Kult-Berg wird gleich zweimal überquert - Das musst du über die Tour de France 2021 wissen
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Kult-Berg wird gleich zweimal überquertDas musst du über die Tour de France 2021 wissen

Die 108. Tour de France beginnt am Samstag. 20 Minuten präsentiert die wichtigsten Fakten zum berühmtesten Radrennen der Welt.

Sagan checkt 2017 im Sprint Cavendish.

Video: Tamedia/AFP

Darum gehts

  • Die 108. Tour de France beginnt am Samstag.

  • Sechs Schweizer fahren an der Grande Boucle mit.

  • In dieser Ausgabe müssen die Profis den berühmten Mont Ventoux zweimal besteigen.

  • Die Franzosen warten seit 36 Jahren auf einen einheimischen Sieger.

Bekannter Start und Bonussekunden

Zum vierten Mal nach 1952, 1974 und 2008 beginnt die Tour in Brest. Eigentlich sollte die Frankreich-Rundfahrt in Kopenhagen starten. Da aber die Fussball-EM wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben wurde und Kopenhagen Spielort ist, wurde der Tour-Start in der dänischen Hauptstadt auf 2022 verlegt. Dafür sprang die Hafenstadt in der Bretagne ein.

Die Spezialisten im Kampf gegen die Uhr dürfen sich dieses Mal freuen. Gleich zwei Einzelzeitfahren über insgesamt 58 Kilometer warten auf der 5. und 20. Etappe auf die Fahrer. Die letzte Etappe der Tour findet traditionell auf den Champs Élysées in Paris statt.

Bei sechs einzelnen Bergwertungen gibt es in diesem Jahr auch wieder Bonussekunden zu holen, was für die Anwärter auf den Gesamtsieg interessant sein dürfte. Acht, fünf und zwei Sekunden werden dann an die besten drei Kletterer verteilt. In den ingesamt 21 Etappen legen die Fahrer 3414 Kilometer zurück. Mit 249,1 Kilometern ist die siebte Etappe von Vierzon nach Le Creusot die längste.

50’000 Höhenmeter und zweimal den Ventoux

Sechs der 21 Etappen finden im Hochgebirge statt. Damit ist die Rundfahrt vom Profil her nicht so berglastig wie im Vorjahr. Insgesamt dreimal liegt das Etappenziel auf dem Berg: Tignes, Col du Portet und Luz-Ardiden. Der höchste Punkt der Rundfahrt liegt dieses Mal ausserhalb Frankreichs. Auf der 15. Etappe wird der 2408 Meter hohe Port d’Envalira in Andorra passiert. Es ist der höchste Strassengebirgspass der Pyrenäen.

Ingesamt rund 50’000 Höhenmeter sind in diesem Jahr auf den 21 Etappen von Brest nach Paris zu bewältigen. Das sind rund elf Prozent weniger als im Vorjahr, aber immer noch deutlich mehr als in den Jahren von 2015 bis 2018.

Der berühmt-berüchtigte Riese der Provence gehört erstmals seit 2016 wieder dem Tour-Programm an. Und diesmal muss der Mont Ventoux auf der elften Etappe gleich zweimal überquert werden. Der 1910 Meter hohe Berg, der im oberen Teil einer Mondlandschaft gleicht, hat durch den Tod von Tom Simpson 1967 traurige Berühmtheit erlangt. Vollgepumpt mit Amphetaminen brach der Brite drei Kilometer vor dem Ziel zusammen und starb.

Slowenische Favoriten und sechs Schweizer

Auch die 108. Tour könnte wieder eine slowenische Angelegenheit werden. Vorjahressieger Tadej Pogacar und dem unglücklichen Zweitplatzierten Primoz Roglic werden die grössten Chancen zugerechnet. Aber auch Ex-Sieger Geraint Thomas könnte als guter Zeitfahrer genauso wie sein australischer Ineos-Teamkollege Richie Porte eine Rolle spielen.

