Dritte Dosis gegen Covid-19 – Das musst du jetzt zur Booster-Impfung wissen
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Dritte Dosis gegen Covid-19Das musst du jetzt zur Booster-Impfung wissen

Die dritte Impfung gegen Corona soll in der Schweiz bald für alle zugänglich sein. Braucht es vorher einen Antikörpertest? Und wann sollte man sich boostern lassen? Hier findest du Antworten auf die brennendsten Fragen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Impfkommission weitet gemäss Medienberichten den Zugang zur Drittimpfung bald aus.

Die Impfkommission weitet gemäss Medienberichten den Zugang zur Drittimpfung bald aus.

20min/News-Scout
Laut «SonntagsBlick» könnte ein Entscheid schon diesen Mittwoch fallen.

Laut «SonntagsBlick» könnte ein Entscheid schon diesen Mittwoch fallen.

20min/Taddeo Cerletti
Warum ist Boostern sinnvoll? 
Anders als der Schutz vor einem schweren Verlauf nimmt der Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 mit der Zeit ab. Das schlägt sich in steigenden Fallzahlen und einer Zunahme der Hospitalisierungen nieder. Dieser Entwicklung lässt sich laut Fachleuten mit der Boosterimpfung entgegenwirken.

Warum ist Boostern sinnvoll?
Anders als der Schutz vor einem schweren Verlauf nimmt der Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 mit der Zeit ab. Das schlägt sich in steigenden Fallzahlen und einer Zunahme der Hospitalisierungen nieder. Dieser Entwicklung lässt sich laut Fachleuten mit der Boosterimpfung entgegenwirken.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Der Booster für alle, die wollen, soll nun auch in der Schweiz kommen.

  • Laut wissenschaftlichen Daten macht das Sinn.

  • Was es im Vorfeld dazu zu wissen gibt, erfährst du hier.

Der Bund macht vorwärts mit der Drittimpfung. Noch in diesem Jahr soll sich die breite Bevölkerung gegen Covid-19 boostern lassen können. Bislang ist dies nur über 65-Jährigen möglich. Der Entscheid wird bereits am Mittwoch erwartet. Das solltest du jetzt wissen.

Warum ist Boostern sinnvoll?

Studien und auch die zunehmende Zahl an Impfdurchbrüchen zeigen: Anders als der Schutz vor einem schweren Verlauf nimmt der Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 mit der Zeit ab. Das schlägt sich in steigenden Fallzahlen und einer Zunahme der Hospitalisierungen nieder. Dieser Entwicklung lässt sich laut Fachleuten mit der Boosterimpfung entgegenwirken. Denn jedes Mal, wenn das Immunsystem mit einem Virus oder eben einem Impfstoff in Kontakt kommt, wird es besser.

Ist das bloss graue Theorie oder bringt der Booster wirklich etwas?

Er bringt wirklich etwas. Das zeigen Daten aus Israel, wo mithilfe der Drittimpfung gegen Covid-19 die vierte Welle gebrochen wurde: Dort haben mittlerweile fast vier Millionen Menschen – mehr als 42 Prozent der Gesamtbevölkerung den Booster erhalten. Das Ergebnis einer im Fachjournal «The Lancet» veröffentlichten Studie, in die die Daten von geboosterten Personen mit demografisch und klinisch ähnlichen Kontrollpersonen, die keine dritte Dosis erhalten hatten und deren zweite Dosis mindestens fünf Monate zurücklag, einflossen, ist eindeutig: In der Gruppe mit Drittimpfung mussten 29 Menschen wegen Covid-19 ins Krankenhaus, in der Gruppe der doppelt Geimpften waren es 231. Das entspricht einer Wirksamkeit von 93 Prozent der Drittimpfung gegenüber der zweifachen Impfung. Von den dreifach Geimpften hatten 17 einen schweren Covid-19-Verlauf, bei den doppelt Geimpften waren 157 betroffen. Das entspricht einer Wirksamkeit von 92 Prozent. Sieben dreifach Geimpfte starben im Zusammenhang mit Covid-19, unter den doppelt Geimpften gab es 44 solcher Todesfälle. Das entspricht einer Wirksamkeit von 81 Prozent. Zudem zeigte sich, dass kurz nach Beginn der Impfkampagne zur Drittimpfung in jeder Altersgruppe die Inzidenz sank.

