Blogger über Hildebrand: «Das muss die langweiligste Ehe sein»

Aktualisiert

Blogger über Hildebrand«Das muss die langweiligste Ehe sein»

Die internationale Finanzwelt betrachtet den Wirbel um die Dollargeschäfte der Hildebrands mehr als Kuriosum denn als ernsthaftes Problem. Gelassenheit dominiert auch auf den Märkten.

von
Balz Bruppacher
SNB-Präsident Philippe Hildebrand erklärt sich in Zürich vor versammelter Medienschar. Die Finanzwelt bleibt gelassen.

SNB-Präsident Philippe Hildebrand erklärt sich in Zürich vor versammelter Medienschar. Die Finanzwelt bleibt gelassen.

Bankratspräsident Hansueli Raggenbass sagte gestern, er habe den Eindruck, die Glaubwürdigkeit der Nationalbank habe wegen der Vorwürfe gegen den Präsidenten bisher nicht stark gelitten. Zumindest das Echo in ausländischen Medien und in den englischsprachigen Finanzblogs scheint ihm Recht zu geben.

«Möglicherweise der kurioseste Angriff auf einen Zentralbanker in jüngerer Zeit?», hiess es im Blog FT Alphaville der «Financial Times» diese Woche unter dem auf Deutsch geschriebenen Titel «Privatkonto Frau Hildebrand». Der Blogger verwies auf den Kontrast zu den Wolken über der ungarischen Zentralbank und der Phobie gegen die US-Notenbank in den USA.

Kashya Hildebrand zur Devisenhändlerin des Tages gekürt

Die Stellungnahme gegenüber dem TV-Magazin «10vor10» trug Kashya Hildebrand im gleichen Blog auch den Titel «FX trader du jour» (Devisenhändlerin des Tages) ein. Herausgehoben wurde ihre Aussage, wonach der Dollar «fast lächerlich billig» war, als sie am vergangenen 15. August eine halbe Million gekauft hatte. Sarkastische Kommentare folgten auf dem Fuss. Sie nahmen Bezug auf die frühere Tätigkeit des Ehepaars Hildebrand beim New Yorker Hedge Fund Moore Capital Management. Zum Beispiel: «Was? Hat bei Moore gearbeitet und setzte keine Futures und Options ein?»

Offensichtlich waren es erst die Aussagen von Kashya Hildebrand, die scharfe Attacke der «Weltwoche» auf ihren Mann sowie die Ankündigung einer Medienkonferenz des SNB-Präsidenten, die dem Thema auf internationaler Ebene richtig Schwung verliehen. Selbst die Finanzagenturen, die jedes Husten im Umfeld der Notenbanken verfolgen, schenkten der SNB-Story vor dem Jahreswechsel wenig Beachtung. Eine Ausnahme war der US-Blogger und ehemalige Wall-Street-Dealer Bruce Krasting, der schon am Neujahrstag festhielt: «This story stinks.» Es gehe um politische Intrigen, gestohlene Informationen von diskreten Banken, Informationslecks bei Zentralbanken und möglicherweise um Insiderhandel. Er stützte sich auf die Schweizer Sonntagspresse, die die Rolle von Christoph Blocher in der Angelegenheit thematisierte.

«Langweiligste Ehe in der Geschichte»

Mit Überschriften wie «Uncle Sam goes after Swiss Bankers» (Onkel Sam jagt die Schweizer Banker) widmeten die angelsächsischen Medien der Anklage in den USA gegen drei Kundenberater der Privatbank Wegelin oft mehr Aufmerksamkeit als der Causa Hildebrand. Breaking News für die Finanzagenturen wurde erst der gestrige Medienauftritt Hildebrands. «Es war meine Frau!», subsumierte der FT-Blog Alphaville. Die Kommentare stürzten sich vor allem auf die Aussage Hildebrands, dass er und seine Frau am Morgen als erstes jeweils die «Financial Times» läsen. «Das muss die langweiligste Ehe in der Geschichte sein», heisst es in einem der Kommentare.

«Bringt sich die SNB noch selber um ihren Lohn?», hatte die Zürcher Kantonalbank gestern in einem Marktkommentar vor der Medienkonferenz Hildebrands besorgt gefragt. Sollte die Schlammschlacht um den SNB-Präsidenten weitere Kreise ziehen, könnte dies die Märkte dazu verleiten, die Untergrenze für den Euro von 1.20 Franken ins Fadenkreuz zu nehmen. Gelassener wurde die Entwicklung von Analysten in der angelsächsischen Finanzwelt beobachtet. Sie rechneten selbst im Falle eines Rücktritts Hildebrands nur mit einem vorübergehenden Ausverkauf des Frankens. Die Devisenhändler interessierten sich schon gestern mehr für die heute veröffentlichten Inflationszahlen als für den Fall Hildebrand.

