Kaum Schutz: «Das mit den Masken ist wie mit dem WC-Papier»
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Kaum Schutz«Das mit den Masken ist wie mit dem WC-Papier»

In der Öffentlichkeit sind zunehmend Menschen mit Hygienemasken unterwegs. Schützen würden sie sich dabei nicht, sagt ein Apotheker.

von
B. Zanni
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Fachpersonen sind sich einig: Hygienemasken bieten keinen Eigenschutz.

Fachpersonen sind sich einig: Hygienemasken bieten keinen Eigenschutz.

Marizza
Doch je mehr der Bund vom Gebrauch der Masken abrät, desto öfter werden sie offenbar getragen. Während bei den Grossverteilern vor einigen Tagen noch kaum jemand mit einer Maske den Laden betrat, wagen sich Kunden zunehmend nur noch mit Hygienemasken hinein.

Doch je mehr der Bund vom Gebrauch der Masken abrät, desto öfter werden sie offenbar getragen. Während bei den Grossverteilern vor einigen Tagen noch kaum jemand mit einer Maske den Laden betrat, wagen sich Kunden zunehmend nur noch mit Hygienemasken hinein.

Keystone/Gaetan Bally
Auch das Schweizer Radio und Fernsehen verzichtet nicht darauf. «Wir drei hier an diesem Tisch sind die Einzigen in diesem Studio, die im Moment keinen Mundschutz tragen. Hier geht also auch Sicherheit vor», liess Moderator Mario Grossniklaus in der Sondersendung zum Corona-Stillstand vom Donnerstagabend wissen.

Auch das Schweizer Radio und Fernsehen verzichtet nicht darauf. «Wir drei hier an diesem Tisch sind die Einzigen in diesem Studio, die im Moment keinen Mundschutz tragen. Hier geht also auch Sicherheit vor», liess Moderator Mario Grossniklaus in der Sondersendung zum Corona-Stillstand vom Donnerstagabend wissen.

Screenshot/SRF

Daniel Koch wiederholte es unermüdlich: Masken nützten sehr wenig, um sich gegen das Coronavirus zu schützen, sagte der Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) beinahe an jeder Medienkonferenz und in jedem Interview (siehe Box).

Doch je mehr der Bund vom Gebrauch der Masken abrät, desto öfters werden sie offenbar getragen. Während bei den Grossverteilern vor einigen Tagen noch kaum jemand mit einer Maske den Laden betrat, wagen sich Kunden nun zunehmend nur noch mit Hygienemasken hinein. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Zug.

«Es verhält sich wie mit dem WC-Papier»

Auch das Schweizer Radio und Fernsehen verzichtet nicht darauf. «Wir drei hier an diesem Tisch sind die Einzigen in diesem Studio, die im Moment keinen Mundschutz tragen. Hier geht also auch Sicherheit vor», liess Moderator Mario Grossniklaus in der Sondersendung zum Corona-Stillstand vom Donnerstagabend wissen. Das sorgt für Verunsicherung. «Hättest du eine Maske, könntest du einkaufen gehen, statt auf deine Migros-Lieferung zu warten», wirft etwa ein Twitterer jemandem vor.

«Es verhält sich wie mit dem WC-Papier. Weil jetzt viele Leute mit Masken einkaufen gehen, glauben viele zu Unrecht, sie müssten es nachmachen. Man wünscht sich, die Leute würden einander wenigstens das Richtige nachmachen», sagt Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft und Arzt im Kanton Zürich.

«Eine Illusion»

Auch Patrik Bolliger, Inhaber der Bahnhof-Apotheke Schaffhausen, stellt klar: «Die Leute, die jetzt mit Hygieneschutzmasken einkaufen gehen, sitzen einer Illusion auf. Mit Hygieneschutzmasken schützt man sich selber vor einer Ansteckung kaum. Sie haben einen furchtbar kleinen Nutzen.» Dazu könne man sich ohnehin über die Augen, die ja nicht geschützt würden, anstecken. Auch die «Luxus-Variante», die FFP-Masken, die vom medizinischen Personal getragen werden, garantieren laut Bolliger keinen 100-prozentigen Eigenschutz.

Die Masken dienen laut dem Apotheker dem Fremdschutz. «Wir in der Apotheke zum Beispiel tragen Masken, weil wir viele verschiedene Kunden bedienen und diese nicht anstecken wollen.»

«Wir haben alles versucht»

Bolliger verfügt in seiner Apotheke für sein Personal noch über rund 50 Masken. «50 Masken für ein 20-köpfiges Team sind wenig, wenn man bedenkt, dass die Masken alle zwei Stunden gewechselt werden müssen.» Die Apotheke müsse mit den Masken sehr sparsam umgehen. «Auf dem seriösen Markt bekommt man keine Masken mehr, schon gar nicht FFP-Masken. Wir haben alles versucht.» Bolligers Appell lautet deshalb: «Die Masken soll man denjenigen Leuten überlassen, die sie wirklich brauchen. Das Material ist wirklich für das medizinische Personal reserviert.»

Auch Josef Widler sagt: «Wer Masken trägt, verschwendet Material, das die Medizin in der nächsten oder übernächsten Woche braucht.» Solange einem beim Einkaufen niemand ins Gesicht huste und man die Abstandsregel einhalte, passiere nichts.

Hoffnung in Sicht

Auch Daniel Koch warnte bereits mehrmals vor einem unvernünftigen Konsum. Wenn dem Personal die Masken ausgingen, werde es Tote zu beklagen geben, sagt er an einer Medienkonferenz.

Es ist aber auch Hoffnung in Sicht. «Durchbruch gelungen, Brüssel weist EU-Länder an, Exporte von Schutzmaterial in die CH/EFTA nicht mehr zu blockieren!», twitterte Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP) am Freitag. Zuvor war für das Schweizer Pflegepersonal wiederholt bestimmte Schutzausrüstung in Deutschland blockiert worden.

Empfehlungen des BAG

Das BAG stellt auf seiner Website unter den häufig gestellten Fragen klar: «Nein, gesunde Personen sollen in der Öffentlichkeit keine Hygienemasken tragen (chirurgische Masken, OP-Masken).» Diese schützten eine gesunde Person nicht effektiv vor einer Ansteckung mit Viren der Atemwege (Eigenschutz). Das Tragen einer Maske könne deshalb ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen.

Masken empfiehlt das BAG Kranken und Personen, die den Mindestabstand zu ihnen nicht einhalten können.

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