selbst aneignen.

  • Wer die Prüfung diese Woche nicht besteht, muss an den Wochenenden die Module nachholen.

  • Die Armee hofft, dass sich eine RS im Homeoffice nicht wiederholen wird.

Die Rekrutenschule im Homeoffice ist vorbei und rund 5000 junge Männer und Frauen rücken am Montag in die Kasernen ein. Die Homeoffice-RS sei ziemlich locker gewesen, erzählt Markus (20). In der ersten Woche war das E-Learning-Tool LMS der Armee hoffnungslos überlastet gewesen. Doch: «Als das LMS dann funktioniert hat, war es auch gut und lehrreich», sagt er. «Aber nicht alle Themen waren spannend.» ABC-Training zum Beispiel sei besonders trocken gewesen.

Trotzdem habe er sich bemüht: «Schlussendlich bestraft man sich ja selbst, wenn man nicht gelernt hat.» Denn diese Woche gibt es eine Prüfung, bei der die Rekruten zeigen müssen, ob sie den Stoff beherrschen. «Wer nicht besteht, muss an den Wochenenden die Module nachholen.» Vielleicht müsse auch er nachsitzen, sagt Markus. Das sieht er aber locker: «Wir müssen die ersten paar Wochenenden sowieso in der Kaserne bleiben.»

Reglemente, Waffenkunde und Joggen

Auch Rekrut Sandro (19) hat keinen Bammel vor der Prüfung. «Der Test wird sicher nicht allzu schwer sein.» Für die einzelnen Lerneinheiten habe er oft nur die Hälfte der vorgegeben Zeit benötigt. Neben den Onlinemodulen gehörten jeweils auch hundertseitige Reglemente zum Stoff. Die habe er aber nur überflogen. «Das war wie eine Bedienungsanleitung einer Kaffeemaschine. Die liest ja auch niemand ganz durch.» Dazu sei der Stoff rein theoretisch gewesen. «Wie soll ich mir Waffenkunde ohne ein Gewehr aneignen?»

Sportlich sei er aber sicher gut vorbereitet, sagt Sandro. Die Rekruten wurden aufgefordert, wöchentlich mindestens vier Stunden Sport zu machen. «Die App des Militärs hat mir nicht so zugesagt, also habe ich mein eigenes Workout mit joggen, Ski fahren und Liegestützen durchgezogen.» Während der Home-RS haben sich weder Markus noch Sandro wirklich als Rekruten gefühlt. Sandro: «Das Feeling kam erst beim Packen in den letzten Tagen etwas auf.»

Sich im Homeoffice auf den Militäralltag einzustellen sei unmöglich, sagt der 24-jährige Clemens. «Man kann es sich so nicht vorstellen, wie es in der Armee wirklich ist.» Er hat die RS letztes Jahr abgeschlossen und übernimmt am Montag seine Gruppe als Wachtmeister. «Das An- und Abmelden vor dem Laptop zu lernen ist etwas ganz Anderes, als wenn dann wirklich ein Major vor dir steht», erklärt er. Während seine Rekruten daheim blieben, war Clemens bereits seit vier Wochen in der Kaserne und hatte einen verlängerten Kadervorkurs. «Ich freue mich jetzt richtig auf die Rekruten, schliesslich bin ich ja zum Führen und Ausbilden hier.» Ob diese gut vorbereitet sind, werde er in der ersten Woche schnell merken.

RS im Homeoffice soll sich nicht wiederholen

«Wichtig ist, dass die Rekruten am Ende der RS gut ausgebildet sind», sagt Armeesprecher Stefan Hofer. «Der Test in den kommenden Tagen wird zeigen, auf welchem Stand sie sind.» Falls sie zuhause zu wenig gelernt hätten, sei nun noch genug Zeit zum Nachschleifen vorhanden. «Die technischen Probleme der ersten Tage im Distance Learning konnten innert einer Woche behoben werden.» Hofer hofft, dass dieser Ausnahmefall eine einmalige Angelegenheit bleibt: «Die RS im Homeoffice war eine Sonderlösung, die von allen Beteiligten Flexibilität forderte.»

Rekrut Edin berichtet in der ersten Woche im Homeoffice vom überlasteten Online-Tool.

20 Minuten/Tunya Koch

Deine Meinung

58 Kommentare
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Stuhi

09.02.2021, 16:57

Das soll nochmal einer verstehen.

RDo

09.02.2021, 10:34

Ich hätte un der Home-RS nichts gemacht. Die zusätzlichen Ferien arbeiter man halt an den Wochenenden nach, man darf ja eh nicht nach hause. Und was ist, wenn die Prüfungen gar nicht bestanden werden? RS nicht bestanden? Ja, ich bin eine Frau und habe keine Ahnung...

Frank 1

09.02.2021, 10:22

Yeah, Gruppenkuscheln mit 5000 Leuten. Aber oweh man macht eine Geburtstagsparty mit 20 Leuten.