Abgas-Skandal: Das müssen Sie jetzt als VW-Besitzer wissen
Aktualisiert

Abgas-SkandalDas müssen Sie jetzt als VW-Besitzer wissen

Plötzlich gibt es bei VW auch Ärger mit Benzin-Autos und deren CO2-Ausstoss. Was bedeutet diese Ausweitung des Skandals? Die drängendsten Antworten.

von
kwo

Was genau ist passiert?

VW hatt am Dienstagabend eingeräumt, dass auch die CO2-Werte bei rund 800'000 Fahrzeugen höher liegen als angegeben. Damit hat Europas grösster Autokonzern in der Abgasaffäre eine neue milliardenschwere Baustelle. Bisher ging es in dem Skandal um Stickoxid und betroffen waren ausschliesslich Dieselmotoren. Erstmals trifft es nun auch Benziner. Der Abgas-Skandal erreicht damit eine neue Dimension.

Welche Fahrzeugmodelle sind betroffen?

Es gehe um Autos der Typen Polo, Golf und Passat, sagte ein VW-Sprecher. Bei der VW-Tochter Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen. Bei Skoda gehe es um den Octavia und bei Seat um den Leon und den Ibiza. Betroffen sind Benziner und Dieselmotoren.

Wie reagiert die Aktie?

Nach Bekanntwerden der neuen Unregelmässigkeiten bei VW ist der Aktienkurs eingebrochen. Der Wert des Papiers sank an der Börse in Frankfurt zum Handelsstart am Mittwochmorgen um fast neun Prozent und erholte sich bis am am frühen Nachmittag nicht.

Sind Kunden in der Schweiz betroffen?

Ob auch Fahrzeuge in der Schweiz betroffen sind, sei noch unklar, sagte die Amag Automobil- und Motoren AG am Dienstagabend.

Muss ich meinen betroffenen VW umrüsten lassen?

Die neuen Unregelmässigkeiten erfordern laut VW keine Umrüstungen der Fahrzeuge. Es müssen aber höhere Werte bei CO2-Ausstoss angegeben werden. Damit könnte der tatsächliche Spritverbrauch von hunderttausenden Fahrzeugen höher liegen, als deren Besitzer bisher annahmen. In dem Zusammenhang könnten sich Kunden Kosten erstatten lassen, schreibt Volkswagen. Der Konzernvorstand werde demnach «unverzüglich» mit den zuständigen Zulassungsbehörden über die Konsequenzen beraten.

Was sind mögliche Folgen?

In einer Medienmitteilung schrieb VW: «Die Sicherheit der Fahrzeuge ist in keinem Fall betroffen.» Allerdings könnte die Ausweitung des Skandals den deutschen Autobauer teuer zu stehen kommen. Laut eigener Schätzung des Konzerns belaufen sich die möglichen finanziellen Verluste auf etwa zwei Milliarden Euro (umgerechnet etwa 2,17 Milliarden Schweizer Franken).

Was sagt der Konsumentenschutz?

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Stiftung für Konsumentenschutz, fordert, dass VW so rasch als möglich umfassend informiert. Ihre Organisation wird den Betroffenen ausserdem helfen, zu ihrem Recht zu kommen. Will heissen: VW sollte bei den betroffenen Autos so schnell wie möglich die notwendigen Umrüstungsmassnahmen gratis vornehmen. Ausserdem fordert Stalder, dass Kunden, die ihr Auto nun nicht mehr möchten, dieses beim Unternehmen gegen Rückerstattung des Kaufpreises oder im Tausch gegen ein anderes Auto zurückgeben können.

Was sagt der neue VW-Chef?

Er habe sich von Anfang an dafür eingesetzt, die Geschehnisse schonungslos und vollständig aufzuklären, sagte der seit Ende September amtierende VW-Chef Matthias Müller am Dienstagabend. «Dabei machen wir vor nichts und niemandem halt. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative.» Es zähle einzig die Wahrheit, wobei dies die Voraussetzung für die grundlegende Neuausrichtung des Konzerns sei.

Könnte der Skandal Müllers Kopf kosten?

Im Moment ist es noch zu früh, um dies abzuschätzen. Fakt ist: Auch wenn Müller nichts von den Manipulationen wusste, muss das nicht heissen, dass er im Amt bleiben kann. Auch Ex-VW-Chef Martin Winterkorn beteuert nach wie vor, von der Manipulationssoftware nichts gewusst zu haben.

Welche Rolle spielt die US-Umweltbehörde EPA?

Dass VW mittels einer Software bei den Abgaswerten von Dieselfahrzeugen betrogen hat, wurde von der US-Umweltbehörde EPA im September aufgedeckt. Diesen Montag erhob die EPA neue Vorwürfe gegen VW und erklärte, dass auch grössere Motoren als bislang bekannt mit einer Schummelsoftware ausgestattet seien. VW wies dies Vorwürfe laut «Spiegel» aber zurück. Die Veröffentlichung von VW vom Dienstagabend zu den manipulierten CO2-Werten hat aber nichts mit den Vorwürfen der EPA vom Montag zu tun. «Bei internen Untersuchungen ist festgestellt worden, dass es bei der Bestimmung des CO2-Wertes für die Typ-Zulassung von Fahrzeugen zu nicht erklärbaren Werten gekommen ist», hiess es in einer Mitteilung des Autobauers.

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