03.11.2014 15:37

Fragen und AntwortenDas müssen Sie über die Gold-Initiative wissen

Bald stimmt das Volk über die Goldinitiative ab. Was erhoffen sich die Initianten? Warum ist die Nationalbank massiv dagegen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

von
Laura Frommberg

Was verlangt die Gold-Initiative?

Die Goldinitiative verlangt, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) bis in fünf Jahren mindestens 20 Prozent ihres Vermögens – momentan sind das mehr als 500 Milliarden Franken – in Gold hält. Dieses soll in der Schweiz gelagert werden und darf nicht verkauft werden.

Wie sieht die Situation heute aus?

Heute hält die SNB weniger als 8 Prozent ihrer Aktiven in Gold und sie handelt je nach Marktlage auch mit dem Edelmetall. Sie müsste rund 1500 Tonnen Gold kaufen, um auf die 20 Prozent zu kommen. Auch bei der Lagerung müsste sich einiges ändern. 30 Prozent ihrer Goldreserven bunkert die SNB in Grossbritannien und Kanada.

Welches sind die Argumente der Initianten?

Die Initiative «Rettet unser Schweizer Gold» kommt von den SVP-Nationalräten Lukas Reimann und Luzi Stamm. Sie wollen die Schweiz gegen internationale Krisen sichern. «Im Notfall erhalten wir unser Gold vom Ausland nie zurück», glauben sie. Ausserdem wolle man die Unabhängigkeit sichern. Gold werde immer Gold wert sein, so Stamm. «Was mit Papierwährungen überschuldeter Staaten geschieht, weiss kein Mensch.»

Was hält die SNB von der Initiative?

Die SNB verzichtet normalerweise auf politische Statements, macht aber bei der Goldinitiative eine Ausnahme. «Es wäre unverantwortlich, wenn die SNB zu einem Vorstoss, der sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben so stark einschränkt, keine Stellung beziehen würde», erklärt sie. Darin stellt sie sich klar gegen die Initiative. Die Aufgabe des Instituts sei es, Preisstabilität und Konjunktur der Schweiz zu schützen. «Die Goldinitiative würde die Möglichkeit der SNB, dieses verfassungsmässige und gesetzliche Mandat wahrzunehmen, massiv beschneiden», so die SNB. Ein grosses Problem hat sie auch mit dem ewigen Verkaufsverbot. «Schliesslich besteht der Sinn und Zweck von Währungsreserven gerade darin, dass diese für ein Land im Bedarfsfall rasch und ohne Einschränkungen verfügbar sind.» Wenn Gold unverkäuflich sei, stelle sich die Frage, ob man es überhaupt noch zu den Währungsreserven zählen könne.

Wie würde sich der Goldpreis entwickeln?

Die Analysten der britischen Bank Barclays gehen davon aus, dass ein Ja zur Initiative langfristig für einen höheren Goldpreis sorgen dürfte. Denn: Um innerhalb von fünf Jahren die 20 Prozent zu erreichen, müsste die SNB 1500 Tonnen Gold kaufen. Zum Vergleich: 2013 wurden weltweit knapp 2800 Tonnen Gold gefördert. Jährlich würde die Nationalbank also 10 Prozent des weltweit geförderten Goldes aufkaufen und so den Markt beeinflussen.

Und was ist mit dem Franken?

Der von der SNB selbstauferlegte Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro steht bei Annahme der Initiative auf dem Spiel. «Diesen zu halten, wäre praktisch unmöglich», sagt etwa Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Momentan kann die SNB den Frankenkurs durch gezielte Käufe von Euro in Schach halten. In Zukunft wäre eine Aufstockung mit Euro auch mit dem Kauf von Gold verbunden. Laut Barclays folgt daraus eine geringere politische Flexibilität der SNB.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Initiative angenommen wird?

Laut einer gewichteten Umfrage von 20 Minuten liegen die Befürworter leicht vorn. Laut der Online-Umfrage, die am 15. Oktober durchgeführt wurde, beträgt die Zustimmung 45 Prozent – 39 Prozent der Befragten lehnen die Initiative zurzeit ab. Laut der ersten SRG-Umfrage sieht es ähnlich aus. 44 Prozent der Befragten sind «bestimmt» oder «eher» für die Goldinitiative und 39 Prozent dagegen.

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