Aktualisiert 19.08.2009 14:01

Sprengstoffanschläge auf Wohnhäuser«Das muss irgendein Geisteskranker sein»

Keine Entwarnung in Süddeutschland: Der mutmassliche Urheber der Sprengstoff-Attacken auf zwei Wohnhäuser hält sich weiterhin verschanzt. Inzwischen haben Sprengstoffexperten auf dem Balkon des Mannes ein «sprengstoffverdächtiges Paket» sichergestellt. Zudem meldete sich eines der Opfer zu Wort.

von
amc

Vor zwei Wohnhäusern in Weinheim und im benachbarten südhessischen Viernheim hat ein Mann am frühen Mittwochmorgen mehrere Sprengsätze gezündet. Während es in Weinheim bei Sachschaden blieb, gab es bei dem Anschlag in Hessen Verletzte: Ein 32-jähriger Mann und seine 31 Jahre alte Ehefrau zogen sich bei der Rettung ihrer Kinder Schnittverletzungen zu. Die Kinder erlitten einen Schock, blieben aber unverletzt. Der mutmassliche Täter verbarrikadierte sich in seiner nahegelegenen Viernheimer Wohnung.

Kurz nach elf Uhr hatten Augenzeugen zunächst berichtet, die ausgerückte Sondereinheit der Polizei habe bereits zugegriffen und den mutmasslichen Täter überwältigt. Von offizieller Stelle wurde dies aber nicht bestätigt. Die Polizei steht gemäss eigenen Angaben telefonisch in Verbindung mit dem Mann und versucht ihn weiterhin zur Aufgabe zu bewegen.

Der Mann hatte sich selbst bei der Polizei gemeldet und die Anschläge zugegeben. Er gab an, noch mehr Sprengfallen in Viernheim ausgelegt zu haben. Die Polizei evakuierte sicherheitshalber zahlreiche Bewohner aus dem gefährdeten Bereich.

Anschlag in Weinheim mit einer Granate?

Bereits vor dem Anschlag in Viernheim war im acht Kilometer entfernten Weinheim kurz nach 5.00 Uhr an einem Mehrfamilienhaus ebenfalls ein Sprengsatz explodiert. Der mutmassliche Täter gestand, Urheber dieses Sprengsatz gewesen zu sein. In Weinheim war niemand verletzt worden und die Explosion offenbar viel kleiner, wie Zeugen der Polizei berichteten. Die Polizei vermutet eine Art Granate hinter der Explosion.

Die Behörden evakuierten auch in Weinheim ein weites Gebiet und liessen Sprengstoffexperten aus Stuttgart den Tatort untersuchen. Die Experten fanden bei der Durchsuchung des Hauses auf einem Balkon ein «sprengstoffverdächtiges Päckchen». Das «ähnlich wie eine Zigarettenstange» aussende Paket werde derzeit im Landeskriminalamt untersucht, teilte die Polizei mit. Derzeit sei es aber unklar, ob oder um welchen Sprengstoff es sich handle. Die Evakuierung wurde anschliessend am Mittwochmittag aufgehoben.

War der Täter bereits zuvor polizeilich bekannt?

Inzwischen weiss die Polizei offenbar auch, um wen es sich beim Täter handelt, wie ein Polizeisprecher sagte. Einzelheiten wollte er aber nicht verraten. Gemäss «Radio Regenbogen» handelt es sich beim mutmasslichen Täter um einen etwa 40-jährigen Gas-Wasser-Installateur. In der Nachbarschaft des Tatortes mehren sich derweil Spekulationen und Gerüchte, dass der Mann schon vor Jahren mit Beständen der Bundeswehr aufgefallen sein soll. Gemäss Informationen des Hessischen Rundfunks soll er auch polizeilich bekannt sein, weil er Sprengstoff sammelte und Experimente damit in seinem Garten durchführte.

«Wir konnten uns durch einen Sprung in den Garten retten»

Das Tatmotiv blieb zunächst unklar. Gemäss Nachbarn seien Mietstreitigkeiten und eine Räumungsklage Ursache der Anschläge. Die Polizei bestätigte dies aber nicht. «Wir ermitteln in alle Richtungen», hiess es von den Behörden. Ausschliessen könne man bisher einzig ein politisches Motiv.

Derweil will der Hessische Rundfunk (HR) erfahren haben, dass der Täter ein Neffe des vom Anschlag betroffenen 32-Jährigen aus Viernheim ist. Erste Spekulationen waren am Morgen bereits geäussert worden, wobei der Anschlag eine Familientragödie sei. Ein klares Bekenntnis gab es nicht und die Äusserungen des Familienvater legen diesen Schluss nicht nahe: «Das muss irgendein Geisteskranker gewesen sein», sagte der 32-Jährige. Das Haus sei nach dem Knall sofort voller Rauch und Qualm gewesen. «Meine Frau und ich konnten uns durch einen Sprung in den Garten retten. Dann haben wir die Kinder durch Einschlagen der Scheiben aus dem Kinderzimmer gerettet», so der Familienvater weiter.

(amc/sda/dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.