«Schwarzer für Frau Hildebrand und Bankrat» Rechtsexperten finden die Devisengeschäfte von Philipp Hildebrand grundsätzlich heikel. «Er hätte gar nicht in Devisen anlegen sollen. Das war falsch», sagte Monika Roth, Professorin für Finanzmarktrecht dem «St. Galler Tagblatt». Er sollte selber gar keine Anlageentscheide fällen und die Verwaltung seines Privatvermögens einem Dritten überlassen. Auch für Angehörige des Präsidenten müssten besondere Zurückhaltung und Sorgfalt gelten. «Juristisch gesehen handelt sie als seine Stellvertreterin», sagte Roth. Man dürfe von ihr erwarten, keine Währungsgeschäfte zu tätigen. Diesen Punkten habe der Bankrat nur ungenügend Beachtung geschenkt, sagte Roth weiter. Auch die Revisionsstellen hätten die Motive der Devisentransaktion nicht genügend durchleuchtet, sondern schlicht die Version Hildebrands übernommen, bemängelte die Juristin. Der Berner Strafrechtsprofessor Peter Kunz kritisierte in Interviews mit dem «Landboten» und der «Berner Zeitung» wegen der laschen Reglemente die Rolle des SNB-Bankrates und wegen ihrer Unvorsichtigkeit jene von Kashya Hildebrand. «Den schwarzen Peter hat, offen gesagt, nicht Herr Hildebrand, sondern seine Frau und der Bankrat», sagte Kunz dem «Landboten». Kunz hält es für nicht tolerierbar, wenn ein SNB-Präsident «Spekulationsgeschäfte im grossen Stil» betreibt. Darür brauche es aber klare Regeln und Strafnormen.(sda)

«Schwarzer für Frau Hildebrand und Bankrat» Rechtsexperten finden die Devisengeschäfte von Philipp Hildebrand grundsätzlich heikel. «Er hätte gar nicht in Devisen anlegen sollen. Das war falsch», sagte Monika Roth, Professorin für Finanzmarktrecht dem «St. Galler Tagblatt». Er sollte selber gar keine Anlageentscheide fällen und die Verwaltung seines Privatvermögens einem Dritten überlassen. Auch für Angehörige des Präsidenten müssten besondere Zurückhaltung und Sorgfalt gelten. «Juristisch gesehen handelt sie als seine Stellvertreterin», sagte Roth. Man dürfe von ihr erwarten, keine Währungsgeschäfte zu tätigen. Diesen Punkten habe der Bankrat nur ungenügend Beachtung geschenkt, sagte Roth weiter. Auch die Revisionsstellen hätten die Motive der Devisentransaktion nicht genügend durchleuchtet, sondern schlicht die Version Hildebrands übernommen, bemängelte die Juristin. Der Berner Strafrechtsprofessor Peter Kunz kritisierte in Interviews mit dem «Landboten» und der «Berner Zeitung» wegen der laschen Reglemente die Rolle des SNB-Bankrates und wegen ihrer Unvorsichtigkeit jene von Kashya Hildebrand. «Den schwarzen Peter hat, offen gesagt, nicht Herr Hildebrand, sondern seine Frau und der Bankrat», sagte Kunz dem «Landboten». Kunz hält es für nicht tolerierbar, wenn ein SNB-Präsident «Spekulationsgeschäfte im grossen Stil» betreibt. Darür brauche es aber klare Regeln und Strafnormen.(sda)

«Schwarzer für Frau Hildebrand und Bankrat» Rechtsexperten finden die Devisengeschäfte von Philipp Hildebrand grundsätzlich heikel. «Er hätte gar nicht in Devisen anlegen sollen. Das war falsch», sagte Monika Roth, Professorin für Finanzmarktrecht dem «St. Galler Tagblatt». Er sollte selber gar keine Anlageentscheide fällen und die Verwaltung seines Privatvermögens einem Dritten überlassen. Auch für Angehörige des Präsidenten müssten besondere Zurückhaltung und Sorgfalt gelten. «Juristisch gesehen handelt sie als seine Stellvertreterin», sagte Roth. Man dürfe von ihr erwarten, keine Währungsgeschäfte zu tätigen. Diesen Punkten habe der Bankrat nur ungenügend Beachtung geschenkt, sagte Roth weiter. Auch die Revisionsstellen hätten die Motive der Devisentransaktion nicht genügend durchleuchtet, sondern schlicht die Version Hildebrands übernommen, bemängelte die Juristin. Der Berner Strafrechtsprofessor Peter Kunz kritisierte in Interviews mit dem «Landboten» und der «Berner Zeitung» wegen der laschen Reglemente die Rolle des SNB-Bankrates und wegen ihrer Unvorsichtigkeit jene von Kashya Hildebrand. «Den schwarzen Peter hat, offen gesagt, nicht Herr Hildebrand, sondern seine Frau und der Bankrat», sagte Kunz dem «Landboten». Kunz hält es für nicht tolerierbar, wenn ein SNB-Präsident «Spekulationsgeschäfte im grossen Stil» betreibt. Darür brauche es aber klare Regeln und Strafnormen.(sda)

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