Pro-Wrestling: Das Monster ist zurück
Aktualisiert

Pro-WrestlingDas Monster ist zurück

Der Zirkus hat seinen Lieblingsredneck wieder: Brock Lesnar ist nach seinem Rücktritt vom Mixed-Martial-Arts zum Wrestling zurückgekehrt. Und revolutioniert damit das Business.

von
Niklaus Riegg

Im Käfig hat Brock Lesnar bewiesen, dass er einer der härtesten Typen der Welt ist: Beim Mixed-Martial-Arts (MMA) Marktführer UFC holte das 120-Kilogramm-Monster am 15. November 2008 in seinem vierten MMA-Kampf überhaupt den Schwergewichtstitel. Und noch viel wichtiger: Er bescherte der Liga noch nie dagewesene Einnahmen. Lesnar hievte innert weniger Monate den Kampfsport auf ein neues Level, in dem er dazu beitrug, ihn bei der breiten Masse bekannt zu machen.

MMA-Karriere

Dies ist umso erstaunlicher, als Lesnar von den MMA-Fans zu Beginn kaum Kredit genoss. Auch wenn er in seiner Jugend einer der besten Amateur-Ringer des Landes war, kannte man ihn in erster Linie vom Pro-Wrestling. Und dieses ist unter den beinharten Fight-Fans natürlich als falsch, vorhersehbar und weich verschrien. Nur wenige trauten Lesnar zu, sich im Käfig durchbeissen und durchsetzen zu können als er Mitte 2007 zum ersten Mal einen MMA-Kampf bestritt. Um so grösser war das Erstaunen als Lesnar mit Frank Mir, Randy Couture und vor allem Shane Carwin innerhalb von zwei Jahren drei Grössen des Sports diskussionslos besiegte. Doch nach einer Dickdarmerkrankung, zwei verlorenen Kämpfen und Millionen von verdienten Dollars musste Lesnar Anfang 2012 die MMA-Karriere an den Nagel hängen.

Erstaunlicherweise hat sich Brock jetzt nicht auf seine Farm in South Dakota zurückgezogen, wo er das Leben eines Rednecks führt: «Trainieren, schlafen, Familie und kämpfen. Das ist mein Leben», so Lesnar in einem Interview. Wie es sich für einen Redneck gehört, jagt er gerne: Im Dezember 2011 wurde er wegen Wilderei gebüsst. Nein, Lesnar kehrt zurück in den Ring – in den Wrestlingring. Und auch wenn das Business von den Comebacks – meist abgehalfterter – Altstars lebt, hat das Lesnar-Comeback eine ganz andere Dimension. Er ist erst 34 (das ist kein Alter für einen Pro-Wrestler: Ein Rick Flair steht auch noch mit 63 Jahren noch im Ring) und er ist vor allem ein legitimer Fighter. Und damit bringt er dem Wrestling-Weltmarktführer WWE das zurück, was die letzten Jahre gefehlt hat: Nervenkitzel und so etwas wie Glaubwürdigkeit. Seit mehreren Jahren dümpeln die Zuschauerzahlen des WWE-Flagschiffs «Raw» bei der Drei-Millionen-Marke. Das ist immer noch eine stolze Zahl, doch von den fünf Millionen, die man noch zur Jahrtausendwende hatte, ist man meilenweit entfernt.

Neuer Wrestling-Boom?

Es ist gut möglich, dass die Rückkehr von Lesnar einen neuen Wrestling-Boom auslöst: Als er in der Nacht auf Dienstag bei «Raw» auftauchte – und dort das WWE-Aushängeschild John Cena attakierte – bezogen sich fünf der zehn weltweit am meisten getwitterten Begriffe auf Brock. Und der Auftritt bleibt keine einmalige Angelegenheit: Laut dem Branchennewsletter PWInsider hat Lesnar sich Lesnar für ein Jahr verpflichtet und soll zwei Mal pro Monat am TV zu sehen sein. Auf einmal sind in den USA also wieder alle Augen auf Wrestling gerichtet.

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