23.04.2020 06:41

Contact-Tracing

Das musst du über die Corona-App wissen

Schweizer Forscher entwickeln eine App, die vor einer möglichen Corona-Ansteckung warnt. Wie funktioniert sie und wie gut sind deine Daten geschützt?

von
les
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Mit einer Contact-Tracing-App auf dem Smartphone könnte man vielleicht schon bald die Ansteckungskette des Coronavirus unterbrechen.

Mit einer Contact-Tracing-App auf dem Smartphone könnte man vielleicht schon bald die Ansteckungskette des Coronavirus unterbrechen.

kay Nietfeld
Das planen App-Entwickler aus ganz Europa.

Das planen App-Entwickler aus ganz Europa.

Keystone/Ennio Leanza
Das Ziel ist, dass positive Getestete ihre Infektion der App melden, sodass diese automatisch Kontakt aufnehmen kann mit Personen, die dem Erkrankten zu nahe gekommen sind.

Das Ziel ist, dass positive Getestete ihre Infektion der App melden, sodass diese automatisch Kontakt aufnehmen kann mit Personen, die dem Erkrankten zu nahe gekommen sind.

Keystone/Christian Beutler

Wo stehen wir in der Entwicklung?

Die App soll am 11. Mai für Schweizer Nutzer verfügbar sein. Die Technologie – genannt DP-3T – wird zurzeit von Forschern der Eidgenössischen Technischen Hochschulen Zürich (ETH) und Lausanne (EPFL) zusammen mit internationalen Partnern entwickelt. Die Entwicklung der App ist öffentlich im Netz einsehbar.

Wie funktioniert die App?

Die App funktioniert über Bluetooth und dient dem sogenannten «Digital Contact-Tracing». Sie registriert Begegnungen mit anderen Personen und speichert deren Kontaktdaten und die Zeit des Treffens anonym. Wenn man danach positiv auf das Coronavirus getestet wird, kann man diese Information mit den anderen Nutzern teilen. So werden alle Personen gewarnt, die durch einen engen Kontakt möglicherweise infiziert worden sind. Damit keine Falschmeldungen verbreitet werden können, soll man beim Corona-Test einen einmaligen Code bekommen, um die Meldung in der App zu verschicken.

Wo gibt es Probleme?

Eine Herausforderung besteht darin, die App datenschutzkonform umzusetzen. Mangelnder Datenschutz hat das Schweizer Forschungsteam und alle Beteiligten der App dazu bewogen, sich aus der europäischen Initiative zurückzuziehen, die die Entwicklung gestartet hat. Darunter ist auch Marcel Salathé, Epidemiologe an der EPFL und treibende Kraft hinter der Schweizer App: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist die europäische Initiative nicht genug offen und transparent», erklärte er auf Twitter.

Das System der Schweizer App ist dezentral aufgebaut, was laut den Forschern die persönlichen Daten besser schützt (siehe Box). Neben Salathé plädieren auch über 300 weitere Wissenschaftler für den dezentralen Ansatz: «Es ist absolut entscheidend, dass wir nicht ein Werkzeug schaffen, welches ermöglichen würde, Daten über die Bevölkerung in grossem Stil zu sammeln», heisst es in einem Brief von über 300 Wissenschaftlern, der am Montag veröffentlicht wurde.

Sind meine persönlichen Daten sicher?

Laut den Entwicklern ist ein guter Datenschutz essenziell: «Das System hat zum Ziel, die Risiken für die Privatsphäre und Sicherheit von Individuen und Gemeinschaften zu minimieren und das höchste Level an Datenschutz zu garantieren», schreibt die ETH Lausanne in einer Mitteilung. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) Adrian Lobsiger begrüsst den dezentralen Ansatz der Schweizer Technologie. Auch Martin Steiger von der Digitalen Gesellschaft sagt gegenüber 20 Minuten: «Die Idee ist, dass man nicht Wirksamkeit gegen Datenschutz eintauscht, sondern beides hat.» Probleme beim Datenschutz könnten aber auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Wann nützt die App?

Die Nutzung der App soll in der Schweiz auf Freiwilligkeit basieren. Laut Forschern der Oxford University in England müssen jedoch mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App nutzen, damit sie die Verbreitung des Coronavirus eindämmen kann. Deshalb gibt es Stimmen aus der Politik, die für ein Obligatorium plädieren: «Damit die App eine volle Wirkung erzielen kann, muss sie während der akuter Notphase obligatorisch sein», schreibt CVP-Ständerätin Andrea Gmür auf Twitter.

Ist ein App-Obligatorium durchsetzbar?

Martin Steiger von der Digitalen Gesellschaft ist gegen ein Obligatorium: Eine grossflächige Durchsetzung sei kaum denkbar: «Nicht alle haben ein Smartphone und wir können die Leute nicht zwingen, das Handy überallhin mitzunehmen.» Steiger ist überzeugt, dass die App auch bei weniger als 60 Prozent Nutzern etwas bringen wird: «Eine möglichst hohe Nutzerzahl ist erstrebenswert. Aber das Virus verbreitet sich exponentiell. Deshalb kann man möglicherweise schon eine riesige Ansteckungskette verhindern, wenn man nur zwei von zehn Kunden einer infizierten Coiffeuse warnen kann.»

Zentraler Ansatz

Ein zentraler Server verwaltet die persönlichen Daten. Wenn man ein positives Corona-Testergebnis hat, schickt man die gespeicherten Begegnungen an den Server. Der Server erstellt dann einen Schlüssel und warnt die Kontaktpersonen.

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