Insgesamt 23 Teams mit 184 Radprofis nehmen die Rundfahrt in Angriff. Dabei sind auch sechs Schweizer: Michael Schär (AG2R Citroën), Stefan Küng (Groupama-FDJ), Silvan Dillier (Alpecin-Fenix), Marc Hirschi (UAE-Team Emirates), Reto Hollenstein (Israel Start-Up Nation) und Stefan Bissegger (EF Education-Nippo).

Der Schweizer Marc Hirschi wurde an der Tour 2020 als der kämpferischste Fahrer ausgezeichnet. 

Der Schweizer Marc Hirschi wurde an der Tour 2020 als der kämpferischste Fahrer ausgezeichnet.

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Rekorde und das lange Warten der Franzosen

Der Franzose Sylvain Chavanel ist mit 18 Starts der Rekordteilnehmer der Tour. Der Spanier Miguel Indurain gewann als einziger Radprofi fünfmal die Tour in Serie. Neben Indurain werden noch Jacques Anquetil (Frankreich), Eddy Merckx (Belgien) und Bernard Hinault (Frankreich) als Fünffach-Sieger geführt. Die sieben Erfolge von Lance Armstrong wurden wegen dessen Dopingvergehen gestrichen.

Der Brite Fred Wright vom Team Bahrain-Victorious ist beim Start am Samstag mit 22 Jahren und 13 Tagen der jüngste Fahrer im Feld. Damit könnte er der Sohn von Spaniens Altstar Alejandro Valverde sein, der am Samstag 41 Jahre und 62 Tage alt ist.

Seit nunmehr 36 Jahren wartet die Grande Nation auf einen Heimsieg. Letzter französischer Toursieger war Bernard Hinault im Jahr 1985. Am ehesten wird Julian Alaphilippe zugetraut, die Durststrecke zu beenden. Die weniger berglastige Strecke könnte dem Weltmeister liegen.

Bernard Hinault gewann 1985 als letzter Franzose die Tour. 

Bernard Hinault gewann 1985 als letzter Franzose die Tour.

AFP

Die farbigen Trikots und ein Schweizer Titelverteidiger

Das Gelbe Trikot wird bereits seit über 100 Jahren an den Führenden der Tour de France vergeben. Der beste Bergfahrer fährt im rotgepunkteten Dress. In Grün ist der punktbeste Fahrer unterwegs, der beste Nachwuchsfahrer trägt das Weisse Trikot.

Der kämpferischste Fahrer wird jeden Tag geehrt und darf am nächsten Tag eine rote Startnummer tragen. Im letzten Jahr wurde Marc Hirschi am Ende der Tour als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet.

500’000 Euro kassiert der Gesamtsieger. Im Vergleich zu den grossen Turnieren im Tennis oder Golf ist dies verhältnismässig wenig. Dazu ist es Tradition, dass der Sieger sich das Geld mit seinen Teamkollegen teilt. Für die Gewinner des Berg- und Punktetrikots gibt es jeweils 25’000 Euro, der beste Nachwuchsfahrer streicht 20’000 Euro ein. Für einen Etappensieg gibt es 11’000 Euro. Insgesamt verteilt der Veranstalter ASO (Amaury Sport Organisation) gut 2,2 Millionen Euro an Preisgeldern.

Mit Zuschauern und wohl auch mit Stürzen

Trotz der Corona-Pandemie sind Zuschauerinnen und Zuschauer am Streckenrand erlaubt. Im Start- und Zielbereich ist der Zugang aber limitiert. Dazu sind die Fans dort nur mit einem Impfnachweis oder einem negativen Corona-Test zugelassen. Grundsätzlich entscheiden die Departements, ob es Begrenzungen gibt. So ist es noch unklar, ob wieder Bergpässe geschlossen werden. Zehn bis zwölf Millionen Menschen wie zu Vor-Corona-Zeiten werden diesmal kaum das Rennen verfolgen.

Da bei der Frankreich-Rundfahrt immer besonders hektisch gefahren wird, sind Stürze programmiert. Der schlimme Crash der Ex-Weltmeister Mark Cavendish und Peter Sagan aus dem Jahr 2017 ist noch in guter Erinnerung (siehe Video ganz oben). Der Weltverband hat nach den schlimmen Stürzen im Vorjahr schärfere Regeln eingeführt.

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(dpa/hua)

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