Boucher-Entlassung: Das Missverständnis ist beendet
Aktualisiert

Boucher-EntlassungDas Missverständnis ist beendet

Guy Boucher ist nicht mehr Trainer des SC Bern. Sein stures Festhalten am taktischen Korsett kostete den 44-jährigen Disziplinfanatiker den Job.

von
Peter Berger

Am 28. Januar 2014 hat Guy Boucher nur wenige Stunden nach der Landung in Zürich sein erstes Training beim SCB geleitet. Der Kanadier schrie – stets mit stechendem Blick – Anweisungen über das Eis und forderte Disziplin. Wer bei einem Pfiff nicht sofort zu ihm sprintete, musste Liegestützen machen. Die Verantwortlichen waren begeistert, nach der angeblich zu sehr auf Selbstverantwortung basierenden Ära unter Antti Törmänen herrschte wieder Disziplin. Genützt hat sie nichts. Der NHL-Coach verpasste mit dem Meister die Playoffs.

Diese Disziplin blieb unter Boucher bis zuletzt – und wurde ihm zum Verhängnis. Oft schien es, die Mannschaft sei im engen spielerischen Korsett des Kanadiers gefangen. Die taktischen Fesseln durften auch bei einem Rückstand nicht abgelegt werden. Geniestreiche eines Einzelnen sah man selten. Kampf und Disziplin waren angesagt.

Erinnert sei an dieser Stelle an die Playoff-Viertelfinals im Frühjahr gegen Lausanne. Taktisch hochstehend, sagten die einen, ein unansehnliches Geknorze sahen die anderen. Schliesslich hatte auch jene Saison mit einem sang- und klanglosen 0:4 im Halbfinal gegen Davos mit einer herben Enttäuschung geendet.

Stets korrekt, aber auch unnahbar und verbissen

Dann kam der Sommer und Bouchers Flirt mit einer Rückkehr in die NHL. CEO Marc Lüthi und Sportchef Sven Leuenberger beschwichtigten offiziell zwar immer, aber die Heftigkeit dürfte auch sie irritiert haben. Spätestens damals dürfte bei ihnen erstmals die Frage aufgekommen sein, ob Boucher der richtige Trainer für den SCB ist. Ein Trainer, der zwar stets korrekt auftrat, aber auch unnahbar und zuweilen verbissen wirkte.

Am 10. November verkündete Boucher den Verantwortlichen seinen Abgang aus familiären Gründen auf Ende Saison. Jetzt musste er sogar früher gehen. Denn der sportliche Erfolg ist ausgeblieben, das in Bern gewünschte Spektakel auf dem Eis ebenso. Das veranlasste den SCB dazu, das Missverständnis vorzeitig zu beenden.

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