Frappante Parallelen: Das Motorboot-Drama vom Zürichsee
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Frappante ParallelenDas Motorboot-Drama vom Zürichsee

Vor 17 Jahren rammte auf dem Zürichsee ein Motorboot ein Gummiboot. Eine Frau kam ums Leben. Die Parallelen zum Bielersee-Fall sind frappant.

von
meg

«Der verzweifelte Sprung ins Wasser wird der 29-jährigen Frau zum Verhängnis. Sie gerät in die Schrauben des zweimotorigen Schiffs und wird buchstäblich zerfetzt.» Diese Zeilen schreibt der «Blick» am 28. März 1993, nachdem es auf dem Zürichsee zu einem Bootsdrama gekommen ist, das erschreckende Parallelen zum Bielersee-Fall zeigt. Auch im März 1993 stieg ein Pärchen in ein Gummiboot und liess sich im See treiben, als plötzlich ein Motorboot direkt auf sie zurast. «Sie rufen, fuchteln warnend mit den Armen - keine Reaktion», schreibt der Reporter. Dann springen die beiden ins Wasser. Die Frau wird von der Schiffsschraube erfasst und schwer verletzt. Der 31-jährige Freund kann die Frau noch ins Boot ziehen und zum Ufer rudern. Sie wird ins Zürcher Triemlispital gebracht, wo sie stirbt. Die beiden standen kurz vor der Heirat. Der Bootsfahrer und seine Begleiterin fuhren einfach weiter.

Das Drama auf dem Zürichsee konnte geklärt werden. Der Bootsbesitzer und seine Frau wurden noch in der gleichen Nacht gefunden. Sie geben zu Protokoll, den Unfall nicht bemerkt zu haben. Der Unfall ereignete sich um circa 22.30 Uhr als es schon dunkel war. Der Staatsanwalt wollte es genau wissen und den Fall rekonstruieren. Es sollte herausgefunden werden, ob es tatsächlich möglich ist, dass ein Überfahren einer Person unbemerkt bleiben könnte. «Dazu wurden Teile eines Tierkadavers verwendet, die mit verschiedenen Geschwindigkeiten überfahren wurden», sagt Heinz Widrig, der als Staatsanwalt den Fall untersuchte, im aktuellen «Blick». Widrigs Erkenntnis aus dem Experiment: «Meiner Meinung nach hätte er wohl auch die Kollision bemerken müssen.»

Zu einer Anklage kam es nicht, weil der Motorboot-Fahrer zuvor verstarb. Der Strafantrag lautete auf 12 Monate Gefängnis bedingt.

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