Aktualisiert 13.06.2016 09:34

Reise-Knigge

Das müssen Sie als Touristin im Iran beachten

Seit sich der Iran dem Westen öffnet, steht das Land bei vielen Weltenbummlern auf der Must-See-Liste. Ein Experte erklärt, was Frauen beachten müssen.

von
C. Steiner
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Für Frauen gelten im Iran Kleidervorschriften, und es gibt eine strikte Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, auf den warten kulturelle Schätze und traumhafte Landschaften.

Für Frauen gelten im Iran Kleidervorschriften, und es gibt eine strikte Geschlechtertrennung im öffentlichen Raum. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, auf den warten kulturelle Schätze und traumhafte Landschaften.

AP/Ebrahim Noroozi
Iran-Reisende erwartet Vielfalt in jeder Hinsicht. Die beeindruckende persische Zivilisationsgeschichte, die weit über die europäische hinausgeht, wird zum Beispiel in der altpersischen Residenzstadt  Persepolis lebendig.

Iran-Reisende erwartet Vielfalt in jeder Hinsicht. Die beeindruckende persische Zivilisationsgeschichte, die weit über die europäische hinausgeht, wird zum Beispiel in der altpersischen Residenzstadt Persepolis lebendig.

Wiki Commons
Wunderschöne Zeugnisse islamischer Architektur lassen sich unter anderem in Isfahan bewundern.

Wunderschöne Zeugnisse islamischer Architektur lassen sich unter anderem in Isfahan bewundern.

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Der Iran bietet unermessliche Kulturschätze und wunderschöne Landschaften. Trotzdem war das ehemalige Persien aufgrund der politischen Lage lange keine Traumdestination. Das hat sich geändert, seit 2013 der moderate Kleriker Hassan Ruhani zum Präsidenten gewählt wurde. Das Land öffnet sich – auch westlichen Touristen gegenüber.

Der deutsche Nahostexperte Christoph Dinkelaker bietet mit Alsharq seit 2009 Studienreisen in Länder des Nahen Ostens an, auch in den Iran. Das Interesse an den Reisen ist riesig. Auch bei Frauen. Wir haben Dinkelaker und die Alsharq-Mitarbeiterin und Islam-Wissenschaftlerin Laura Overmeyer um Tipps gebeten, wie sich Touristinnen im Iran richtig verhalten.

Kann ich als Frau allein reisen?

Ja, es gibt jedoch Einschränkungen. Im öffentlichen Raum wird teilweise Geschlechtertrennung praktiziert. Zudem sind bestimmte Dinge verboten: Beispielsweise dürfen Frauen in der Öffentlichkeit nicht tanzen oder singen.

Wie streng sind die Kleidervorschriften?

Im wohlhabenden Norden Teherans sitzt das Kopftuch bei vielen Frauen nur noch am Hinterkopf, während Frauen in religiösen Städten meist einen schwarzen Ganzkörper-Umhang (Tschador) tragen. Generell sollten Frauen folgende Kleidung tragen: Kopftuch, lange Hose und ein weites Oberteil, das den Po und mindestens die Hälfte der Oberschenkel bedeckt. Zudem sollten Frauen keine grellen Farben wählen und das Décolleté bedecken.

Wann muss ich mich vollständig verhüllen?

An besonders religiösen Orten muss der Tschador getragen werden. Dieser wird vor Ort bereitgestellt. Aber: Man darf keine Angst haben. Es ist ganz normal, dass das Kopftuch mal verrutscht. Iranerinnen passiert das auch. Die Sittenpolizei ist weder überall präsent, noch ahndet sie kurze, unbewusste Vergehen.

Können die Kleidervorschriften belastend sein?

Frauen sollten sich vor der Reise klarmachen, ob diese sie einschränken könnten – sowohl physisch als auch mental. Immer wieder erleben wir auf unseren Trips, dass Frauen die Kleidungsvorschriften als Form von Unterdrückung wahrnehmen und sich deshalb im Land unwohl fühlen.

Darf ich mir als Ausländerin eher einen Fehler erlauben?

Als Touristin hat eine Frau einen Sonderstatus in Iran. Über die bewusste oder unbewusste Missachtung von Konventionen wird eher hinweggesehen. Aber sie sollte ihn nicht über die Massen ausnutzen.

Was gilt es beim Kontakt mit Männern zu beachten?

Körperkontakt in der Öffentlichkeit ist tabu. Im privaten Bereich kann der Umgang ungezwungener sein. Frauen sollten aber auch hier zurückhaltend agieren.

Gibt es kulturelle Codes, auf die man vorbereitet sein sollte?

Respekt vor lokalen Gepflogenheiten ist im Iran wichtig. Die Kommunikationskultur ist von Höflichkeitsritualen geprägt. So bestehen Ladenverkäufer oft darauf, dass man nicht bezahlen muss. Das sind Höflichkeitsrituale und es wird durchaus erwartet, dass man bezahlt. Gleichzeitig sind Iraner sehr neugierig! Also nicht wundern, wenn man im Bus von einer fremden Person über Alter und Familienstand ausgefragt wird. Das heisst nicht notwendigerweise, dass die Person für den Geheimdienst arbeitet.

Was sind absolute No-Gos?

Zu meinen, dass man die Iranerinnen in irgendeiner Weise «retten» oder «missionieren» sollte. Dann natürlich generelle Respektlosigkeit gegenüber der iranischen Kultur und der Religion. Und: Niemals die Nase in der Öffentlichkeit putzen!

Alle Infos zu den Studienreisen in den Iran finden Sie auf alsharq-reise.de.

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