Rechtsstreit: Das Minarett des Anstosses steht
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RechtsstreitDas Minarett des Anstosses steht

Nach einem langen Streit ist das Minarett auf dem Dach des Türkischen Kulturvereins in Wangen bei Olten errichtet worden. Der Turm, der jahrelang für böses Blut sorgte, ist eher ein Türmchen.

Langsam aber sorgfältig schwebte der langjährige Stein des Anstosses ein. Der vorgefertigte Aufsatz wurde am Freitag per Kran auf das Dach gehievt und damit das langjährige Streitobjekt vollendet.

Das Minarett ist weiss und mit goldenen Kanten verziert. Sein Dach ist blau und zierlich. Der Turm, der jahrelang für böses Blut und erbitterte politische Auseinandersetzungen sorgte, ist eher ein Türmchen.

Rechtsstreit geht zu Ende

Die Errichtung beendet einen langen politischen und juristischen Streit. Das Solothurner Bau- und Justizdepartement verlängerte die Bewilligung im vergangen Jahr bis zum kommenden Frühling. Wangen hatte sich auf den Standpunkt gestellt, dass die Bewilligung im September 2007 ungenutzt abgelaufen war. Im Juli 2008 hatte der Kanton das Baugesuch verlängert.

Das Bundesgericht hatte im Juli 2007 die staatsrechtliche Beschwerde zweier Anwohner als unbegründet abgewiesen. Die Beschwerde hatte sich gegen das Bewilligungsverfahren des Solothurner Verwaltungsgerichtes gerichtet.

Einsprachen und Petition

Gegen den Umbau des islamischen Kultus- und Begegnungszentrums waren ursprünglich mehr als 70 Einsprachen eingereicht worden. Ein gegnerisches Komitee sammelte im Sommer 2006 für eine Petition rund 3500 Unterschriften.

In der Schweiz gibt es bislang drei Minarette, nämlich in Genf, Winterthur und Zürich. In Langenthal BE ist ein Gesuch hängig. Im September war als Teil einer Ausstellung auf dem Dach des Kunsthauses Langenthal ein «Minarett» installiert worden.

Polizei befürchtet keine Anschläge

Die Kantonspolizei Solothurn sieht dem Aufbau gelassen entgegen: «Wir gehen nicht davon aus, dass es Anschläge auf die Einrichtung geben wird», sagt Mediensprecher Peter Schluep. Das Interesse während der Aufbauarbeiten sei begrenzt gewesen. «Ausser zwei Pressefotografen ist niemand sonst gekommen», so Schluep. Ausschliessen könne man aber Vandalenakte nie, «deshalb behalten wir die Angelegenheit sicherlich im Auge.»

(sda/amc)

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