Heftige Unwetter: Das müssen Sie über das Schweizer Wetter wissen

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Heftige UnwetterDas müssen Sie über das Schweizer Wetter wissen

Der diesjährige Juni hat es in sich. Immer wieder heisst es vielerorts Land unter. Der Anfang vom Ende ist das jedoch noch nicht.

von
F. Riebeling
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Mehrere Bahnstrecken, vor allem in der Ostschweiz, sind derzeit unterbrochen.

Mehrere Bahnstrecken, vor allem in der Ostschweiz, sind derzeit unterbrochen.

Die Gemeinde Kradolf im Kanton Thurgau ist von den Fluten besonders stark betroffen. Für diese vier Autos kam jede Hilfe zu spät, sie wurden weggeschwemmt.

Die Gemeinde Kradolf im Kanton Thurgau ist von den Fluten besonders stark betroffen. Für diese vier Autos kam jede Hilfe zu spät, sie wurden weggeschwemmt.

Leser-Reporter
Eine Garage in Kradolf im Kanton Thurgau steht unter Wasser, nachdem der kleine Bach im Dorf übers das Ufer getreten ist.

Eine Garage in Kradolf im Kanton Thurgau steht unter Wasser, nachdem der kleine Bach im Dorf übers das Ufer getreten ist.

Leser-Reporter

Wird das Wetter immer schlimmer?

In den letzten 30 Jahren hat die Anzahl solcher Extremereignisse laut Klimaforschern um Olivia Romppainen-Martius von der Universität Bern tatsächlich zugenommen. Es gibt mehr starke Stürme, mehr heftige Niederschläge und schlimmere Überschwemmungen. Fanden Letztere früher vor allem zwischen Juni und September statt, treten Hochwasser laut Umwelthistoriker Christian Pfister seit den 90er-Jahren immer häufiger bereits im Mai auf. Zudem sind die Sommermonate heute wärmer und feuchter als noch vor einigen Jahrzehnten.

Hinzu kommt, dass persönliche Erfahrungen mit dem schlechten Wetter (z. B. Dauerregen pünktlich zum Sommerferienanfang) solche Ereignisse bewusster machen. Auch der schnellere Informationsfluss durch Onlinemedien und soziale Medien trägt seinen Teil dazu bei.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf solche Extremereignisse?

Durch den Klimawandel beschleunigt sich laut Klimaforscher Andreas Fischlin von der ETH Zürich der globale Wasserkreislauf. Das führt einerseits zu deutlicheren Trockenperioden, andererseits zu deutlich mehr und intensiveren Starkniederschlägen. Zudem soll es im Winter mehr Niederschlag geben, was Auswirkungen auf die Abflüsse habe. Als Folge dieser Entwicklung dürften sich Hochwasserereignisse weiter häufen.

Welche Rolle spielt die zunehmende Überbauung der Schweiz?

Sie kann laut Dörte Aller, Mitglied der Nationalen Plattform Naturgefahren (Planat), zum Hochwasserproblem beitragen. Jedoch: Bei hohen Niederschlagsintensitäten ist auch der aufnahmefähigste Boden nicht in der Lage, so viel Wasser in kurzer Zeit aufzunehmen. Auch vorangehende Regenfälle können den Boden schon gesättigt haben. Das Wasser fliesst in beiden Fällen oberflächig ab – in Form von Überschwemmungen.

Sind falsch gebaute Häuser schuld an einer Zunahme der Schäden?

Heute werden die Unter- und Erdgeschosse viel intensiver genutzt als früher und es ging früher eher zwei, drei Treppenstufen in ein Gebäude hinauf oder das Gefälle fiel vom Gebäude ab, so Aller. Das habe einen gewissen Grundschutz dargestellt. Heute hingegen sei die Bauweise empfindlicher. Es wird eher bodeneben gebaut und in diesen Fällen wird nicht immer darauf geachtet, dass das Gefälle vom Gebäude abfällt. Wenn es dann stärker regnet und die Entwässerung überlastet ist, führt eine kurze Wasseransammlung bei dieser Bauweise eher mal zu Schäden. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht.

Können bauliche Massnahmen helfen, die Schäden gering zu halten?

Gebäudeschutz bezüglich überbordender Gewässer ist eine Verbundaufgabe: Der Staat bietet einen Grundschutz, wenn dies mit verhältnismässigen Massnahmen machbar ist. Beispiele sind Rückhaltebecken, Gewässeraufweitungen oder Dämme. Ein 100-prozentiger Schutz ist nicht verhältnismässig. Der Eigentümer kann durch eine angepasste Bauweise ein höheres Schutzniveau erreichen. Insbesondere beim frühzeitigen Einbezug in der Planung eines Gebäudes kann dieser Schutz nahezu ohne zusätzliche Kosten erreicht werden.

Werden die Kosten für Unwetterschäden künftig explodieren?

Laut Versicherungsexperten der Axa Winterthur und der Mobiliar ist in den letzten zehn Jahren punkto Schadenanzahl und –summe kein derartiger Trend erkennbar. Zwar wird die Schweiz immer stärker besiedelt und die Infrastruktur immer teurer, doch wenn zunehmend mehr präventive Massnahmen ergriffen werden, fällt das nicht ins Gewicht.

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