Profitieren nur die Geimpften vom Booster?

Nein. Weil die Geimpften nach der dritten Dosis mehr und bessere Antikörper als nach der zweiten Dosis haben sowie mehr Gedächtniszellen, sind sie danach deutlich besser und wahrscheinlich auch länger geschützt. Aufgrund dieses sehr hohen Infektionsschutzes ist auch die Weitergabe von Sars-CoV-2 deutlich verringert, wodurch auch das Umfeld geschützt wird.

Sollte ich vor dem Boostern meine Antikörper bestimmen lassen?

Eine generelle Prüfung des Impferfolgs mittels Antikörpertest wird nicht empfohlen, weil nicht bekannt ist, «ab welchem Wert von einem ausreichenden Schutz vor der Erkrankung ausgegangen werden kann», wie das deutsche Robert-Koch-Institut schreibt. Einen festgelegten Grenzwert gibt es nicht. Sinnvoll kann eine Überprüfung der Antiköper aber für Menschen mit einer Immunschwäche oder einer erwarteten stark verminderten Immunantwort sein.

Wie gross sollte der Abstand zur zweiten Dosis sein?

In der Regel ist von sechs Monaten die Rede. Aber dies ist laut Leif Erik Sander, Leiter der Impfstoffforschung Charité Berlin, nicht «dogmatisch zu handhaben». Sie dienten eher der Orientierung. Eine Booster-Impfung schon nach fünf Monaten sei kein Nachteil, zitiert ihn Zdf.de. Das zeigten die Daten aus Israel. Aber dringlich sei sie eben bei denjenigen, deren Impfung noch länger zurückliegt und die noch älter sind. Der Grund: Bei ihnen bilden sich von vorneweg weniger Antikörper und gerade sie haben ein höheres Risiko für schwere Verläufe.

Mit welchem Impfstoff sollte man boostern?

Empfohlen werden für die Booster-Impfung die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech – auch für diejenigen, die zunächst mit einem anderen Vakzin, etwa dem von Johnson & Johnson (J&J), immunisiert worden sind. Deutschland empfiehlt jenen, die den J&J-Impfstoff erhalten haben, bereits nach vier Wochen zu boostern. In der Schweiz gibt es eine solche Empfehlung noch nicht, so Jan Fehr, Infektiologe, Professor und Leiter des Departements Global & Public Health an der Universität Zürich.

Ich wurde mit Moderna geimpft, darf ich nun mit Pfizer boostern?

Virologin Monika Redlberger-Fritz vom Nationalen Referenzlabor für die Überwachung von Virusinfektionen an der MedUni Wien würde die Kombination zweier mRNA-Vakzine nicht empfehlen, auch weil es ein Off-label-Use ist, der nicht nötig ist, wie derstandard.at schreibt. Man wende dieses Impfschema nur bei Menschen mit Immunsupprimierung an, und dann mit der vollen Dosis. Bei gesunden Menschen mache es für die Effektivität höchstens einen geringen Unterschied aus. Auch die Ekif empfiehlt ein sogenanntes homologes Impfschema.

Sind die Booster an die Delta-Variante angepasst?

Aktuell werden dieselben Impfstoffe eingesetzt, die auch für die ersten beiden Dosen verwendet wurden. Also jene, die auf Basis des Ursprungsvirus geschaffen wurden. Moderna hat zwar bereits einen auf eine Variante angepasste Version entwickelt, doch die basiert auf der erstmals in Südafrika nachgewiesenen Beta-Mutante. Der Grund: Die Variante entgeht dem Impfschutz noch am stärksten. Einen auf Delta angepassten Impfstoff gibt es dagegen nicht, «weil das nicht notwendig ist», wie Carsten Watzl, Professor für Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, in einem Instagram-Live mit dem Wissenschaftskommunikatoren Marc Raschke sagt. Studien hätten gezeigt, dass man auch nach dem Booster mit den bisherigen mRNA-Impfstoffen gut gegen Delta geschützt ist.

Sollten sich Schwangere boostern lassen?

Bis jetzt gibt es von der Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) noch keine Empfehlung. Die könnte aber kommen. Denn die Daten der israelischen Booster-Studie zeigen nichts, was dagegen sprechen könnte. Sie enthielt rund 2000 Schwangere. Auffälligkeiten wurden nicht verzeichnet. Deutschland etwa empfiehlt den Booster für Schwangere ab dem zweiten Trimester der Schwangerschaft.

Wie steht es um die Nebenwirkungen?

Die Nebenwirkungen sind vergleichbar zu denen der Zweitimpfung und fallen laut Watzl sogar oft milder aus als nach der zweiten Dosis. Nach der Drittimpfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer wurden vor allem folgende Impfreaktionen genannt: 83 Prozent Armschmerzen, 63,7 Prozent Abgeschlagenheit und 48,4 Prozent Kopfschmerzen. Bei Moderna waren es: 76 Prozent Armschmerzen, 47,4 Prozent Abgeschlagenheit, 47,4 Prozent Muskelschmerzen und 42,1 Prozent Kopfschmerzen.

Unklar ist, wie es sich mit den nach der zweiten Dosis gehäuft auftretenden Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen verhält. «Da gibt es noch keine guten Daten dazu.» Watzl erwartet, dass das Risiko für eine solche nach dem Booster geringer ausfällt, «weil der Abstand dieses Mal grösser ist.»

Bin ich nach dem Booster für alle Zeiten immun?

Das ist noch offen. Aber Fachleute wie Watzl gehen davon aus, dass auch die nach dem Booster aufgebaute Wirkung nicht ein Leben lang hält. «Es ist notorisch schwer gegen Atemwegsinfektionen eine Immunität aufrechtzuerhalten.» Es sei ganz normal, dass der Schutz vor Ansteckung mit der Zeit abnimmt – aus Effektivitätsgründen: «Das Immunsystem ist ja nicht blöd. Das hält ja nicht die ganze Zeit Antikörper-produzierende Zellen bereit, wenn die Infektion schon längst bekämpft ist. Das würde viel zu viel Energie kosten.» Deshalb liessen die Antikörper in den ersten Monaten nach der Impfung relativ schnell nach. «Aber man hat auch Gedächtniszellen, die zum Teil Jahrzehnte anhalten und auch Antikörper produzieren. Das heisst: Dann ist zwar mein Schutz vor der Infektion nicht mehr so hoch, aber der Schutz vor einer schweren Erkrankung, der ist immer noch da.» Fest steht aber, dass eine nötig gewordene dritte Impfung nicht bedeutet, dass die Impfstoffe versagen. «Ich gehe davon aus, dass die dritte Dosis Teil der Grundimmunisierung ist. Auch bei vielen anderen Impfungen braucht es mehrere Dosen, um den bestmöglichen Schutz zu erzielen. «Das ist ein klassisches Impfschema.»

Kann ich mich zeitgleich auch gegen Grippe impfen lassen?

Ja. Mit den Sorgen bezüglich einer möglichen Wechselwirkung zwischen der Covid-19- und einer Influenza-Impfung konfrontiert, gibt Christoph Berger, Leiter der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), Entwarnung: «Es spricht absolut nichts dagegen, sondern eher dafür – weil dann die gute Möglichkeit besteht, nicht an Grippe zu erkranken.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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